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«*-^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^
ERICH ERLER-SAMADEN
LETZTE CANTONIERE
schaftlicher Studien brachte, die er den Sommer
über in der Nähe von Breslau gemalt hat. Philipp
Erlanger's Tierstücke und Landschaften erfreuten
wie immer durch ihre saftige Breite und Frische.
M. S.
Ii ASEL. Der Basler Kunstverein öffnet jedes Jahr
den hiesigen Künstlern seine prächtigen Räume
zu einer Silvester-Ausstellung. Aus derjenigen, die
eben jetzt stattfindet, dürfte ein unbefangener Beobachter
die Ueberzeugung gewinnen, daß es nicht
viele Städte von ca. 100 000 Einwohnern gibt, in
denen das Niveau der Kunst ein gleich hohes ist
wie in Basel. Man merkt hier immer: Jakob Burck-
hardts Geist hat jene flache Mittelmäßigkeit nicht aufkommen
lassen, die sich sonst in kleineren Städten
als »Lokalkunst« oft genug frech und breit macht.
Im Porträtfach steht in der gegenwärtigen Ausstellung
unstreitig Fritz Burger (vgl. über ihn
K. f. A., XVIII., Heft 5) voran und zwar mit einem
ganz ausgezeichneten, räumlich wie farbig gleich
geschickt und nobel behandelten Kinderporträt, das
auch gleich für eine bedeutende Basler Privatsammlung
moderner Kunst (La Roche-Ringwald) angekauft
worden ist. Auch ein gutes Professoren-
und ein chikes Damenbildnis Burgers sind hervorragende
Arbeiten. Neben Burger stellt sich Wilh.
Balmer (Basel-München — jetzt Florenz) mit
zwei sehr natürlich gefaßten und doch zart
poetisch wirkenden Kinderbildern. Ernst Breitenstein
hat ebenfalls ein duftiges Mädchenporträt,
Augusta Rossmann, eine in Paris geschulte, sehr
tüchtige Malerin, ein koloristisch vornehm gefaßtes
Damenbildnis zu zeigen. Hermann Meyer, ein
aufstrebendes großes Talent, von dem zu Anfang
der Wintersaison groß konzipierte, farbig mit eigenartiger
Finesse behandelte Frauenbilder zu sehen
gewesen waren, ist jetzt mit einem plastisch vorzüglich
wirksamen, in die Tiefen hinein geschauten
Männerkopfe in Schwarz-Weiß vertreten. Emil Dill
(Liestal-Basel-ZugJ gibt ein sicheres Selbstporträt.
Unter den Figurenbildern ragt ein silbertoniges,
großräumiges Kompositionsstück Heinr.Altherr's
hervor: »Im Lande der Sonne« (Abb. S. 216), in der
ersten Empfindung von Marees'schem Charakter,
aber in den Formen straffer, in den Farben von
wohltuend ruhiger Harmonie. Karl Burckhardt,
ein in Rom arbeitender, von bedeutenden Schweizer
Künstlern und der ernsthaften Kritik als ein zukunftsreiches
Talent angesehener Basler Bildhauer, hat eine
Federzeichnung (nackte Männer) von Klinger'scher
Kraft und doch echter Eigenart, sowie einen Bronzekopf
von edler, großer Ruhe und tiefem Verständnis
ausgestellt. G. Herzig hält sich an die Wirklichkeit
mehr als an die Phantasie; es ist ihm aber
doch ein schlichtes Bauernkind in grüner Landschaft
(»Schneeglöckchen«) zu stilvoller Größe erwachsen;
auch Herzig zeigt sich da als hochachtbares Talent.
Einige Landschaften von ihm vereinigen mit großer
Zartheit im Farbigen die Sicherheit eines weiten,
klaren Blickes und poesievolle Verklärung des Stofflichen
. Emil Beurmann gibt Figurenbilder (Märchenstoffe
und Kinder) von feiner Zeichnung und
angenehmem Kolorit. Eine größere Serie Landschaften
hat KarlTheodor meyer(Basel-München)
da, sämtlich aus engerem Anschauungs- und Empfindungskreise
, aber in diesem Bereiche zu voller
und reicher Stimmung vertieft, die wirklich Seele
ist und durch das Auge zur Seele spricht. Ein
originell behandeltes Gebiet Meyers ist das des landschaftlichen
Pastells von schöner Einfachheit. Auch
als Radierer und Autolithograph hat er Eigenes zu
geben. — Von feinem Farbenzauber, pikant, ohne
irgendwie gesucht zu sein, sind Landschaften von
F. Voellmy: ein silberduftiges Bachufer und ein
koloristisch sehr lebhafter und vornehmer »Hafen
von Genua«. Farbig sehr stark und doch ganz
harmonisch, dekorativ im besten Sinne wirkt Alfred
Chatelain mit Parkausschnitten aus St. Cloud und
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