Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 225
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PETER SEVERIN KROYER

SELBSTBILDNIS

PETER SEVERIN KROYER

Von Hans Rosenhagen

Der Fall, daß in Berlin Publikum und
Kritik über die Bedeutung eines Künstlers
einer Meinung sind, tritt äußerst selten
ein. Kroyer kann sich daher etwas darauf
einbilden, daß es ihm mit der Ausstellung
seiner Werke in Ed. Schuttes Kunstsalon, die
im Vorjahre stattfand, gelungen ist, bei diesen
Antipoden des Urteils einmütige Anerkennung
zu ernten. Freilich, die Gründe für diese
erfreuliche Uebereinstimmung waren recht
verschiedener Art. Das Publikum fand die
ausgestellten Werke Kroyers aufrichtig bewunderungswürdig
. Die Kritik dagegen benutzte
deren Vorhandensein in der Hauptsache
, um sich an all das Vortreffliche zu
erinnern, das sie Kroyer im Laufe der Jahrzehnte
hatte schaffen sehen. Sie spendete
ihren Beifall sozusagen mit zurückgewendetem
Gesicht. Aber gleichviel! Kroyer hatte seinen
starken Erfolg ehrlich verdient.

Der dänische Künstler, der übrigens in Norwegen
zur Welt kam, ist eine jener glücklichen
Begabungen, denen alles gelingt. Schwierigkeiten
, welche die talentvollsten Maler in Ratlosigkeit
versetzen, bewältigt er mit einer
Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit, als ob
sie gar nicht vorhanden wären. Er handhabt
die Malerei scheinbar wie gewöhnliche Menschen
die Sprache. Diesem spielenden Können

gesellt sich eine große Natürlichkeit des Ausdrucks
. Kroyer hat nie etwas gemalt, was der
einfachste Mann nicht verstanden, nicht für
eine genaue Wiedergabe der Wirklichkeit gehalten
hätte. Dabei waren die Bilder seiner
besten Zeit selten ohne eine gute künstlerische
Pointe. Der Maler war sein Lebtag
nicht Spezialist. Er hat gemalt, was ihm
vorkam : Menschen, Landschaften, Interieurs,
Repräsentationsstücke. Sein gesunder Wirklichkeitssinn
hat ihn nie verlassen, selbst
jetzt noch nicht, wo aus dem kühnen Erneuerer
der dänischen Kunst fast ein routinierter
Akademiker geworden ist.

Es bleibt das unbestreitbare und hohe Verdienst
Kroyers, die bescheidene dänische
Malerei zur tätigen Teilnahme an der großen
künstlerischen Bewegung des neunzehnten
Jahrhunderts aufgestachelt zu haben. Er
war nicht der Entdecker neuer künstlerischer
Wahrheiten, aber er hat geholfen, diesen
die Bahn zu bereiten. Er brachte sie auf
eine gemeinverständliche Formel und hat der
Sache damit unendlich genützt. Wie so
viele Künstler aus seiner Generation ist er
ein Schüler der Franzosen. In Schultes
Ausstellung erinnerte der stark auf braun
gestimmte, tonschöne Kopf einer jungen Zigeunerin
an die Jahre, die Kroyer mit dem

Die Kunst für Alle XVIII. 10. 15. Februar 1903.

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