Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 190
(PDF, 173 MB)
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BERLINER SECESSION: „ZEICHNENDE KÜNSTE" <^=^

kommt. Strathmann wird viel zu wenig geschätzt
. Sein Humor ist ebenso eigenartig
wie sein Geschmack. Der groteske „Krönungszug
" mit den clownhaft erhabenen Erscheinungen
eines Märchenhofstaates ist, rein als
Dekoration betrachtet, ein Meisterwerk an
Farbengeschmack und steht als selbständiges
Kunstwerk turmhoch über Lechters Arbeiten,
von denen soviel Wesens gemacht wird. Und
was für ein prächtiger Künstler ist Rudolf
Wilke! Von seiner
Originalität leben in
München noch die verschiedensten
Zeichner
mit. Zu Oberländers
Ruhm braucht kein Wort
mehr gesagt zu werden.
Er ist und bleibt einzig.
Die Zeichner der „Jugend
" und des „Simpli-
cissimus" sind beinahe
vollzählig mit charakteristischen
Werken erschienen
: Eichler und
Feldbauer, Georgi und
Erler, Thöny und Paul
und Münzer. Auch
Kirchner läßt ein paar
seiner besten Sachen
sehen. Neu für Berlin
ist Ign. Taschner als
Zeichner. In Kolb lernt
man einen nach der dekorativen
Richtung hin
begabten Radierer kennen
.

Von Berliner Künstlern
fällt durch die
Dimensionen seiner Darbietung
zunächst Ludwig
von Hofmann auf,
der sechs große Entwürfe
für Ausschmük-
kungdes Eheschließungszimmers
eines Berliner
Standesamtes und eine

Menge kleinerer Arbeiten ausstellt. Seine
Erfindungsgabe hat ihn bei diesen Entwürfen
ziemlich im Stich gelassen; denn auf jedem
davon erscheinen Blumengewinde tragende
Putten ä la Rubens mit Landschaften und
reigentanzenden Frauen dahinter. Im übrigen
werden diese Friese mit dem festlichen und
heiteren Farbenglanz ihren Zweck schon erfüllen
. Liebermann zeigt die Ergebnisse
eines Aufenthalts in Hamburg und Florenz
in Pastellen, Aquarellen und Zeichnungen.
Darunter ein paar Blätter wie „Villa in

H. A. Mc. NEIL

Blankenese", „Zimmer in Nienstedten" mit
Fenster auf die Elbe, und ein paar Blicke
auf Florenz, die wieder einmal, ganz abgesehen
von anderen Qualitäten, zeigen, was
für ein geschmackvoller Mensch dieser Künstler
ist. Von Leistikow wären besonders
gezeichnete Landschaften zu rühmen. In
Heinrich Zille besitzt Berlin einen Zeichner,
der in gelungener Weise das Leben der Vorstadt
-Proletarier schildert und dabei den

wunderbarsten Humor
entwickelt. Eine Scene
wie „Der späte Schlafbursche
" ist in ihrer
traurigen Komik einfach
erschütternd. Käthe
Kollwitz bietet in ihrem
Blatt aus dem „Bauernkrieg
" wieder etwas
höchst Packendes und
Starkes. Stutz läßt eine
famose farbige „Pelikanfütterung
", Leo v. König
vortreffliche Tierzeichnungen
und Ulrich
Hübner ein gutes Bild
von der Elbe sehen.
Von den übrigen Berlinern
ist nicht viel zu
sagen. Die besseren
Künstler blieben im Gewohnten
, die geringeren
arbeiten mit mehr oder
minder großem Geschick
nach erfolgreichen Vorbildern
. Beardsley und
Wilke, Liebermann und
sogar der erst im vergangenen
Sommer hervorgetretene
und nicht
einmal originelle Walser
werden lustig und
unverdrossen nachgeahmt
. Diese Nachahmer
können nicht entbehrt
werden; denn sie bereiten
die große Kunst, die für den Hausgebrauch
zu stark ist, für den Geschmack
des Publikums zu. Außerdem bilden sie
das stolzeste Piedestal für den Ruhm derer,
von deren Reichtum sie zehren und deren
zahlreich vorhandene Werke die Ausstellung
zu dem gemacht haben, was sie ist: zu einer
Sehenswürdigkeit ersten Ranges.

DAS SONNENGELÜBDE

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