Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 122
(PDF, 173 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0144
~3=fe25> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

nehmen Kunstsalon erlaubt sein sollte. — Aeußerst
uninteressant ist die gegenwärtige Ausstellung im
Künstlerhause. Das einzige Sehenswerte eine Studie
Fritz von Uhde's zu seinem Bilde »Der Leierkastenmann
kommt« mit ausgezeichnet beobachteten
und mit malerischer Empfindung wiedergegebenen
Kindertypen. Raffael Schuster-Woldan zeigt
sein bestes Bild, das Porträt einer jungen, auf einer
mit Fellen bedeckten Chaiselongue knieenden Dame,
Leo Putz ein paar amüsante Landschaftsstudien und
einen mäßigen weiblichen Halbakt, Rich. Kaiser und
Gilbert von Canal Landschaften, die man schon
oft gesehen zu haben glaubt, die aber ebensogut
kürzlich gemalt sein können. — Der Kunstsalon von
Keller & Reiner genießt den Vorzug, den Berlinern
Max Klinger's vielbesprochenen »Beethoven «zeigen
zu dürfen, worüber die kunstsinnigen Kreise der
Reichshauptstadt mit einer kleinen Völkerwanderung
quittieren. Das in edlem Material hergestellte Werk
wirkt natürlich unvergleichlich besser als der bemalte
Gips in der letzten Ausstellung der Berliner
Secession. Indessen werden durch diese Aeußer-
lichkeit die Bedenken nicht vernichtet, die man
gegen den Beethoven als einer Schöpfung der Plastik
haben muß. Es ist zu bedauern, daß Klinger von
den Erfahrungen, die er als Bildhauer in den fünfzehn
Jahren seit Entstehen des ersten Entwurfs gemacht
, nichts auf dieses Werk gewendet. Vielleicht
ist bei der Behandlung des Beethovenkopfes der
Einfluß Rodins zu spüren, im übrigen aber verrät
die Gruppe die völligste Unkenntnis vom Wesen
der Plastik. Dieser empfindliche Mangel wird durch

THEODOR BRUCKNER

BILDNIS DER TÄNZERIN
CARANGOT

die Oberlehrer-Idee, die Klinger zu diesem Denkmal
des unsterblichen Schöpfers der Neunten begeisterte,
nicht ausgeglichen. Dem Werke fehlt in sich die
Einheit. Der Künstler will das Menschliche ins
Ideale transponieren und bedient sich dazu der
kleinlichsten realistischen Mittel. Und auch innerhalb
dieser gibt er wieder Gegensätze, wie etwa
der überrealistische Mantel zu dem stark vereinfachten
Adler, der wieder mit sorgsam durchgearbeiteten
Bronzeklauen versehen ist. Das schlimmste
aber bleibt, daß der Künstler ganz ahnungslos
scheint von der Bedeutung der Linie und der
Silhouette für ein Werk der Plastik. Die Gruppe
zerfällt dadurch in lauter einzelne Teile, die man
fortnehmen oder verändern könnte, ohne den Eindruck
des Bildwerkes wesentlich zu beeinflussen.
Der Adler, die goldgleißenden aufdringlichen Seitenlehnen
des Bronzesessels, selbst andere Teile des
Sessels oder der Faltenwurf des Gewandes, sind
durch die Komposition nicht im geringsten begründet
. Sie könnten ruhig fehlen. Man versuche
nur, irgend einem wirklich plastischen Werk solche
Requisiten zu entziehen. Es wäre unmöglich, ohne
die Hauptsache in Mitleidenschaft zu versetzen. Bei
einer Schöpfung, wie sie dieser Beethoven vorzustellen
prätendiert, kann man wohl fordern, daß sie
mit größerer künstlerischer Ueberlegung ins Leben
gerufen wird als eine Gestalt für ein Wachsfigurenkabinett
. Unter keinen Umständen darf Künstliches
mit Künstlerischem verwechselt werden. Die Zeit
wird kommen, wo man einsieht, daß der Beethoven
Klingers nur ein künstliches Werk und der Name
des Urhebers das kostbarste daran ist.
Diese Ansicht kann frei und offen ausgesprochen
werden; denn Klinger ist als
Künstler groß genug, um erfahren zu
können, daß und worin er geirrt hat. Der
Glanz seines Namens allein hat dem
Werke zu der Beachtung verholfen, die
es gefunden. Daß die ungeheure Summe
von Arbeit, die darin steckt, der höchsten
Achtung würdig ist, braucht kaum gesagt
zu werden; aber es sind nicht die großen
Kunstwerke, vor denen man daran denkt,
wie schwer es gewesen sein muß, sie zu
machen. Hans Rosenhagen

l/'ARLSRUHE. Am 15. Oktober wurde
unsere, in jeder Hinsicht wohlgelungene
Jubiläums-Ausstellung durch ihren
Präsidenten, Professor Ludwig Dill, geschlossen
. Ueber den finanziellen Erfolg
derselben sei zunächst berichtet, daß drei-
hundertneunundneunzig Kunstwerke im
Gesamtbetrage von 271750 M. verkauft
wurden. Für die' künstlerischen Bedürfnisse
der badischen Residenz sorgt nun
wieder ausschließlich der hiesige Kunstverein
,dessen bisherige geschickte Leitung
hoffentlich die erprobten künstlerischen
Grundsätze betätigt, die bei der Jubiläums-
Ausstellung den glänzenden intellektuellen
Erfolg derselben herbeiführten.
Außer den früher schon erwähnten Staatsankäufen
für die hiesige Großherzogliche
Kunsthalle wurde dort noch das große,
hochinteressante und künstlerisch sehr
wertvolle Gemälde von Walter Crane
»Das Schicksal der Proserpina« erworben,
ferner noch als Geschenk eines auswärtigen
Kunstfreundes das farbenprächtige
große Bild von J. E. Blanche in
Paris »Die Damen C. beim Thee«, ein

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