Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 121
(PDF, 173 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0143
-sr4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

»Komiteesitzung für die französische Ausstellung
in Kopenhagen«, mit der meisterhaften Lösung des
double-lumiere- Problems im Jahre 1888 erreicht.
Bis Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts
wußte sich der Künstler diese Höhe zu
erhalten. Von da ab ist ein leises Nachlassen seiner
künstlerischen Energie zu spüren, und die letzten
Arbeiten lassen zwar noch den immer geschmackvollen
Maler, aber auch den bereits nach einem
Rezept arbeitenden Künstler erkennen. Die Ausstellung
gestattet einen Rückblick auf Kröyers Tätigkeit
bis etwa 1880. Von der in jenem Jahre unternommenen
Studienreise nach Spanien stammt das
Porträt einer jungen Zigeunerin »La Frescita«, das
noch die dunkle, tonige Farbengebung der Bonnat-
Schule hat. Das köstlich frische »Künstlerfrühstück
in Skagen« von 1893 zeigt die Wirkung, die Manet
und der Impressionismus auf den jungen Künstler
ausgeübt, und läßt zugleich einen Charakterschilderer
ersten Ranges erkennen. Es ist nicht möglich, neun
Leute natürlicher um einen Tisch zu gruppieren.
Das Gartenzimmer, in dem sie sitzen, ist voll Licht
und Luft. Von den anderen berühmten Gruppenbildern
Kröyers: dem »Atelierquartette«, jener »Komiteesitzung
«, der »Sitzung der Kopenhagener Akademie
der Wissenschaften« und der »Börse in Kopenhagen«
sind hier nur Skizzen und einige Studien vorhanden,
die allerdings glänzende Beweise für die ursprüngliche
Stärke seiner malerischen Begabung bilden.
Dagegen enttäuschen etwas die zahlreich vorhandenen
Porträts gerade nach dieser Richtung. Sie
sind brillant gezeichnet und erstaunlich ähnlich,
aber entweder trocken oder konventionell in der
Farbe. Man findet hier u. a. die Literaten Schandorph,
Jonas Lie, Georg Brandes in ihren Arbeitszimmern,
die Dichter Holger Drachmann und Björnson in
Freilichtbeleuchtung, vor Landschaften stehend,
dargestellt. Ein ausgezeichnetes, Kröyer auf dem
Gipfel seiner Künstlerschaft zeigendes, und ganz
national-dänisch wirkendes Stück ist das liebenswürdige
Familienidyll »Am Frühstückstisch« von 1893,

das bereits gelegentlich der Pariser Weltausstellung
hier abgebildet ward (XVI. Jahrg. S. 349). Kröyer im
blauen Arbeitsrock, Frau Kröyer in gelblichem Kleide,
sitzen in einem gemütlichen, hellen Zimmer, an einem
hübschgedeckten Tisch und lauschen den Worten
eines eifrig sprechenden Gastes. Das kleine Bild
ist mit miniaturenhafter Sorgsamkeit bis ins Letzte
durchgeführt. Die saubere, delikate Malerei würde
einem altholländischen Kleinmaler Ehre machen, und
dabei haben die Frische der Empfindung und des
Ausdrucks und der angenehme Ton des Bildes nicht
das geringste gelitten. Der hier angeschlagene Klang
von Gelb und Blau kehrt fast in den meisten der
danach entstandenen Werke wieder, von denen »Am
Strand«, »Spaziergang am Strand« und »Sommerabend
am Strand« in Deutschland gut bekannt sind.
Hier finden sich nur die Skizzen dazu. Man sieht
darauf immer die schöne Frau Kröyer in weißem
Gewände mit ihrem Hunde, mit Frau Ancher oder
ihrem Gatten vor dem blauschimmernden Meer in
Abendbeleuchtung. Auch Kröyers Selbstbildnis in
der Florentiner Porträtgalerie, von dem hier eine
vorzügliche kleine Wiederholung vorhanden, ist auf
Gelb und Blau gestimmt. Angesichts dieser Leistungen
und der ungemein geistvollen Studie zu dem
»Atelierquartett« kann man die allgemeine Bemerkung
kaum unterdrücken, daß die Studien und
Skizzen des Künstlers seine ausgeführten Bilder
— den »Frühstückstisch« ausgenommen — weit
übertreffen und auch heute noch zu den wertvollsten
Dokumenten der Kunst am Ende des neunzehnten
Jahrhunderts gehören. — Außer Kröyers Kollektion
wird eine solche des Norwegers Gustav Wentzel
vorgeführt, die bis auf einige gelungene Schneebilder
wenig charakteristisch für seine Art ist. W. L. Lehmann
und Ludwig von Senger zeigen sich als
begabte, aber leider schon in Manier schaffende
Landschafter. Das Uebrige in dieser Ausstellung
ist mittelgut oder, wie der patriotische Bilderbogen,
mit dem Wilh. Beckmann Eindruck zu machen
sucht, unter dem Niveau dessen, was in einem vor-

Die Kunst für Alle XVIII.

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in


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