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AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS
Er bemüht sich, die Welt mit eigenen Augen zu
sehen, und verfällt nur manchmal noch in den
Fehler, Ateliererfahrungen für Natureindrücke zu
geben. So in dem Bilde »Teestunde«, wo das
Gelb des herbstlichen Gartens hinter der an ihrem
Tischchen sitzenden Schönen nicht gesehen, sondern
nur erfunden und nicht gut erfunden ist. Am
glücklichsten zeigte sich des Künstlers Talent in
dem kleinen Interieur »Die Guitarrespielerin«. Edv.
Münch ließ eine Anzahl Kaltenadelarbeiten, zumeist
Porträts, sehen, die einen eminenten, fast
schon eleganten Zeichner und einen hervorragenden
Psychologen verraten. Die letzte Ausstellung
bringt eine Sammlung neuer Bilder von Gaston
La Touche. Der französische Maler ist kein tiefgründiges
, aber ein sehr amüsantes Talent, das in
seiner geistreichen improvisierenden Art, in seiner
Fruchtbarkeit und
Vielseitigkeit,
stark an die großen
Rokokokünstler,
an Boucher und
Fragonard erinnert
. Er hat auch
ein Faible für ihre
Stoffe. An Stelle
ihres pikanten
Grau setzt er ein
raffiniertes Gelb,
das er mit Grün,
Rot und Blau zu
aufregenden Akkorden
zu stimmen
weiß. Er fabuliert
vom »jungen König
«, den beim Erwachen
reizende
Damen begrüßen,
von einem Faun,
der sich in einen
Park verirrt hat,
am Postament
einer Marmorgruppe
sitzt und
die Syrinx bläst.
Mit großen Augen
schauen zwei
Kindchen das zie-
genbeinige Wunder
an, und zierliche
Damen lauschen
ihm, während
im Hintergrunde
die Fenster
des Rokokoschlößchens im Abendschein leuchten.
Oder im Schlosse ist Ball und schillernde Masken
schreiten im Schein unzähliger Lichter die gewundene
Doppeltreppe hinauf zum Tanzsaal. Dann kommt
die Nacht, und Diana, die leuchtende Göttin, nimmt,
umkreist von Schwänen, ihr Bad im mondbeglänzten
Schloßteich. Aber auch Bilder der Gegenwart sind da.
Eine nachdenkliche junge Dame schlürft im grünen
Dämmerlicht ihres Boudoirs den Tee. Vor ihr
steht ein Strauß von rosa Rosen. Ein junges Paar
liest gemeinsam einen Roman, aber fühlt sich verlegen
nach den süßen Erlebnissen eines Schäferstündchens
. Im Ballsaal gibt es eine kleine Auseinandersetzung
zwischen zwei Rivalinnen vor einem
Spiegel, dessen Glas den Glanz des Festes im
Raum zurückwirft. Eins der besten Bilder zeigt
eine weißgekleidete elegante Dame im Theater
gegen die roten Fonds der Logen. Farben- und
Lichtprobleme von diesem Raffinement kannten die
AUG. ST. GAUDENS
Rokokomaler natürlich nicht. Der Spanier Ramon
Garrido stellt neben einem lustigen Stilleben von
weißem Porzellan und braunen Flaschen »Die kleine
Küchenfee«, ein Damenporträt in Braun und Gelb
aus mit einem etwas brutalen Kopf, aber einer
wundervoll gemalten Hand, Carl Moll das aus
der vorjährigen Glaspalast-Ausstellung bekannte
»Interieur« in neoimpressionistischer Malweise.
Auch Schönleber's »Morgen am Strand« von der
Düsseldorfer Ausstellung ist hier. Weniger erfreulich
sind die Bilder aus Paris von M. E. Louis
Gillot, die eine Synthese von Pissarros und
Raffaellis Impressionismus vorstellen, und Maximilian
Liebenwein's »Märchenillustrationen«,
»Verlorener Sohn« und »Frauenaltar«, die sich
nicht über das übliche erheben. Von Einzelerscheinungen
verdienen als bemerkenswert Neven-Du
Mont's »Mutter
und Kind«, Par-
lade's »Tanzstunde
« und eine
Landschaft von
Walton erwähnt
zu werden. Ungeteilte
Bewunderung
aber findet
eine Kollektion
neuer Gläser von
Emile Gall£, die
dessen frühere
Leistungen an
künstlerischer und
phantastischer
Schönheit noch
übertreffen.
Die Amelang-
sche Kunsthandlung
hat in einem
von Kimbel vornehm
undsachlich
ausgestatteten Salon
in der Kantstraße
, also in
nächster Nachbarschaft
der Berliner
Secession, eine
ständige Schwarz-
Weiß - A usstellung
etabliert, die Original
- Zeichnungen,
Radierungen, Lithographien
und
Aquarelle vorführen
wird. Man
begann mit einer Ausstellung von Arbeiten deutscher
Künstler, die zunächst einmal sehr reichhaltig war
und wohl noch kein Programm bedeutet. Man
sah Studien von Menzel und Meyerheim, Zeichnungen
von dem neuentdeckten Berliner Steinlen
Heinrich Zille und dem Berliner Vedutenmaler
Hans Seydel, Arbeiten von Holzel, Otto
H. Engel, Schlichting, Uth und Kappstein,
Radierungen von Heinrich Reifferscheid und
Hermann Struck, farbige Lithographien von Ernst
Neumann und vieles andere, das in das Gebiet der
Graphik fällt. Da die Zahl der Sammler von dergleichen
Schöpfungen täglich wächst, entspricht die
Gründung des Salons einem gewissen Bedürfnis. Ob
er zu einem tätigen Faktor im Berliner Kunstleben
werden wird, hängt freilich von seiner Weiterentwicklung
ab.
Hans Rosenhagen
BILDNISRELIEF: DER SCHRIFTSTELLER
LOUIS STEVENSON *
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