Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 266
(PDF, 173 MB)
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-sr4^> AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS <^=^-

einen tieferen Eindruck mit seinen Märchenbildern
zu machen. Die Unzulänglichkeit seiner Akte ist
beinahe peinlich. Mit solchen Leistungen wird die
idealistische Malerei nur kompromittiert, nicht empfohlen
. Bei seinem von der Karlsruher Ausstellung
her bekannten Bilde »Königskerzen« befriedigt
wenigstens der wohlklingende Akkord von
Gelb und Grau. In den Arbeiten von Charles
Tooby — Landschaften mit Tierstaffage, ein Hahnenkampf
■ berührt die Art des Malens sehr angenehm
, aber wie farblos dunkel sind die Farben!
Bössenroth geht in seinen Bildern aus Bozen
und Polling diesem Fehler aus dem Wege. Er
malt hell. Noch will es ihm indessen nicht recht
gelingen, die Illusion des sonnigen Lichtes zu
geben. Er bemüht sich jedoch ehrlich und wird
diesem Mangel schon beikommen. Fritz Rhein,
der Porträts sehen läßt, genügt nur in dem eines
Obersten Werner, der in seinem Arbeitszimmer in
Zivil dargestellt ist und eher einem Gelehrten als
einem Militär gleicht, höheren Ansprüchen. — Bei
Keller & Reiner gibt es eine Hans Thoma-Ausstellung
. Was vor einem Jahrzehnt noch ein Verdienst
war, erscheint jetzt fast als ein verfehltes
Unternehmen. Die guten Schöpfungen Thomas
sind in festen Händen und nicht mehr für Ausstellungen
zu haben, und die Kraft des Meisters
selbst hat stark nachgelassen. So ist es fast unmöglich
, eine Kollektion seiner Werke zusammenzubringen
, die seine Bedeutung voll erkennen läßt.
Man ist sich nie im unklaren darüber gewesen,
daß Thoma ein sehr ungleicher Künstler ist, daß
er ebenso fein wie trivial sein kann, und daß sein
Können sehr oft mit seiner Empfindung nicht Schritt
zu halten vermag. Und hier kommt diese Unzulänglichkeit
fast mehr zur Geltung als die Vorzüge von
Thomas Kunst, zumal sämtliche Steindrucke und
Algraphien des Meisters mit vorgeführt werden,
unter denen sich — Thoma ist als Künstler anerkannt
genug, um einen unumschriebenen Tadel
vertragen zu können - - direkt schlechte und vor
allem höchst geschmacklose Sachen befinden. Mußte
das alles ausgestellt werden? War es nötig, in
dieser Weise das Publikum auf die Schwächen
eines so hochzuschätzenden Künstlers hinzuweisen?
Man tut niemand damit einen Gefallen, am wenigsten
der Kritik, die dergleichen ablehnen muß und sich
dadurch in den Verdacht bringt, der idealistischen
Kunst überhaupt feindlich gegenüberzustehen. Was
die deutsche Kunst an Thoma hat, sagen hier
in überzeugendster Weise fünf bis sechs Bilder.
Eine »Flucht nach Aegypten« von 1879 ist von
einem wunderbar tiefen Glanz der Farbe und so
treuherzig naiv als Darstellung wie das Werk eines
Dürers. Wie die Englein dem Zuge folgen, wie
die Tiere des Waldes dem Wunder zuschauen —
das muß jeden entzücken, der Sinn für deutsche
Art besitzt. Ueber der »Schwarzwaldflora«, die von
Putten mit Libellenflügeln umgaukelt, im rosigen
Gewände Blumen tragend, durch eine Frühlingslandschaft
an einem Bächlein vorübergeht, schwebt
der Geist Böcklins. Kein falscher Accent, keine
Ungeschicklichkeit stört den bezaubernden Eindruck
dieses Bildes, das durch seine zartgestimmten Farben
und den duftigen Gesamtton merkwürdig aus
dem Werk des Meisters herausfällt. Ein ausgezeichnetes
Beispiel für die Kunst des Landschafters
Thoma ist der »Julitag« von 1896. In einem eingehegten
Gärtlein weidet angebunden eine junge
Ziege, dahinter breiten sich grüne Felder und am
Horizont dehnen sich blaue Hügelketten. Ueber
dem ganzen ein fröhlicher Sommerhimmel, der
alles mit lichtem Glanz überschüttet. Von den

