Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 189
(PDF, 173 MB)
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-s=^ö> BERLINER SECESSION: „ZEICHNENDE KÜNSTE"

Lithographien — eine gefährliche Kritik der
Greinerschen Methode. Seine ganz einfach,
fast nur im Umriß gezeichneten Akte stehen
künstlerisch ungleich höher als die des deutschen
Künstlers, weil sie organisch sind, weil
die Verhältnisse absolut stimmen. Er strebt
nicht nach Ausführlichkeit, sondern nach
Charakter. Da hat er eine häßliche dicke
Person gezeichnet, die
in einem Henkelkorbe
Wäsche schleppt. Auf
dem Blatt ist nicht
eine Linie, die nicht
dazu beitrüge, die Bewegung
des Tragens
auszudrücken. Dieser
sichere Blick für das
Charakteristische von
Haltung und Bewe-
gungund Milieu macht
Steinlens Schilderungen
aus dem untersten
Pariser Leben so einzig
. Man fühlt seine
Beobachtungen aus
dieser Sphäre als Erlebnisse
. Als Zeichner
politischer Satiren
ist der Künstler
nicht annähernd so
bedeutend und wirkungsvoll
. Bestellte
Arbeit zieht ihn offenbar
nicht an. Seine
Ausstellung hier umfaßt
weit über hundert
Nummern und
enthält eine Reihe
erstklassiger Schöpfungen
, aber nur ein
großes Plakat „La
rue", das leider nicht
zu seinen besten Leistungen
auf diesem
Gebiet gehört.

Gegen Lautrec und
Steinlen halten sich
Künstler wie Jean

Veber, Maurin und Sunyer überhaupt nicht
mehr. Nur Lunois vermag sich mit einigen
Farbenlithographien, darunter einer Scene aus
dem „ Cafe Imparzial" — spanische Tänzerinnen
vom Hintergrunde der Bühne aus gegen den
Zuschauerraum gesehen — bei künstlichem
Licht durch sein Gefühl für Bewegungen und
seinen aparten Farbengeschmack zu behaupten.
Auch Eugene Carriere's nebulose Porträtköpfe
fesseln auf die Dauer nicht.

J. Q. A. WARD

« « «

KAN

Von sonstigen Ausländern treten vorteilhaft
hervor: Whistler mit einigen Radierungen
, darunter besonders schön ein Londoner
Hafen und Ansichten von Venedig;
Swan mit einer Reihe köstlicher Tierstudien;
Shannon mit seinen von Puvis und Millet
abgeleiteten feierlichen Akten; Strang mit
seinen vielgerühmten Radierungen zu Kiplings
kleinen Erzählungen
. Schweden
wird durch einige
pastellierte Landschaftsstudien
des
Prinzen Eugen, durch
neue Radierungen von
Zorn und Larsson
glänzend repräsentiert
. Von Holland
sind Jozef Israels
mit schönen Radierungen
, Jan Veth
mit seinen energischen
lithographierten
Porträts erschienen.

Daß München wenigstens
auf dem Gebiete
der zeichnenden
Künste seine Führerrolle
behauptet, beweist
diese Ausstellung
aufs erfreulichste
. Besitzt es doch
in Oberländer, Th.
Th. Heine, Strath-
mann,Wilke, Georgi
und einigen anderen
Künstler, die ihresgleichen
suchen. Es
ist sehr interessant,
hier zu sehen, wie
sorgfältig Heine die
Natur studiert, um
die nötige Freiheit des
Ausdrucks für seine
Zeichnungen zu erlangen
. Es wird
neuerdings Mode, ihm
nachzurechnen, was
er Aubrey Beardsley verdankt. Im Grunde
nichts. Es besteht zwischen ihm und dem
Engländer kein anderer Zusammenhang als
jener, der zwischen allen großen Künstlern
besteht, und der z. B. auch zwischen Keene
und Lautrec oder Menzel und Steinlen vorhanden
ist. Seine Art, Welt und Menschen
ironisch zu betrachten, gehört ihm und auch
sein Geschmack, der in der Zeichnung „Der
goldene Ritter" besonders fein zur Geltung

BILDNISSTATUE: DER
ZELREDNER BEECHER

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