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DENKMALER
vidualität der zu lösenden Aufgabe am meisten entspricht
, nach freier Wahl die Ausführung des Werkes
zu übertragen: — dies ist eine Erwägung, für welche
die Majorität der Laien ein noch nicht genug fein entwickeltes
Kunstempfinden besitzt. So ist wieder einmal
an einer Konkurrenz-Ausschreibung ein großer
Kunstgedanke gescheitert. Hier gab es.ein en Meister
allein, von dem ohne Schwanken, ohne Zögern die
Gestaltung des Werkes zu erbitten war. Max Klinger
stand in den engsten geistigen und persönlichen
Beziehungen zu Brahms, Beziehungen, welche herrlichste
Kunstumwertungin dem Meisterwerke Klinger-
scher Radierungen, in denBrahms-Phantasien, fanden.
Nur dieser Meister war der Mann dazu, Brahms
Andenken durch ein demselben homogenes Kunstwerk
zu ehren. Im Komitee selbst gab es Leute,
denen dieser Gedanke sich aufdrängte. Leider
wurde die richtige Empfindung durch Konzessionen
und Halbheiten verballhornt. Man ging von der
Konkurrenzform nicht ab, beschloß aber nicht nur,
wie erst beabsichtigt, nur inländische Künstler heranzuziehen
, sondern auch einen ausländischen Künstler
und zwar Klinger einzuladen. Dieser nahm die
Einladung nur aus dem Grunde an, weil er nach
seinem eigenen Ausspruche sich bei einer geplanten
Ehrung Brahms' nicht ausschließen wollte. Denn
sein eigenstes Wesen widerstrebt ja einem Schaffen
auf Termin gänzlich. Wer je dieses Schaffen eingehend
verfolgt hat, wer beobachten konnte, wie
gerade Klinger Ideen lange in sich herumträgt und
reifen läßt, wie er Entwürfe macht, ändert und verwirft
, der war sofort im Zweifel ob Klinger zu einem
angegebenen Zeitpunkt mit einer dem Publikum
verständlichen Lösung fix und fertig sein würde. Es
ist eben eine Banalität sondergleichen, eine künstlerische
Enunziation für ein bestimmtes Datum
zu bestellen. Klinger hielt es für genügend, die
Verkörperung seiner Idee nur durch eine andeutende
Skizze auszudrücken. Er verwaif die Porträtfigur
im Freien. Sie ist unter südlichem Himmel entstanden
, nur dort gehört sie hin. Bei uns im Norden
allen Unbilden der Witterung ausgesetzt, macht sie
einen traurig hilflosen Eindruck. Die viel subtilere,
keuschere Art, ein Erinnerungsbild nicht im rohen
direkten Kontakt mit dem vorbeiflutenden Leben
zu bringen, schwebte ihm vor. So schuf er seinen
Brahms-Entwurf als Tempel. In einen Rundbau
schließt er die Figur des Tondichters ein und bricht
dadurch mit der bisherigen Denkmalschablone. Das
ist entschieden das künstlerische Ergebnis der Konkurrenz
. Ueber diese Idee selbst ist der Meister noch
nicht weit hinausgekommen. Die Figur von Brahms,
welchen er sich als im Tempel auf einer Steinbank
sitzend dachte, war überhaupt nur angedeutet. Man
hätte meinen müssen, daß für eine Jury auch eine
Andeutung Klingers hätte genügen können. Doch
es fehlte das Verständnis für die flüchtige Andeutung
und so geschah es, daß von den sieben Mitgliedern
der Jury nur drei sich bewußt waren, dem Gedankenwurf
eines Klingers gegenüberzustehen. Der Auftrag
fiel dem Wiener Bildhauer Rudolf Weyr zu. Sein
Entwurf ist sehr von Hellmers Goethe beeinflußt.
Doch wäre es verfrüht, über die endgültige Lösung
des Standbildes zu sprechen, da vom Komitee der
Beschluß gefaßt wurde, Weyrs Skizze in der jetzigen
Form nicht auszuführen, sondern den Künstler zu
beauftragen, ein neues Modell mit Benützung der
ersten Idee zu schaffen. B. Z.
LJAMBURG. Bismarck-Denkmal. Die unter Leitung
der beiden Künstler Lederer und Schau dt vorzunehmende
Ausführung der gesamten Denkmalsanlage
ist der Firma Philipp Holzmann & Co. in
Frankfurt a. M. übertragen worden. Für die Herstellung
aus deutschem Material (Schwarzwälder
Granit mit etwas rötlicher Tönung) lautete deren
Offerte auf M. 368000. Das Künstler-Honorar ist
mit M. 60000 vereinbart worden.
W/AAL. Ein von Professor Hubert von Her-
komer seinem Geburtsort gewidmetes und von
ihm modellierter Kriegerdenkmal ist am 28. September
enthüllt worden.
CEBNITZ. Mit der Schaffung eines in Verbindung
^ mit einer Brunnenanlage gedachten Bismarck-
Denkmals ist auf Grund seines eingelieferten Entwurfes
der Berliner Bildhauer Victor Seifert betraut
worden.
DÄRMEN. In dem Wettbewerb zur Erlangung von
Entwürfen eines Brunnendenkmals für den verstorbenen
Pädagogen F.W. Dörpfeld, das in den
hiesigen Anlagen errichtet werden soll, ist der
erste Preis dem Baugewerkschuldirektor Hartig in
Aachen, der zweite dem Regierungsbaumeister Dörpfeld
und der dritte dem Bildhauer W. Neumann-
Torberg in Berlin zuerkannt worden.
louis corinth
« bildnis eines
logenmeisters
A RCO. Für das Giovanni Segantini-Denkmal, das
hierorts, in der Geburtsstadt des Malers, errichtet
werden soll, sind außer den behördlicherseits bewilligten
8000 Kr. bis jetzt von Privaten u. s. w. nur
etwa 6000 Kr. eingegangen. An dem Geburtshause
Segantinis wird demnächst eine Gedenktafel angebracht
werden, auch eine Straße ist seit längerer
Zeit bereits nach dem Künstler benannt.
fWIANNHEIM. Das von Prof. Jos. Uphues ge-
*V* schaffene Moltke-Denkmal soll am 19. Oktober
enthüllt werden.
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