Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 176
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0202
;^ö> VON AUSSTELLUNGEN KUNSTLITERATUR <^=

und Stimmungen Schuster-Woldan's, Lenbach-
sche und Habermann'sche Reminiscenzen treten
einem matt entgegen. Von R. Geissler sind einige
Aquarelle, von Maurer ist das Porträt Prof. Rees,
die landschaftlichen Skizzen L. Kühn's, verschiedene
Arbeiten j. Schrag's sind bemerkenswerte
Leistungen, die auch ohne Lokalkolorit hervorragen.
G. Kellner's Zeichnungen für die Festschrift des
Germanischen Museums sind durch diese bereits
vor ein großes Forum getreten. Berufene Bildhauer
sind Kittler und G. Mattes. — Die Ausstellung
läßt erfeulich erkennen, wie nachhaltig die vom
Oberbaurat von Kramer ins Leben gerufenen Meisterkurse
unter P. Behrens gewirkt — andererseits ruft
sie in jedem Freunde der Kunst und Nürnbergs
den Wunsch wach: es möchte doch einmal auch
ein jüngeres Lehrtalent ersten Ranges für Malerei
hier tätig sein. e. w. b.

F\ÜSSELDORF. Die auf der diesjährigen Deutsch-
Nationalen Kunstausstellung vielbewunderte
Bronzefigur Prof. Walter Schott's in Berlin,
»Kugelspielerin«, ist vom Düsseldorfer Stadtverordneten
Gustav Herzfeld erworben und der Städt. Gemäldegalerie
zum Geschenk gemacht worden, tz.

ORÜSSEL. Constantin Meunier hat im »Cercle
Artistique« eine Gesamtausstellung seiner Werke
veranstaltet. Sie umfaßt den bedeutendsten Teil seines
Schaffens aus den letzten zwanzig Jahren, also aus
dem Zeitraum, in dem er vorwiegend plastisch tätig
war. An erster Stelle stehen dabei die Skizzen und
Studien zum »Denkmal der Arbeit«, das der Künstler
als sein eigentlichstes Lebenswerk betrachtet. Einzelne
Teile werden in den bereits fertigen Modellen
vorgeführt, so die Hochreliefs der »Ernte« und der
»Industrie«, sowie die Figuren des Schmieds und
des Säemanns. Dazu gesellen sich zwanzig Gruppen
in Gips und vierzig in Bronze, elf Porträtbüsten,
elf Oelgemälde. und zweiundzwanzig Aquarelle,
Pastelle und Zeichnungen.

CTUTTGART. Das Landes-Kunstgewerbemuseum
^ erwarb auf der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung
zu Düsseldorf die beiden Bildwerke Heinz
Müller, »Säender Landmann«, und Georg Lund,
»Singende Kinder«.

KUNSTLITERATUR

Dr. C. H. Stratz. Die Körperformen in
Kunst und Leben der Japaner. Mit hundertzwölf
in den Text gedruckten Abbildungen und vier
farbigen Tafeln. (Stuttgart, Ferdinand Enke. M.8.60,
gebdn. M. 10.—.)

Derselbe. Die Rassenschönheit des Weibes
. 3. Auflage. Mit zweihundertdreiunddreißig in
den Text gedruckten Abbildungen und einer Karte
in Farbendruck. (Ebenda. M. 12.80, geb. M. 14.—)

Die Bücher von Dr. Stratz wollen ästhetisch
beurteilt werden. Sie sind für alle bestimmt,
die eingesehen, daß es nicht weitergeht, von der
Schönheit etwa der antiken Statuen zu schwärmen,
gleichzeitig aber die eigene körperliche Erziehung
zur Schönheit, die Kultur des Leibes zu vernachlässigen
. Stratz hatte in seinem ersten Buche die
Schönheit des weiblichen Körpers Müttern, Aerzten
und Kindern gezeigt, indem er schönen Weibern
häßliche, durch Krankheit oder einseitige oder
schlechte körperliche Uebungen entstellte Körper
und Körperteile gegenüberstellte. Und wie aus

