Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 139
(PDF, 173 MB)
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ANSELM UND HENRIETTE FEUERBACH
UND IHRE BEZIEHUNGEN ZUM GRAFEN SCHACK

(Schluß von Seite 112)

Zunächst arbeitete Feuerbach „doch noch"
mit großem Eifer an seinen Werken für die
Schackgalerie. Den „Petrarca in der Kirche
Laura erblickend", vollendete er nach gefährlicher
Erkrankung Anfang 1865 in wenigen
Monaten. Er brachte ihm 2000 fl. Honorar
ein. (Die „Badenden Kinder" 600 fl., die
„Nymphe" 800 fl., „Romeo und Julie" wahrscheinlich
1000 fl.) „Es ist meine stete Sorge",
schreibt Henriette um diese Zeit an Schack,
„daß Anselm recht bis auf den Grund der
Seele einsehen soll, wie viel Dank er Ihnen
schuldig ist, — den Dank für seine ganze
künstlerische Existenz, was ja viel mehr ist
als gewöhnliches menschliches Leben." Feuerbach
selbst aber war stets der Ansicht, daß
„in den Tagen der Kunstblüte die Dankbarkeit
zwischen dem Künstler und dem Besteller
geteilt war" (Vermächtnis p. 91).

Er schätzte seine Werke höher, als es
seine damaligen Abnehmer taten, und
richtete sein Leben nach dieser Selbstschätzung
ein. Er gab mehr Geld aus, als
dies seine nicht unerheblichen und
regelmäßigen Einnahmen vertrugen.
Ohne seine Mutter, seine Bankiers Nast
und Kolb in Rom und besonders Köster
in Frankfurt a. M., welche seine Finanzen
regelten, so gut es ging, wäre er aus
den Geldverlegenheiten nie herausgekommen
. Bezeichnenderweise suchte
sich sein Freund Victor von Scheffel im
Jahre 1867 durch Schack für eine größere
Schuld bezahlt zu machen, welche
Feuerbach neun Jahre vorher bei ihm
kontrahiert hatte. Auf den Vorschlag
Scheffels*): „Von der in diesem Sommer
durch Ihre (Schacks) ausdauernde und
mäcenatische Güte der Frau Feuerbach
zukommenden großen Summe soll der
Betrag von 400 Gulden als Abtragung
der Hälfte jenes römischen Darlehens
an mich zurückgelegt werden", ging
Schack mit gewohnter Gutmütigkeit ein,
obwohl Scheffel ihm persönlich unbekannt
war.

Im Jahre 1864 hatte Feuerbachs Ab-
schließung gegen alle Welt begonnen,
welche an diejenige von Marees erinnert
. „Briefe bitte ich Sie (schreibt er am
15. Juni an Schack) in meine Wohnung gütigst
adressieren zu wollen, da ich für die nächste
Zeit, der Ruhe und Stille bedürfend, alle Besuche
und Besucher von meinem Atelier fernhalten
werde." Diese und ähnliche Absonderlichkeiten
haben ihm den Ruf eines Melancholikers
eingetragen und, was noch schlimmer
war, die Ursache zu vielen Entfremdungen
gebildet. Zur gleichen Zeit unterhielt er sein
künstlerisch wertvolles, materiell sehr schädigendes
Verhältnis zu Nana, einer jener schönen
Römerinnen, die weniger Wert auf das volle
Herz, als auf die volle Börse des in sie vernarrten
Tedesco oder Inglese legen.

Während seiner Flucht aus der Gesellschaft
war der Meister „dämonisch fleißig",
wie er selbst schrieb. Neben dem „Petrarca",
den er „ein ganz ausgezeichnetes Bild"
nennt*), malte er eine „Laura im Park" für

N) Brief an Henriette vom 12. Januar 1865.

*) Brief Scheffels an Schack vom 8. Mai 1867.

LOUIS JIMENEZ

ZWEI GLUCKLICHE

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18*


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