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-s-5^> VON AMERIKANISCHER SKULPTUR <^=^
krönte Modell zu einem Robert Lee-Monument
, das ich in Niehaus' Atelier sah, beweisen
, daß er auch in der Behandlung
des Pferdes die Vorstellung von Leben und
Bewegung zu erwecken versteht. Sein reifstes
Werk ist das in Washington errichtete Hahne-
manndenkmal (s. S. 184), ein Rundbau mit der
Kolossalfigur des Begründers der homöopathischen
Heilweise, einer in Gedanken versunkenen
Greisenfigur in vortrefflich behandeltem
, faltigem Gewand. Vier Basreliefs,
Hahnemann als Schüler, Student, vor seinen
Hörern und im Krankenzimmer zeigen Niehaus
auch auf das intimste vertraut mit
diesem an Radiererarbeit erinnernden Gebiet.
Den Ureinwohner für die bildende Kunst
zu verwerten, hat sich H. A. Mac Neil
zur Aufgabe gestellt. Das „Sonnengelübde"
(s. S. 190) und der „Schlangentanz bei den
Moqui-Indianern" (s. S. 193) lenkten die Aufmerksamkeit
der Kunstkenner auf den jungen
Bildhauer und dessen originelle, realistische
Auffassung und Behandlung der „Mündel
der Nation". Wenn diese bisher dargestellt
wurden, so geschah es in idealisierten, Feni-
more Cooper und nicht der Wirklichkeit entlehnten
Gestalten, Mac Neils Rothäute gehören
dem Leben an, allerdings sind sie
nicht so liebenswürdig und graziös wie etliche
„Uncas" und „Pocahontas" aus früheren
Tagen. In jüngster Zeit bewies Mac Neil,
daß er sich auf sein mit Erfolg bearbeitetes,
genreartiges Gebiet nicht zu beschränken gedenkt
. Mit dem „Despotismus" (Abb. s. S. 180),
dem Gegenstück zu dem weiter unten zu
erwähnenden „Despotischen Zeitalter" von
Konti, einer von Schlangen umhüllten vorwärtsrasenden
Gruppe, die besonders in der
Modellierung der Jünglingsgestalten ein nicht
geringes Talent verrät, betritt er das Feld
der großen Kunst.
Könnte man Herbert Adams, von dessen
großartigem Welch-Memorial in Auburn ein
Relief hier wenigstens vorgeführt sei (siehe
S. 196), einen weiteren Vertreter der von
St. Gaudens gepflegten Richtung nennen, der
liebenswürdigste unter den amerikanischen
Bildhauern von Bedeutung ist unstreitig
Daniel Chester French. Und es ist einigermaßen
verwunderlich, daß diesem direkten
Nachkommen rauher, schönheitsfeindlicher
Puritaner Monumente von geradezu hellenischem
Reiz gelingen. Als junger Mann gewann
er im Fluge die ganze Nation mit seinem
dem Kollegen Milmore gewidmeten Denkmal
in Boston, auf welchem der herrliche Todesengel
dem Bildhauer den Meißel aus der Hand
nimmt, während dieser an einer Sphinx arbeitet
(Abb. s. S. 187). Ebenso schön, von einer
Schönheit, die nicht süßlich oder weichlich
erscheint, sind die Gruppen vom Gallandet-
Monument in Washington (der Taubstummenlehrer
, ein Kind zu sich heranziehend, es
die Zeichensprache zu lehren), und von dem
Denkmal, das John Boyle O'Reilly, dem irländischen
Dichter und Patrioten in Boston, ge-
F. G. R. ROTH
WAGENRENNEN
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