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-sr^^). VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -C^=^
stellten Vitragenprojekte, die ein Aufsehen, aber in
minus, unter den Zuschauern erregen. Aufsehen
anderer Natur macht das von Adalbert Kossak
im Auftrage des deutschen Kaisers gemalte Bild,
das Eigentum eines preußischen Infanterie-
Regiments ist, nämlich »Rückzug Blüchers nach der
Schlacht von Montmirail im Jahre 1814«. Man findet
in diesem Bilde die gewöhnlichen Vorzüge und
Mängel dieses Malers, das heißt: viel Bewegung,
viel Kostümkunde einerseits, anderseits aber ein
trübes Kolorit und im allgemeinen eine oberflächliche
Ausführung. Einer der begabtesten jüngeren
Maler, Ferdinand Ruszczyc, beschickte den
»Salon« mit etlichen sehr gelungenen Landschaften,
von welchen die vom Künstler »Die Auswanderer«
benannte, die stimmungsvollste ist. Originalität im
Beobachten der Natur und eine große Energie in
der Ausführung zeichnen Ruszczyc sehr vorteilhaft
aus. Das alte, aber interessante Thema: »Memento
vivere!« wurde von Felix Wygrzywalski sehr
geschickt bearbeitet. Schade nur, daß die nackten
Damen, die den jungen Mann zum Leben einladen,
nicht so hübsch wie er sind. Jacek Malczewski
hat dieses Mal nur ein kleines symbolistisches Bild
»Die Lerche« ausgestellt. Wenn auch das Bild interessant
ist, so möchte man von einem Meister wie
Malczewski doch etwas mehr in der ersten Ausstellung
des »Salons« sehen. Sehr viel bemerkt
wird ein Triptychon von Michael Wywiorski, mit
einer gelungenen Luftperspektive und schönem Lichteffekte
, »O Herr!« benannt. Das Mittelfeld stellt
einen Feldweg dar, neben welchem ein altes hölzernes
Kreuz sich erhebt, im Hintergrunde liegt ein
polnisches Dorf. Josef Krzesz hat ein korrektes
Damenporträt ausgestellt und eine größere Komposition
»Der Engel der Barmherzigkeit«. Eine besondere
Beachtung verdienen noch Samuel Hirs-
zenberg, ein sehr originelles Damenporträt und
eine Genrescene »In der Synagoge abends«. Unter
vielen Landschaften brilliert eine Miniaturlandschaft
»Vor Sonnenuntergang« Roman Kocha-
nowski's. Weiter sind noch zu erwähnen: Stanislaus
Janowski's »Winterlandschaft«, eine »Landschaft
« von Ladislaus Jasienski, mit sehr gut
gemalten Kühen und eine »Dämmerung« Sigismund
Andrychiewicz. Stanislaus Fabijanski
hat den ersten Preis im Konkurrenzwege für den
Entwurf eines Ausstellungsplakates glänzend gewonnen
. Von unseren Bildhauern beteiligen sich
nur wenige an der Ausstellung. Thaddäus
Blotnicki komponierte einen prächtigen Entwurf
einer »Gedenktafel für Julius Kossak« (Vater von
Adalbert Kossak). Das Werk ist wert des Andenkens
dieses großen Künstlers. Die »Alexander Gierymski-
Büste«, modelliert von Anton Madeyski, gehört
zu echten Kunstwerken. Nicht weniger als dreizehn
Werke hat Heinrich Glicensztein ausgestellt,
ein sehr begabter Bildhauer und ein »Moderner« im
besten Sinne dieses Ausdruckes. Außerdem finden
sich noch Werke von Theodor Rygier, Heinrich
Kossowski und Johann Raszka. Des Raummangels
wegen konnte ich in diesem kurzen Berichte
nur von den hervorragendsten Kunstwerken
sprechen. Josef Nekanda Trepka i
■PvRESDEN. Kürzlich zeigte der Vorstand der
*^ Verbindung für historische Kunst dem Rate
zu Dresden an, daß er im Jahre 1904 bei dem
fünfzigjährigen Bestehen der Gesellschaft die
Jubiläumsversammlung in Dresden abzuhalten gedenke
. Oberbürgermeister Beutler erwog auf Grund
dieser Meldung, ob in diesem Jahre etwa wiederum
in Dresden eine größere Ausstellung zu veranstalten
sei. Er berief infolgedessen eine vorberatende Versammlung
, in welcher die sächsische Regierung,
der Rat zu Dresden, der akademische Rat und die
Dresdener Kunstgenossenschaft vertreten waren.
Allgemein wurde die Ansicht ausgesprochen, daß
Dresden zur Wahrung seines Rufes als Kunststadt
und zur Förderung seiner Künstlerschaft angesichts
der ähnlichen Bestrebungen anderer Städte nach
mehrjähriger Pause wieder mit einer Kunstausstellung
hervortreten müsse. Das Jahr 1904 wurde
als besonders geeignet bezeichnet, da die übliche
Münchener Jahresausstellung voraussichtlich im
Jahre 1904 nicht im Glaspalast stattfinden wird,
dieser vielmehr einer kunstgewerblichen Ausstellung
dienen soll. Es wurde daher einstimmig
beschlossen, im Jahre 1904 hierorts
eine große Kunstausstellung, wesentlich
auf nationaler Grundlage, zu veranstalten
und damit eine rückschauende Ausstellung
zu verbinden. Zunächst werden
nun die Kunstakademie und die Kunstgenossenschaft
je sechs Vertreter wählen. *
pvÜSSELDORF. Der Geheime Kommer-
zienrat Franz Haniel hat aus Anlaß der
glänzend verlaufenen Düsseldorfer Industrie-,
Gewerbe- und Kunstausstellung der Stadt
Düsseldorf M. 100000 als Geschenk überwiesen
, mit der Bestimmung, daß von den
Zinsen dieses Kapitals Gemälde und andere
Kunstwerke für die Städtische Gemälde-
Galerie gekauft werden. Demselben hochherzigen
Spender verdankt die Galerie schon
die Stiftung eines vorzüglichen Bildnisses
des Fürsten Bismarck von Franz von
Lenbach. tz.
/^"RAZ. Die dritte Jahresausstellung des
jungen Vereins bildender Künstler zeichnet
sich vor ihren Vorgängerinnen durch
sorgfältigere Auswahl aus. Immerhin hätte
von den anderthalbhundert ausgestellten
Wilhelm volz Studie Werken doch noch ein gutes Drittel weg-
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