Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 191
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AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

j. q. a. ward

«««« gruppe vom
beecher-denkmal

AUS DEN BERLINER

KUNSTSALONS

W/enn man sich vergegenwärtigt, welche vielum-
strittene Erscheinung Gustave Courbet in
den Jahren seiner besten Schaffenskraft war, welchen
außerordentlichen Eindruck seine Ausstellung 1869
im Münchner Glaspalast hinterließ und wieviel einige
große deutsche Künstler wie
Leibi, Trübner, Thoma, Victor
Müller u. a. ihm verdanken, ist
man ein wenig enttäuscht über
die Wirkung einer Sammlung
seiner Bilder im Salon Paul
Cassirer. Es handelt sich freilich
meist um Landschaften.
Man sieht Wälder im sommerlichen
Grün oder verschneit,
Schweizerberge und Jurahöhen.
Aber was sind diese Bilder
schwarz, luftlos und starr ! Nur
eine große Leinwand zeugt für
einen überragenden Künstler.
Sie stellt einen Schneesturm in
einer weitgesehenen großartigen,
Wälder und Felder, Dörfchen
und Weiler umfassenden Juralandschaft
dar. Ein schwerer
grauer Himmel hängt hernieder,
und in dem zusammengewehten
Schnee ist auf der Chaussee ein
Postwagen stecken geblieben.
Rosse, die sich bäumen, Passagiere
, die im Schnee herumwaten
und jammern, hat der
Künstler überaus naiv dazuge-
malt. Aber die Natur ist wunderbar
geschildert und voll bezwingender
Stimmung. Dergleichen
macht kein Talent zweiten Ranges
. Man findet hier ferner den w. o. partridge

vom 1864er Salon beanstandeten Doppelakt, der damals
allgemein für eine Illustration zu Belots schlüpfrigem
Roman »Mlle. Giraud ma ferame« erklärt und
dessen eine Gestalt von Courbet später für das berühmte
Bild »La femme au perroquet« verwendet
wurde. Diese Gestalt, ein auf einem Ruhebett nackt
schlafendes Mädchen, das von einem vor ihr knieenden
jungen Weibe mit begehrlichen Augen betrachtet
wird, hat in der Wiedergabe des Körpers sehr feine
malerische Schönheiten. Das Ganze aber wirkt süßlich
und akademisch. Man begreift Zola, der in der
femme au perroquet Courbet nicht wiederkennen
wollte. Die Ausstellung beweist, daß Courbet ein geschmackvoller
, kultivierter Maler war, der sich durchaus
nicht von der Tradition entfernt hat. Seine
Stellung als Bahnbrecher, als Befreier vom Zwange
des Klassizismus charakterisiert diese Darbietung
nicht. Wenn man von dieser historischen Bedeutung
des Künstlers nichts wüßte, könnte man
von den meisten hier gezeigten Sachen behaupten,
daß sie wenig oder gar nicht interessieren. Viel
bezeichnender für die Schätzung ihrer Urheber sind
die ausgestellten Bilder von Millet, Corot und
Delacroix. Besonders eine Gänsehirtin von Millet
, die ihre Tiere mit einem Stecken ins Wasser
jagt, eine aquarellierte Zeichnung, ist ersten Ranges.
Die große Einfachheit, mit der die Scene geschildert,
die Bewegung des Kindes und der Gänse ausgedrückt
ist, hat etwas Bezwingendes. Man denkt
sogleich an Rembrandt. Auch ein Delacroix,
Blick aus einer Felshöhle auf das Meer, auf dessen
bewegten, aber schon wieder blauen Wogen ein
Boot mit Schiffbrüchigen tanzt, ist sehr schön.
Eine Kollektion neuer Bilder von Leistikow,
Grunewald- und Nordlandslandschaften, zeigt den
Künstler von keiner neuen Seite.

In Ed. Schuttes Kunstsalon hatte Adalbert
Niemeyer Bilder ausgestellt, die von den letzten
Münchner Ausstellungen her schon bekannt sind.
Der Künstler wirkt durch seine unbefangene Frische.

denkmal des general grant

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