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„Morgendämmerung" (Abb. s. unten), ein wohl
durchdachtes Bild in der rhythmischen Verteilung
der Baumgruppen und der klaren Lichtwirkung
. Nicht minder glücklich im Wurf ist
die Winterlandschaft (s. S. 213). Das was
Bürgel aber am besten wiederzugeben versteht
und was seine Eigenart ausmacht, ist der zarte
Duft des Gegenständlichen, der verschwimmenden
Formen, der weiten Fernen, wenn ein
grauer Tag über dem Flusse liegt, der alle
Linien auflöst und die Farben in seinem
Gedichte vergleichbar ist, ohne dabei in süss-
liche Naturschwärmerei oder sentimentale
Empfindung zu geraten. Hier ist klare, wenn
auch zarte stille Grösse und Ruhe.
In einigen neueren Arbeiten Bürgels ist
das Bestreben deutlich zu erkennen, eine mehr,
ich will nicht gerade sagen stilistische, sondern
noch gesteigerte lineare Bestimmtheit in seine
Werke hineinzutragen und auf die Einführung
ins Bild hinein mehr Gewicht zu legen, das
Wesentliche der Dinge hervorzuheben und da-
HUGO BURGEL
MORGENDÄMMERUNG
Schleier untertaucht (s. S. 210 u. S. 214). Und
dann wieder die poetische Verklärung der
träumerischen Einsamkeit eines klaren Herbsttages
, wie in dem Bilde der Schilf umstandenen
Amper (s. S. 213), da ist ein Spiel
von Licht und Luft über die Landschaft ausgegossen
, ohne Berechnung auf Effekt, sondern
schlicht gegeben aus empfindungsvoller reiner
Naturliebe, in fast naiver Bescheidenheit.
Diese Kunst, die Dinge in ihrer sie umfliessen-
den Atmosphäre in ihre Hülle von Licht und
Luft zu tauchen, kommt dann in unseren Abbildungen
noch einmal prächtig in der „Mondnacht
" (s. S. 211) zur Geltung, die in ihrem
traumhaft weichen Dufte mit einem lyrischen
bei eine deutliche Neigung, die Kraft des
Kolorits zu verstärken. Dieses Hervorheben
des Prägnanten, Charakteristischen, das Unterdrücken
des Kleinlichen und Nebensächlichen
führt, wie in der Figurendarstellung, auch in der
Landschaft zur Größe, und der Künstler bleibt
dadurch nicht der Berichterstatter über die
Natur, sondern er vermittelt vielmehr dem
Beschauer in höherem Grade seine Anschauung
und Empfindung, die seine Seele durch
die Anregung der Natur bewegt. Es wird
interessant sein, Bürgel, der, 1853 in Landshut
geboren, im April d. J. ein Fünfziger zu
nennen ist, in dieser Weiterentwicklung zu
verfolgen. F. W.
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