Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 245
(PDF, 173 MB)
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-sr4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

gante Pariser Cocotte, die über die helle Straße
eilend, unter dem geöffneten Umhang ihren vollen
Busen blinken läßt und mit den Augen auffordernd
winkt. Als gutes malerisches Stück wirkt die
»Zigeunerin auf dem Markt«, die dunkle Silhouette
einer Mutter mit dem Kinde auf dem Arm gegen
einen von gelben Lampen durchwärmten Hintergrund
. Von dem virtuosen Strich des Künstlers
geben zwei Pferdestudien »Fuchs« und »Rappe«
im Stall einen guten Begriff. Besonders das bläuliche
Schwarz des Rappen ist mit Maleraugen gesehen
. Dagegen sind die »Pferde im Regen« eine
dürftige Wiederholung von Besnards prächtigen
»Ponnies«. Auch ein paar ganz helle Bildchen
sind da, ein »Theatergarten« und eine »Melodie«,
eine rosa gekleidete Schöne in ein Meer von gelbem
Licht getaucht. Anglada ist kein großer Künstler,
aber ein interessanter, der eine Zeitstimmung, einen
Kulturzustand und persönliche Empfindungen zum
Ausdruck bringt, der gefühlt hat, was er malt.
Sein Temperament ist das der Leidenschaft und
muß daher notwendig denen übertrieben oder gar
widerwärtig erscheinen, die kühl empfinden. Immerhin
ist er unter den jüngeren spanischen Malern
einer der wenigen, die etwas zu sagen haben. Von
den übrigen Ausstellern fällt am meisten der Schwede
Anselm Schultzberg mit fünf Schneelandschaften
auf. Er macht keine feine, aber eine gesunde Kunst.
Sein großes Bild »Winterabendsonne
« mit der verschneiten
Heide, mit den sich an Bergen
hinaufziehenden, von Sonnenlicht
angestrahlten Wäldern und
der flimmrigen Luft darüber gibt
die überzeugendste Vorstellung
von einer großartigen, weiträumigen
Natur. Andere Schilderungen
von ihm, wie »Flußtal«
und »Vorfrühling« — vorn
Schnee, hinten die dunklen
Silhouetten von Wäldern gegen
einen strahlend hellen Himmel
— erheben sich wenig über das
bei den schwedischen Landschaften
neuerdings Uebliche.
Frank Brangwyn's »London
Bridge«, Cameron's »Der Ben
Ledi im Winter« sind gute
Leistungen dieser Künstler. Die
Kollektivausstellung der „Group
of Glasgow Landscape Painters"
enthält Bilder, die aussehen, als
hätte ein schottischer Maler
sie sämtlich gemalt. Dergleichen
wird allmählich langweilig.
ScHRAMM-Zittau stellt seine
sehr wirksamen »Schwäne«,
Georg Schuster-Woldan
seine »Dreikönigstag-Phantasie«
aus. Gustav Eberlein ist von
Meunier zu Rodin übergegangen
und zeigt dessen »Danaide«
unter dem schönen Titel »Verlassen
«. Der Düsseldorfer H. St.
Lerche macht in Rom kleine,
Bronzen, Plaketten und sehr
schöne Keramik, der er durch
Montierung mit Bronze und
Einfügung von Steinen ein
apartes Gepräge zu geben
sucht. Die hier vorhandene
Sammlung seiner Arbeiten fällt
angenehm auf. H. R.

W/IEN. Das seit einigen Jahren in unserer Stadt
" sich so rege entwickelnde Kunstinteresse findet
seinen Ausdruck in den mannigfachen und stetig
wechselnden Kunst-Ausstellungen des Künstlerhauses
, des Hagenbundes und vor allem der
Secession. Auch einige hervorragende Kunsthandlungen
wie Miethke, Pisko, Artaria bringen oft
Ausschnitte interessanter Individualitäten. So war
unlängst bei Artaria eine Ausstellung der Original-
Skizzen zur Brahms-Phantasie von Klinger zu
sehen und gleichzeitig seltene erste Drucke dieser
Suite. Klinger, welcher Meister Brahms innig verehrte
, hatte demselben alle Originale dieser seiner
weltbekannten Radierungen geschenkt. Die einzelnen
Blätter, meist Titelbilder zu Brahms Gesängen, oder
Randbilder auf geschriebene oder bereits gedruckte
Notenblätter hingesetzt, erlauben durch die freie,
skizzenhafte, oft nur hastig angedeutete Formgebung
einen tiefen Einblick in das Schaffen des
Künstlers. Vielfach hat Artaria neben den skizzenhaften
Entwurf den fertigen Druck gehängt und so
dem vergleichenden Sinn des Beschauers mannigfache
Anregung gegeben. Man ersieht, wie oft Partien
in der Zeichnung ganz anders wirken als in
der graphischen Uebertragung und wie für den
schöpferischen Künstler selbst zwischen Impuls
und Ausführung eine breite Kluft liegt. Eine geistreiche
Darbietung für den Kunst-Gourmand bedeu-

heinrich eickmann

männlicher köpf

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