http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0214
A. P. PROCTOR
EIN PANTHER
DIE SECHSTE AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION
Von Hans Rosenhagen
Seitdem die Berliner Secession ernstlich an
den Bau eines neuen, soliden Ausstellungshauses
denkt, hat sie ein doppeltes Interesse
daran, die Teilnahme des Publikums für ihre
Bestrebungen in Bewegung zu halten. Wer
noch daran zweifelt, daß sie darauf bedacht
ist, ihre Leistungen zu steigern, mag die
Schwarz-Weiss-Ausstellung, die am 30. November
eröffnet wurde und bis Ende Januar
bestehen bleiben soll, mit der vorjährigen
CH. H. NIEHAUS
DENKMAL DES GENERALS SHERMAN (Entwurf)
graphischen Ausstellung der Secession und
mit ähnlichen Veranstaltungen anderer Kunststädte
vergleichen. Nur Max Lehrs hat im
Rahmen der Dresdener Ausstellungen bisher
Gleichwertiges geboten.
Die Ausstellung verstößt allerdings gegen
das secessionistische Prinzip der Beschränkung
und Uebersichtlichkeit. Sie umfaßt etwa
tausend Nummern und dabei soviel Gutes,
daß man Tage braucht, um sich durchzusehen.
Berlin selbst bleibt in
dieser Ausstellung
ziemlich im Hintergrunde
, obschon eine
Reihe vorzüglicher Leistungen
Berliner Künstler
vorhanden ist. Die
Situation beherrschen
die Pariser. Zur Beruhigung
fürdiejenigen,
welche die Berliner Se-
cessicm im Verdacht
haben, daß sie nur eine
Filiale des Pariser
Kunsthandels sei und
kein geringeres Ziel
verfolge, als die deutsche
Kunst in Grund
und Boden zu ruinieren,
sei gesagt, daß einer
dieser französischen
Künstler Theophile
Steinlen ist, dessen
Art lange vor Eröffnung
dieser Ausstellung im
hohen Grade anregend
auf die deutschen, besonders
auf die Münchner
Zeichner gewirkt
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