Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 271
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0307
VON AUSSTELLUNGEN VERMISCHTES

arrangiert, etwa ein Mädchen mit Hunden im
Arm, auch Kinderstubenscenen. Im Vordergrund
seiner Bemühungen steht das Porträt, und hier
interessiert ihn fast nur der Kopf. Desboutins
eigentliche Bedeutung liegt in der Radierung, er
ist Kupferstecher im wahren Sinne des Wortes
und hat, unter Verzicht auf alle Kombinationen mit
Aquaforta, weichem Grund und sonstigen Raffinements
, in der Tat große malerische Wirkungen erzielt
. Das Blatt >une femme au chat«, das er 1896
im Auftrage der Stadt Paris gestochen, ist von technischen
Gesichtspunkten ein Meisterwerk. Delikat
ist ein Cyklus von fünf großen Reproduktionen nach
Fragonard. Seine zahllosen Porträts bilden eine
Galerie fast aller hervorragenden Persönlichkeiten
der französischen Gesellschaft im letzten Viertel
des neunzehnten Jahrhunderts. Und wie Rembrandt
ist er unermüdlich gewesen, immer wieder vor den
Spiegel zu treten und die eigenen Züge zu bilden,
hat, wie er, in diesen Studien eine ganze Geschichte
seines Lebens, dieses wunderlichen wirren und
ziellosen Daseins geschrieben. Erich Klossowski

pvÜSSELDORF. Von den Ausstellungs-Veran-
staltungen der letzten Zeit fand diejenige von
Andreas Dirks in der Kunsthalle ein besonderes
Interesse, da dieser Künstler bisher noch nicht mit
einer größeren Zusammenstellung seiner Bilder vor
die Oeffentlichkeit getreten ist. Es sind dreizehn
Gemälde von verschiedenem Umfang: Marinen,
Dünenbilder und andere landschaftliche Motive.
Dirks' Heimat ist die Insel Sylt im schleswigschen
Wattenmeer. In seinen Bildern offenbart sich eine
starke und innige Heimatliebe und ein Vertrautsein
mit den elementaren Kräften, wie es die stete Berührung
mit der Natur zeitigt, so daß hier von wirklicher
bodenständiger Kunst die Rede sein kann.
Und diese Natur der Nordsee und ihrer Küste ist
durch ein starkes Temperament gesehen. Da ist
z. B. ein Bild von der Nordseeküste, wo die brandende
See über die vom langen Schleifen der Wellen gerundeten
Steinblöcke fließt; hier ist das Brausen,
Schäumen und Zischen des gewaltigen Elements mit
einer solchen überzeugenden Naturwahrheit wiedergegeben
, daß man den uralten Sang der Meereswellen
zu hören meint. Die Atmosphäre, die gewitterhafte
Luft ist im Einklang mit der Bewegung
der Küste. Bedeutend in der Wirkung ist auch eine
große Dünenlandschaft, ein einsames, weit ins Land
sich hineinerstreckendes Tal. Eigenartig mutet die
primitive Werft einer holländischen Küstenstadt an,
vor der grellrot angestrichene Schiffe vor Anker
liegen, ein Bild von kühner, kraftvoller Koloristik,
und sehr reizvoll in der Stimmung sind eine Hafenstadt
im Winter, eine Vorfrühlingslandschaft und eine
Dämmerungsscene. Auch die übrigen Seestücke,
Küsten- und Dünenbilder Dirks' sind frappant in
ihrer überzeugenden Naturwahrheit. tz.

