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BRUNO H EROUX
IM HINTERHALT
BRUNO HEROUX
Wer die Schätze des Leipziger Museums der
bildenden Künste jetzt durchmustert,
wird sich der Wahrnehmung nicht verschließen
können, daß hier der Heimatskunst eine
schöne Stätte bereitet worden ist. Das gilt
nicht nur von Werken der Malerei und Plastik,
soweit sie Anspruch auf Unterkunft in einer
öffentlichen Galerie haben, nicht nur von den
Skulpturen eines Max Klinger, dessen Beethoven
Hunderttausenden schon eine vertraute
Erscheinung geworden ist, sondern
mehr noch von den intimen Erzeugnissen
der graphischen Künste, die in den Mappen
der Kunstblättersammlung sorgsam aufbewahrt
werden. Zu den beiden großen Graphikern
Max Klinger und Otto Greiner hat sich eine
ganze Reihe von Meistern der Griffelkunst
gesellt, die Leipzig ihre Heimat nennen und
zum Teil hier auch ihre Kunst ausüben.
Keiner von ihnen dürfte auf ernste Beachtung
seiner Arbeiten und auf das Interesse der
Freunde der Kunst und der Sammler mehr
Anspruch haben als Bruno Heroux, etwa
ein Altersgenosse von Greiner, Zeichner, Holzschneider
und Lithograph, dessen „Werk"
schon jetzt eine große Anzahl von Nummern
aufweist, obschon seine Haupttätigkeit mehr
einer Kunst gewidmet gewesen ist, die den
wenigsten Kennern und Sammlern zu Gesicht
kommen wird: es sind Illustrationen
zu einem anatomischen Atlas, der lediglich
auf medizinische Kreise beschränkt ist.
Heroux ist am 20. Dezember 1868 in Leipzig
geboren, als der Sohn eines Graveurs; er ist Abkömmling
französischer Refugies, Schüler der
Leipziger Kunstakademie, die das graphische
Talent des jungen Mannes verständnisvoll gepflegt
hat. Sein Wunsch war, Holzschneider zu
werden, Bücher und Zeitschriften zu illustrieren
nach berühmten Mustern und wie tausend
andere Fachgenossen. Da kam die große
Revolution für die reproduzierenden Künste
und mit ihr die größte Gefahr, die die Holz-
BRUNO HEROUX lithogr.
Die Kunst für Alle XVIII. 9. 1. Februar 1903.
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