Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 110
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0132
-=^s5> ANSELM UND HENRIETTE FEUERBACH UND

bald erfahren wird, war das nicht immer
leicht und erforderte ein großes Maß von
Takt und ausgleichender Gerechtigkeit. Stellte
sich einmal eine arge und scheinbar unlösliche
Verwirrung ein, so half sie sich mit
ihrem äußersten Mittel: sie häufte mit rührender
Beredsamkeit alle Schuld auf ihre
eignen ohnehin genug gedrückten Schultern.

»•*

Die Bekanntschaft Feuerbachs mit Schack
vermittelte im Jahre 1862 der Onkel Paul
Heyses, der originelle, geist- und gemütvolle
Philologe Theodor Heyse, indem er die Aufmerksamkeit
Schacks auf die wundervolle
Madonna mit den drei musizierenden Engeln
richtete, welche von Oberst Rotpelz gekauft
worden war und diesen zu dem Ausrufe begeistert
hatte: Wenn Anselm Feuerbach noch
nicht der größte Maler des Jahrhunderts ist,
wird er dies gewiß noch werden. Auch
Schack, obwohl von seinem Genelli, dann
von Schwind, Steinle und Führich ganz eingenommen
, ließ sich bald dafür erwärmen
und bestellte eine Wiederholung davon, die
aber dem Urbilde künstlerisch nicht ebenbürtig
ist, trotzdem der Maler mit der Hinzufügung
eines vierten Kinderkopfes ein Besonderes
hatte tun wollen. Während Feuerbach

FRITZ BURGER pinx.

an diesem Bild arbeitete, verkaufte er an
Schack den „Garten des Ariost" und das
„Porträt einer Römerin" (Nana), und zeigte
sich in seinem Briefe vom 15. Februar 1863
hocherfreut darüber, „weil es für uns Künstler
so wichtig ist, in wessen Hände die Werke
bleiben, als der Ort und die Art, wo und
wie dieselben entstehen". In dem gleichen
Briefe kündigt Feuerbach seine „Pietä" an,
welche der Vollendung nahe sei und von
allen Künstlern, die sie bis dahin gesehen,
als sein bestes Bild erklärt werde.

Ende desselben Jahres befand sich dieses
Hauptwerk Feuerbachs mit der klassischen
Rückenansicht der über Christi Leichnam
hingeworfenen schmerzensreichen Mutter und
den drei knieenden Frauen bereits im Besitze
Schacks. Er hatte den Künstler mit diesen
Käufen nach dessen eigener Aussage aus
großer seelischer und finanzieller Bedrückung
erlöst. Gerade die „Pietä" aber brachte später
eine Verstimmung zwischen ihnen hervor,
da sie Henriette ohne Wissen Anselms um
2000 statt um die von diesem geforderten
3000 Gulden verkauft hatte. Daß Schack das
verlangte Honorar zu hoch fand, was ihm
bei Genellis Bildern in gleicher Preislage nie
in den Sinn gekommen war, beweist, daß ihm
und seinen Beratern damals nicht völlig bewußt
war, welche Schätze er seiner Sammlung
mit der „Pietä" und der „Nana" einverleibte.
Ich beeile mich aber hinzuzufügen, daß er
einer von den wenigen war, welche überhaupt
Werke des verlästerten und verhöhnten Feuerbach
damals zu kaufen wagten, und daß
letzterer innerhalb eines Jahres immerhin
etwa 4000 Gulden von seinem neuen Auftraggeber
bezog. „Wie es mir ohne dieses
Dazwischentreten ergangen wäre, weiß ich
nicht zu sagen. Es war meine schlimmste
Periode, und ich hatte alle Ursache, dankbar
zu sein", sagte er selbst von jener Zeit, und
Henriette schrieb den 12. November 1863
an Schack: „Ich bin ruhig wie nie über Anselms
Weg, ich glaube, er-ist auf dem rechten,
guten, und Ihnen möge Gott und Ihr eigenes
Bewußtsein lohnen, daß Sie sich im aller-
schlimmsten, im eigentlich verhängnisvollen
Moment seiner angenommen haben. Er wird
es nie vergessen und ich noch weniger, daß
er Ihnen Leben und Kunst schuldig geworden
ist."

Wer die Tagesliteratur jener Zeit nicht
kennt, kann aus dem „Vermächtnis" erfahren,
mit welcher Leidenschaft die Kritiker*) über

*) Fr. Pecht bildet die hervorragendste Ausnahme
davon. Er ist mehrmals mutig und erfolgreich für
Feuerbach eingetreten.

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