T EIPZIG. Der holländische Maler Hobbe-Smith
*^ in Amsterdam hat zur Zeit, und zwar zum erstenmal
in Deutschland, bei Pietro del Vecchio in
Leipzig eine Ausstellung seiner Gemälde veranstaltet.
Die Arbeiten des vielseitig veranlagten Künstlers
zerfallen in zwei Hauptgruppen, die einerseits Motive
zeigen, in welchen die unverhüllte Schönheit
des Frauenkörpers zum Gegenstand der Darstellung
ausersehen ist, sowie anderseits Bilder des täglichen
Lebens wiederspiegeln und Landschaften,
Städtebilder, Seenstücke etc. sehen lassen. Hobbe-
Smith wandelt, wie die Mehrzahl seiner holländischen
Kollegen, in durchaus traditionellen Bahnen, und
seine Darstellungsweise zeigt sich von den Bestrebungen
der modernen Malerei fast völlig unbeeinflußt,
ja ein Teil der ersterwähnten Gruppe, unter der
sich ein Kolossalgemälde »Im Harem«, »Der
Mädchenraub« (ein Barbar, der ein sich lebhaft
sträubendes Mädchen fortträgt), >Der römische
Konsul Sulla auf seinem Landgut Puteoli«, sich an
den graziösen Bewegungen einer Tänzerin ergötzend,
»Das Urteil des Paris« und ein »Römisches Bad
mit Frauen« befinden, erinnern stark an Makart,
wenigstens was Auffassung und Wahl der Motive
anbelangt, während diese Darstellungen hinsichtlich
der Durchbildung der Form und Ausgeglichenheit
der Technik Makarts großzügigen Schilderungen
keineswegs gleichwertig sind. Dagegen weisen die
Motive aus dem holländischen Volksleben mit den
lebenswahren Typen der Fischer, den schmucken
Hausfrauen, strickenden Mädchen u. dergl. wesentlich
höhere malerische Qualitäten auf. Tragen die
ersterwähnten Bilder ein ausgesprochenes dekoratives
Element zur Schau, so zeichnen sich die
anderen bei weitem mehr durch Innerlichkeit und
intimere Behandlung aus; namentlich einige Interieurs
mit den im Hause schaltenden Frauen sind
als vorzügliche Stücke der Tonmalerei anzusehen.
Anknüpfungspunkte an bedeutende Vorgänger sind
jedoch auch hier nicht zu übersehen; so erinnert
hier vieles an Israels, wie seine Studienköpfe in
ihrem breiten Vortrag oftmals an Leibi gemahnen.
Bei seinen landschaftlichen Schilderungen ist der
Künstler bestrebt, ein möglichst einfaches Motiv
durch den Stimmungsgehalt interessant zu gestalten.
Diese Sonderausstellung wird durch die Kunsthandlung
Pietro del Vecchio (Inhaber: Andreas Fischer)
auch in anderen deutschen Städten zur Schau gebracht
werden. e. k.

DREMEN. In der Kunsthalle hat die Münchener
Secession für die Zeit vom 1. Februar bis Mitte
März eine Ausstellung veranstaltet, die in etwa
hundertfünfzig Arbeiten Oelgemälde, Schwarzweißkunst
und Plastik darbietet.

^ÜRICH. Aus der Galerie Henneberg hat ein
^ hiesiger Kunstfreund Bruno Piglhein's »Kentaur
am Meer« und Franz Stuck's Panneau »Der
Wein« erworben, um sie der hiesigen Kunstgesellschaft
zu schenken.

DRESLAU. Die Gemäldegalerie des Schlesischen
Museums der bildenden Künste hat gegen Tausch
ein Gemälde von Gertrud Staats, »Abendstimmung
« erhalten.

VERMISCHTE NACHRICHTEN

DERLIN. Der diesjährige Preußische Staatshaus-
halt weist wiederum eine Reihe interessanter
Positionen auf dem Gebiete der Kunstpflege auf.
Als Hauptbetrag figurieren darunter nahezu eine
Million Mark für den Fortbau des Kaiser Friedrich-
Museums, für dessen innere Einrichtung nunmehr
(mit Einschluß der früheren Bewilligungen) im ganzen
900000 M. ausgeworfen sind. Die Marmorstatuen
der sechs Generale Friedrichs des Großen von
Tassaert und Schadow werden vom Lichterfelder
Kadettenhaus, das durch Marmorkopien entschädigt
werden soll, samt einigen anderen wertvollen Marmordenkmälern
in das neue Museum überführt.
37 000 M. wird die Ausbesserung der Raffaelischen
Wandteppiche, die ebenfalls in das neue Museum
kommen sollen, kosten. Für das Kupferstichkabinett,
dessen Bestände sich in den letzten Jahren überraschend
vermehrt haben, sind 30000 M. zur An-

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