diesem Buche sprach auch in seinem zweiten vor
allen Dingen der Arzt und Erzieher: ein Kunsterzieher
des einzelnen und des ganzen Geschlechts.
In den beiden jüngst erschienenen Werken ist Stratz
mehr Ethnograph. In dem einen Buche würdigt er die
Schönheiten der verschiedenen Rassen, im andern,
ungemein reizvoll illustrierten Buche führt er uns
in das »moderne« Land der Geishas. Gewiß sind
beide Bücher für Ethnographen, Aesthetiker, Geographen
, Kunstfreunde und Kunstgelehrte in erster
Linie bestimmt. Aber die Billigkeit der Werke —
trotz des reichen Abbildungsmaterials —, wenig
Literaturangaben, das Freisein von allem Schematismus
und trocknen, stauberstickten Doktrinen läßt
ja deutlich genug erkennen, daß die Bücher mit dem
größten Publikum rechnen. Das schadet wahrhaftig
nichts. Mag oft genug ein Stratzsches Buch schon
wegen der vorzüglichen Abbildungen von Leuten gekauft
werden, die ganz gewiß nicht die da abgebildeten
Leiber ästhetisch beurteilen, mag der Moralist, der
nur durch Katechismuspredigten das Menschengeschlecht
zu bessern meint, unverständig dagegen
wüten, recht Vielen möchte ich das Buch, recht
vielen Damen und Herren, Frauen und Jungfrauen
möchte ich es geschenkt wissen. Freilich, in höheren
Töchterschulen wird ein Buch von Stratz nicht
eingeführt werden, wenn auch der Gedanke dann
nicht mehr so absurd genannt werden wird, wenn
die Stratzschen Werke denen in die Hand gegeben
werden und von denen recht viel gelesen werden,
die etwas mehr Verstand und einen klareren Kopf
besitzen und von einem stärkeren Sehnen nach
Entwicklung zur Schönheit des Menschengeschlechts
erfüllt sind, als der Chor der Banausen. »Der Leib
ist ein Tempel Gottes«, das steht in dem Buche, das
wir das Buch der Bücher nennen. Stratz ist kein
Tempelschänder, er ist einer der besten Wächter
dieses Tempels. — Möchte er uns doch auch ein
Buch der Schönheit des Mannes geben, denn wenn
auch des Mannes Schönheit mehr eine individuelle
ist, hier sind doch gerade die Augen zu öffnen. Freilich
, wie sehr wir Männer gerade der sogenannten
gebildeten Klassen in der Kultur des Körpers zurück
sind, wie unsere Kleidung aller »hellenischen« Schönheitsduselei
widerspricht, das zeigt uns glücklicherweise
der »Simplicissimus« fast jede Woche.

Dr. E. W. Bredt

Die Kunst des Jahres. Deutsche Kunstausstellungen
1902. (Verlagsanstalt F. Bruckmann
A.-G., München, M. 4.50.)

Der hübsche und handliche Band mit seinen
dreihundertdreiundsechzig Abbildungen bietet einen
vorzüglichen Ueberblick über die wichtigsten Kunstwerke
, die in diesem Jahre in München und Berlin,
in Düsseldorf und Karlsruhe, in Wien und Bremen
auf Frühjahr- und Sommerausstellungen zu sehen
waren. Die Qualität der Abbildungen ist genügend
gekennzeichnet, wenn gesagt wird, daß sie auf der
Höhedes von der »Kunst für Alle« Geleisteten stehen.
Ein Text ist der Sammlung nicht beigegeben, nur
ein Verzeichnis der abgebildeten Werke und der
Künstler mit ganz kurzen biographischen Notizen.
Die Werke sollen für sich sprechen. In dieser
Nötigung für den Beschauer, selbst zu sehen, selbst
zu urteilen, liegt ein besonderer Vorzug der Sammlung
. Wird doch nur allzuviel über Kunst geschrieben
und die Entwicklung eines selbständigen
Kunsturteils beim Publikum dadurch eher aufgehalten
als gefördert. »Die Kunst des Jahres« wird denen,
welche die verschiedenen Ausstellungen nicht gesehen
, den wünschenwertesten Begriff davon geben,
und bei den anderen die Erinnerung an genußreiche
Stunden aufs angenehmste auffrischen. h. r.

Redaktionsschluß: 29. November 1902. Ausgabe: 11. Dezember VJQ2.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwärtz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. — Druck von Alphons Bruckmann. Sämtlich in München.


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