Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 235
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DAS KÜNSTLERISCHE IN DER KUNST <^W~

PETER SEVERIN KROYER EIN DINER BEI BJÖRNSON (Skizze)

den nicht mißverständlichen Begriff der „bewußten
Selbsttäuschung" gesetzt.

Meine „bewußte Selbsttäuschung" ist die
Vorstellung einer Sache, einer Bewegung u. s.w.,
die in Wirklichkeit nicht da ist und in die
man sich nur mit der Phantasie versetzt.
Das „bewußte" soll nicht heißen, daß der
Beschauer beim Kunstgenuß eine verstandesmäßige
Ueberlegung vollzieht, bei der er sich
über alle Einzelheiten seines Gefühls theoretisch
klar wäre, sondern daß ihm während
des Kunstgenusses die Tatsache der Täuschung
bewußt ist, mit anderen Worten daß er die
Täuschung als solche erkennt. Ich sollte
denken, das müßte sogar einem Einfühlungsästhetiker
einleuchten. Die Bewußtheit der
Täuschung setzt eine Herrschaft der Psyche
über die Vorstellungen, die der Künstler
suggeriert, voraus, und diese Herrschaft ist
nötig, wenn Kunstgenuß zu stände kommen
soll. Das Wort „Täuschung" deutet die eine,
das Wort „bewußt" die andere Vorstellungsreihe
an, und zu dieser gehört auch die
Persönlichkeit des Künstlers. Man wird
wohl zugeben, daß, wenn ich den künstlerischen
Genuß von dem gleichmäßigen Zustandekommen
beider Vorstellungsreihen abhängig
mache, die künstlerische Persönlichkeit
damit in ihr volles Recht eingesetzt ist.

Es ist ja jedem unbenommen, unter Illusion zu
verstehen, was ihm beliebt. Wenn man aber
meine Illusionstheorie widerlegen will, so darf
ich wohl voraussetzen, daß man sich meinem
Illusionsbegriff anbequemt.

Ebenso ist es mit dem Begriff „Realismus".
Wenn ich einen scharfen Unterschied zwischen
Realismus und Naturalismus mache, indem
ich unter Realismus die Absicht der Naturwahrheit
verstehe, wobei die Natur aber durch
die Persönlichkeit des Künstlersund durch die
Anpassung an die technischen Bedingungen
der Kunst mehr oder weniger abgewandelt
wird, wenn ich ausdrücklich sage, daß es
sich dabei nicht um eine sklavische oder
auch nur objektive Nachahmung der Natur
handelt, da der Künstler, der die Natur darstellt
, seine Persönlichkeit nicht verleugnen
kann, so darf ich wohl erwarten, daß die
Kritik sich diesem Begriff „Realismus" anbequemt
und alles, was man etwa im tadelnden
Sinne „naturalistisch" nennen könnte, daraus
eliminiert. In allen diesen Beziehungen
kann ich nur auf meine jetzt vorliegende Darstellung
verweisen, von der ich nichts wegzunehmen
und zu der ich nichts hinzuzufügen
habe. Wer an meine Lehre mit vorgefaßten
Meinungen über „Illusion" und „Realismus"
herantritt, wird sie nicht verstehen. Wer mir

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