Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 246
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0282
-a-s^)- VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -C^^-

tete diese kleine aber so fein gestimmte Vorführung
der graphischen Phantasien Klingers. — Der Hagenbund
brachte eine sehr reichhaltige November-
Ausstellung seiner Mitglieder. Meist Landschaftsbilder
. Werke von hervorragender Bedeutung oder
nur auch solche, welche eine gewisse Originalität
oder besondere Geschicklichkeit verraten hätten,
waren nicht zu sehen. Manches Dilettantenhafte,
manches an touristische Sommer-Kunstübung Erinnernde
hätte vielleicht ausgemerzt werden können.
Aber frische, echte Naturausschnitte, wie Wilt,
Suppantschitz, Ameseder, Bamberger u. a. m.
sie zu gestalten verstehen, hielten die Gesamtdarbietung
auf einer guten, höchst achtbaren Niveauhöhe
. Jetzt beherbergen die Säle des Hagenbundes
eine Reihe von in Wien noch nicht gesehenen
Werken BöCKLiN's. — Im Künstlerhaus beherrscht
wie alljährlich um diese Zeit der Aquarellistenklub
die Ausstellungsräume. Engländer und Franzosen
haben manch interessantes Blatt gesendet. Sie
zeigen, wie das Aquarell durch stark accentuierte
Stimmungswertung zu höchst gesteigerter Wirkung
gebracht werden kann. W. Radimsky, der geschickte
Impressionist, welcher schon ganz und gar Pariser
geworden ist und jeder nationalen Note entbehrt,
und Franz Courtens, der bekannte belgische
Landschaftsmaler, sind mit bedeutenden Kollektionen
ihrer Werke vertreten. — Der »Clou« oder das
Kunstereignis der Saison wird wohl die in der
Secession eröffnete Ausstellung des »Impressionismus
« sein. Die Geschichte des »Impressionismus«
in Bild und Bildhauerei vorzuführen, dies ist der
sehr interessante und lehrreiche Gedanke, welchen
Präsident Bernatzik mit besonderem Geschick
durchzuführen verstand. Erstaunlich ist die Reichhaltigkeit
der Ausstellung, die Vollständigkeit, mit
welcher der große evolutive Kunstmoment, der
unsere Epoche charakterisierte, dargestellt ist. Nicht
nur der reine Impressionismus ist durch seine
größten Meister, durch Manet, Monet, D6gas,
Renoir, Pissaro, Sisley in meist ausgezeichneter
Weise vertreten, auch die Vorläufer der Licht- und
Luft-Maler, und auch die Ausläufer, die Ueber-
winder der Impression, die jetzt nach Stil strebenden
Künstler der jung-französischen Kunstentwicklung
, sieht man mit allen ihren Leistungen
und Verzweigungen. Von Velazquez zu Goya, von
diesen ersten Pfadsuchern des linearen und koloristischen
Impressionismus zu Corot, zu Delacroix,
zu Daumier geht die der Tradition folgende Vorführung
. In der Plastik ganz gleichartig von Houdon
und Rüde zu Carpeaux, dem berühmten Plastiker
des zweiten Kaiserreichs. Dann in weiterer Entwicklung
Rodin mit seinem neuesten, bisher noch
nirgends gesehenen Werke »Die Hand Gottes<, in
der Adam und Eva zu Leben erwachen, und die
ganz die Grenzen der Plastik sprengenden Werke
des Italieners Rosso. Besnard, Simon, Cottet,
La Touche, Forain, Slevogt, Liebermann,
Whistler geben die Gruppe, welche der Katalog
mit »Ausbau des Impressionismus« bezeichnet. Die
belgischen Neo-Impressionisten, welche das Prinzip
der Farbenteilung durchführen, sind durch Seurat
und Rysselberghe vertreten. Nun über die
Japaner hinüber, deren Wesen eine Sammlung
Farbenholzschnitte erläutert, gelangt man zu der
jetzt nach Vereinfachung, nach aphoristischer Zusammenfassung
, nach individueller Accentuierung
ringenden Schule der Neuen. Es sind dies Toulouse
-Lautrec, Gauguin, Redon, Vuillard,
Maurice Denis, Bonnard, Valloton und Van
Gogh. Man muß wohl sagen, daß Wien mit einigem
Stolz auf diese Ausstellung blicken kann. Nur die

