Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 106
(PDF, 173 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0128
«*-s^> OTTO FISCHER -C^=^

Stormsche Dichtung, ist sie wie diese von
einer die feinsten Fasern des Herzens angreifenden
Durchseelung alles Stofflichen, besonders
der im milden Lichte wie selbst
leuchtenden Formen des Gesichts und ganz
besonders des wunderbaren Auges.

Ist dann die kleine Aquatinta-Radierung
„Brandung", die von der furchtbaren Oede
einer Novembernacht am Meere spricht, schon
ein ganz reifes, wundervoll eindringliches
Blatt, so zeigt sich Fischers höchste Fähigkeit,
die aufgespeicherte Lebenskraft eines ganzen
Stimmungskreises mit Hilfe der ergänzenden
Phantasie vor einer Naturanregung zu einer
Bildvorstellung heraufwachsen zu lassen, am
mächtigsten in der großen Lithographie
„Gewitter". Wie hier die Schatten vorn den
hell erleuchteten Hügel hinaufkriechen, wie
sich an der geisterhaft leuchtenden Ruine das
kleine Häufchen Bäume scheu zusammendrängt
und wie dahinter alles in Nacht getaucht
ist, bis nur ganz draußen in unendlicher
Ferne die fahlen Schneehäupter wie aus einer
anderen Welt auftauchen, und wie sich wie
im Traum-Wachen die Wolken lautlos von
der Erde aufwärts ringen und über dieser
Welt zu furchtbaren Gebilden zusammenballen:
das berührt uns wie eine unvergleichliche

Dichtung von dem Erwachen der Naturgeister
in der Bergwelt-Einsamkeit. Die großen
Originale*) lassen natürlich noch besser
die Reife der Darstellungskraft des Künstlers
erkennen, die Sicherheit, mit der er seine
griffelkünstlerischen Mittel: die Raumgestaltung
, die Ausdrucks- und Anregungskraft der
Formen und von Hell und Dunkel beherrscht.
Jeder Zug ist da notwendig und unentbehrlich,
ohne sich doch vorzudrängen und für sich
zu sprechen; alles dient nur, um dem
Wesentlichen zum Ausdruck zu verhelfen.

So sehen wir in Otto Fischer wieder einmal
einen Künstler, der, zurückgezogen vom Tageslärm
und Modegetriebe, in schritt für schrittweisem
Aufwärtssteigen zu einer Höhe gelangt
ist, nach der man ihn schon heute, abgesehen
von unseren Erwartungen für seine Zukunft,
zu den Besten seiner Zeit stellen darf.

Walter Hofmann

*) Bemerkt sei, dass die Hofkunsthandlung Ernst
Arnold in Dresden den Vertrieb der graphischen Arbeiten Otto
Fischers übernommen hat.

otto FISCHER

GEWITTER (Lithographie)

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