Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 211
(PDF, 173 MB)
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HUGO BÜRGEL

MONDNACHT

HUGO BURGEL

Wer nicht mit Sinn und Verständnis begabt ist,
auch in den künstlerischen Darbietungen

einfacher Naturformen
die Stimmungsvermittlerin
zwischen
Menschenseele
und Natur zu
erkennen, der wird
freilich an den Bildern
Bürgels, von denen
hier die Rede ist
und von denen einige
in Reproduktionen
wiedergegeben sind,
den so eigenartigen
Reiz nicht nachempfinden
können, den
Hugo Bürgel in
seine Landschaften
hineinlegt. Ueber-
schaut man einmal
all die Schöpfungen
dieses Malers, die
er seit einer Reihe
von Jahren vorführte, so steckt in den meist
einfachen, fast dürftigen Motiven, welche
ihn zur künstlerischen Darbietung reizten,
ein gut Teil jenes altgermanischen Natursinnes
, der das ganze Mittelalter hindurch bis
auf unsere Tage das Volk mit seiner Heimat

HUGO BÜRGEL

verknüpfte und so recht uns Heimatkunst
fühlen lässt, sowohl in der Wahl des einfachen
Stoffes, als besonders durch die Innigkeit des
Gefühles, mit welcher der Künstler die menschliche
Seelenstimmung in das starke Naturleben
zurückzuführen versteht. Thal, Berge, Wald
und Wiesen, Fluss, Seen und Wolkenzüge,
alles sprichtbei ihm von leise klingender, sanfter
Schwermut, die eine ausgesprochen rein
lyrische Stimmung erweckt. DergleicheGrund-
zug liegt in des Deutschen Heimat wie im
Deutschen selbst. Hier in der Ruhe und im
Ernsten, dort in der Innigkeit und Sinnigkeit
zeigt sich der Charakter und vor allem in der
stillen Melancholie, von der ja schliesslich eine
jede deutsche Landschaft etwas besitzen muss,
und nicht zum wenigsten die mehr rauhe,
ernste Natur der bayerischen Hochebene. Und
gerade das ist's, was den Landschaften Bürgels
ihr eigenartiges Gepräge verleiht. In rein
malerischer Beziehung blendet er gewiss nicht,
wie so mancher seiner Kollegen durch virtuose
Technik, letztere ist vielmehr einfach, vielleicht
für unseren modernen Geschmack zu wenig
pikant, dafür aber besitzt er in der Zeichnung
eine fein künstlerische Empfindung, namentlich
im Aufbau der Massen, im Zug der Linien,
so dass er mit diesen anspruchslosen, aber
edlen Mitteln der Technik oft Grosswirkendes
erreicht. Sehr charakteristisch hierfür ist die

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