außerordentliche Wertschätzung, deren sich die
Secession im Auslande erfreut, ermöglichte die so
seltene Zusammenfassung einer vollständigen Entwicklungsperiode
. Vielfach ist durch die ethische
Vermittlungsrolle des Kunstblattes »Ver Sacrum«
- das wie ein Freimaurer-Band von Kunst zu
Kunst sich schlingt — das überraschende Entgegenkommen
, welches die Bestrebungen der
Secession auswärts erfahren, zu erklären. Lehrreich
wird für das Wiener Publikum die aus der
Vorführung des Impressionismus gewonnene Erkenntnis
sein, wie stets das schöpferische Wirken
des Künstlers dem retardierenden Erkennen des
Laien vorauseilt. B. Z.

jViÜNCHEN. Im Kunstsalon Heinemann an der
m Prinzregentenstraße ist eine kleine Sammlung
von Werken des Giovanni Segantini ausgestellt,
die mancherlei Anregung und interessante Einblicke
in das Schaffen des großen Künstlers gewährt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen zwei Jugendarbeiten
: die eine behandelt einen Vorwurf, der bei
Segantini öfter wiederkehrt, einen Hirten, der mit
seiner Herde abends heimwärts zieht; die andere
zeigt in einer schön durchgebildeten Landschaft
zwei verliebte junge Leute unter einem blühenden
Baume. Es sind lyrisch gefühlte Stimmungsbilder;
ihre malerische Behandlung verrät noch wenig Eigenart
. Erst in »Mittagszeit«, »Rückkehr in den Stall«
und »Zwei Mütter« repräsentiert sich der Meister.
Die Malfläche ist hier völlig überwunden, die herrlichste
Natur ersteht vor uns bestimmt und klar,
scharf und deutlich, wie durch eine krystallhelle
Glasscheibe gesehen. Diese Werke entstanden in
der Zeit, da sich der Maler in Maloja im Engadin
niedergelassen hatte und ihm das Leben der Hirten
und Bauern Eindrücke bot, die er in ihrer vollen
Realität und optischen Stärke festhielt und zu
typischer Größe und Einfachheit im Ausdrucke gestaltete
. Diese letzten Momente treten besonders
stark in seinen Zeichnungen hervor, die einfachen
aber kräftigen Kontraste von Schwarz-Weiß steigern
den Eindruck zu ungemein großzügiger, wuchtiger
Wirkung. Von den hier ausgestellten Blättern sind
zu erwähnen: »Letzte Arbeit«, »St. Moritz bei Nacht«,
»Eine Studie aus dem Engadin« und eine Zeichnung
aus dem Jahre 1894 zu einer allegorisch gedachten
Figur, die auch in größerer Ausführung in Oel hier
vertreten ist, ohne jedoch die dem Entwürfe eigene,
unvergleichliche Anmut im Rhythmus der Linienführung
zu erreichen. A. H.

ORAUNSCHWEIG. Die zur Zeit noch in vier
verschiedenen Gebäuden untergebrachten städtischen
Sammlungen, welche sich seit dem Amtsantritte
des jetzigen Museumsdirektors Dr. Fuhse
sehr vermehrt haben, werden in Bälde in einem
Gebäude vereinigt sein, da der längst beschlossene
Bau eines neuen städtischen Museums endlich so
weit vorwärts schreitet, daß hoffentlich Mitte des
Sommers das Gebäude unter Dach kommt. In dem
obersten Stock des Museums wird dann auch die städtische
Galerie eine würdige Stätte finden, ebenso die
Permanente Kunstausstellung des Kunstvereins.
Von diesem sind in den verflossenen zwei Jahren
für die städtische Galerie folgende Kunstwerke erworben
worden: Aquarell von Friedr. Schwinge
in Hamburg; »Landschaft aus der Umgebung Braun-
schweigs« von Carl Heel in Braunschweig; »Ballspiel
« von Max Pietschmann in Dresden; »Mittag
der Pfründnerinnen im Juliushospital zu Würzburg«
von Prof. Otto Piltz in Pasing bei München. Eine
Skulptur »Siesta« von Martin Schauss in Berlin,

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