Arbeiten aus den letzten Jahren verdienen ein
»Herbstmorgen im Schwarzwald«, auf fahles Gelbgrün
gestimmt, und ein wohl symbolisch zu nehmendes
Bild »Frühlingsarbeit« ein Arbeiter pflanzt in
seinem Gärtchen einen Baum, Kinder suchen
Blumen und spielen — hervorgehoben zu werden.
Auf starke Bewegungen, wie sie ein »Neptunszug«
fordert, auf das Dämonische, das man bei einem
»Unkrautsäer- erwartet, ist Thoma nicht eingerichtet
. Seine Bildnisse haben durch die Beto-
nungder Zeichnung und durch die Vorliebe des Künstlers
für starke Lokalfarben etwas Glasiges. Das der
Frau Cella Thoma betrachtet man indessen mit Verehrung
. Die meisten übrigen Bilder, Landschaften,
mythologische oder biblische Figuren vermögen
kaun tieferes Interesse zu erwecken. Sie zeigen
natürlich den Charakter der Thomaschen Kunst,
aber nicht die Höhe, deren sie fähig ist. Man muß
endlich auch einmal anfangen, auf die Mängel dieser
Kunst hinzuweisen, schon damit nicht die Meinung
erweckt wird, als könne der deutsche Geist in ihr
das Unzulängliche ausgleichen. Deutsche Kunst
machen und schwache Kunst produzieren ist zweierlei
. Der Nachdruck liegt immer auf dem Worte
»Kunst«, und wer Kunst hat, ist ganz von selbst
national. Der Wille dazu hilft erbärmlich wenig, wie
man an all den Illustratoren sieht, die mit Thomas Un-
behilflichkeit prunken, in der Meinung, sie sei das
Kennzeichen seines Deutschtums. Der Thoma-Aus-
stellung sind Kartons zu Kirchenbildern von Wilhelm
Steinhausen beigefügt. Wohl möglich, daß
sie aus echter religiöser Gesinnung entstanden sind,
künstlerisch könnten sie nicht leicht langweiliger sein.

Hans Rosf.nhagen

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

DERLIN. Professor Reinhold Begas wird zum
April d. J. von der Leitung des akademischen
Meisterateliers für Bildhauerei zurücktreten. Als
sein Nachfolger gilt, dem Vernehmen nach, Prof.
Ludwig Manzel. Der Rücktritt Begas' soll nicht
ganz freiwillig erfolgt sein, es heißt, daß man die
vom Meister bekundete Auffassung des Lehrberufs
zu frei fand und ihn dies von amtlicher Seite merken
ließ. Und damit nun ein »Fall Reinhold Begas«
komplett sei, veröffentlicht die „Kunsthalle" eine an
den Kaiser gerichtete Immediateingabe der Meister-
schülersowie ein dem Kaiser ebenfalls bestimmtes Gesuch
angesehener Berliner Bildhauer, Schriftstücke,
die, wie glaubwürdig versichert wird, nicht in die
Hände des Monarchen gelangt sein sollen. Beide Auslassungen
gipfeln in dem Wunsche, daß Begas in
Wiederaufnahme des Lehramts der jüngeren Künstlerschaft
als Lehrer und Vorbild erhalten bleiben möge.
- Professor Gerhard Janensch ist vom Kaiser beauftragt
worden, seine Figur des jugendlichen großen
Kurfürsten, die jetzt für Küstrin in Bronze gegossen
wird, noch einmal in Marmor auszuführen. Dieses
Denkmal soll alsdann hierorts im Tiergarten Aufstellung
finden. Auch hat der Kaiser bestimmt,
daß der im Tiergarten gelegene Platz »Großer Stern«
eine einheitliche durch Bildwerke verschönte Gestaltung
erfahre. An der einen Seite soll ein die
Hubertussage behandelnder Monumentalbrunnen aus
Marmor entstehen, für den Prof. Cuno von Uech-
tritz mit der Schaffung eines Entwurfes betraut
wurde. Seitlich von diesem Brunnen werden im
Halbkreis vier waidmännische Gruppen aus Marmor

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