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«^ö> PERSONAL-NACHRICHTEN - DENKMÄLER
WIEN. Der Maler und Akademie-Professor
Julius von Berger ist am 17. November am
Herzschlag gestorben. 1850 zu Neutitschein geboren,
kam Berger vierzehnjährig an die Wiener Akademie
und wurde Engerth-Schüler. 1874 erhielt er den
großen Rom-Preis, der ihm einen dreijährigen Aufenthalt
in Rom und Venedig ermöglichte. Tiepolo
und Veronese insbesondere gaben ihm dort starke
Anregungen nach monumentalmalerischer Seite hin.
Eine Ar zihl dekorativer Malereien
, tadellos als Raumkompositionen
, in Anordnung
, Perspektive und Ausführung
waren italienische
Studienfrüchte. Anfang der
achtziger Jahre kam Berger
als Professor an die Kunstgewerbeschule
, 1887 an die
Akademie. Seine Entwürfe
für die malerische Ausschmückung
des Justizpalastes
hatten die Aufmerksamkeit
auf ihn gelenkt.
Auch als Bildnis- und
Genremaler trat Berger auf,
ohne darin aber gerade Bedeutendes
zu leisten. Dauernd
aber ist sein Name
verknüpft mit dem großen
Deckengemälde im Cime-
liensaale des kunsthistorischen
Hofmuseums, »Die
Mäcene der bildenden
Künste im Hause Habsburg
«, das sich auch in
dieser Zeitschrift (VIII. Jhrg.
H. 13) reproduziert findet.
1V/IÜNCHEN. Fritz Hass
hatte jüngst im Kunstverein
zehn Zeichnungen
»Schubert-Lieder« ausgestellt
, die der Berliner Kunstverlag
Fischer & Franke inzwischen
in der Serie »Teuerdank
« als dreiundzwanzigste
Folge herausgebracht hat.
Haß faßt den Tondichter
nicht sentimental - süßlich
auf; er geht vielmehr dieser
landläufigen Auffassung aus
dem Wege, eine Kraft und
Eigenart offenbarend, die
den Künstler als ausgesprochene
, eigenständige Persönlichkeit
dokumentieren.
Als eine solche erweist Haß
sich auch in seinen in
derselben Serie als fünfzehnte
Folge erschienenen,
ebenfalls zehn Blatt fassenden »Sonnenmärchen«.
Im Abonnement kosten diese zwei »Folgen« des
auch in dieser Zeitschrift schon öfters erwähnten
»Teuerdank« je M. 1.50, im Einzelverkauf M. 2.—.
— Lieber Maltechnik liest im laufenden Studienjahr
an der Akademie der bildenden Künste der hiesige
Maler und Fachschriftsteller Ernst Berger.
/GESTORBEN. In Baden-Baden der Maler Joh.
Bapt. Heinefetter, siebenundachtzig Jahre
alt; in Frankfurt a. M. am 18. November der Bildhauer
und Professor an der Kunstgewerbeschule
Karl Weber, zweiundvierzig Jahre alt.
karl echter meier « bugenhagen-
denkmal in braunschweig««««
DENKMÄLER
r\RESDEN. Der hiesige Mozartverein hatte unter
drei Bildhauern in Dresden einen engeren Wettbewerb
veranstaltet, um Entwürfe für das Mozart-
Denkmal zu erhalten, das in den Anlagen der Bürgerwiese
zu Dresden errichtet werden soll. Den drei
Bildhauern Richard König, R. Hans Hartmann und
Heinrich Wedemeyer war
nur die Bedingung auferlegt
worden, daß sie für 25000 M.
das Denkmal herzustellen
sich verpflichteten, und daß
die Darstellung für Mozart
und seine Zeit charakteristisch
wäre. Alle drei Künstler
haben achtbare Leistungen
beigebracht, aber die
Geringfügigkeit der Summe
und die zu allgemeine Haltung
des Programms haben
doch bewirkt,daß kein durchaus
brauchbarer Entwurf zu
stände gekommen ist. Hartmann
hat zwei, die beiden
anderen Künstler haben je
drei Entwürfe geliefert.
Hartmann denkt sich eine
Bank mit Rückwand im
Halbrund, die mit wildem
Wein und Epheu berankt
werden soll. Der mittlere
Schaft ist mit Mozarts Relief
bekrönt, an den Ecken bilden
eine Pan- und eine Cäcilien-
herme den Abschluß; ein
zweiter Entwurf bringt dieselben
Motive um einen
kräftigen Pfeiler gruppiert
mit zwei seitlichen Brunnenbecken
, das Relief bildnis
Mozarts kräftiger hervorgehoben
. Richard König
gibt einmal einen elliptischen
Empire-Sockel mit
dem Reliefbilde Mozarts
und obenauf eine energisch
bewegte, schöne weibliche
Gestalt mit Leier und einem
zahmen Löwen, das andere
Mal eine doppelte Säulenstellung
nebst Mittelpfeiler,
davor eine weibliche Gestalt
am Spinett, die zu
Mozarts Bildnis emporschaut
, das von einem
Puttenreigen umgeben ist
(dasselbe Motiv einmal
breiter, einmal gedrängter
dargestellt). Heinrich Wedemeyer stellt in seinem
ersten, etwas leeren und manierierten Entwurf Mozart
in ganzer Gestalt dar, sein zweiter Entwurf zeigt
eine breite Stele, die oben ohne Vermittelung in
eine Mozartbüste übergeht, während unten ein sehr
anmutiges Pärchen in Rokokotracht, er die Harfe
spielend, sie mit dem Fächer tändelnd, aneinander
gelehnt sitzt; der dritte Entwurf, zweifellos der gelungenste
von allen, zeigt Mozarts Relief mit einer
vom Boden emporziehenden Kette von weiblichen und
Kinder-Gestalten, die oben mit den sich küssenden
Amor und Psyche abschließt. Diese Gestaltenreihe
ist von echt musikalischer Empfindung erfüllt und
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