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VERMISCHTES KUNSTLITERATUR <^=^
Schaffung neuer Schränke nötig. Für den Erweiterungsbau
des Kunstgewerbe-Museums ist die dritte Rate
von 500 000 M. eingestellt (der ganze Bau ist auf
1,8 Millionen veranschlagt). Für den Neubau der
Kgl. Bibliothek und der Universitätsbibliothek, die
beide auf dem Platz des alten Akademiegebäudes
errichtet werden, wird als erste Rate der Betrag von
einer Million Mark verlangt, für die Akademie der
Künste soll schließlich noch das Arnim'sche Palais
am Pariser Platz für 31/* Million Mark erworben
und umgebaut werden.
MÜNCHEN. Die bisher von dem Verein zur Beförderung
rationellen Malverfahrens geführte
Versuchsstation zur Untersuchung von Malfarben
ist jetzt, zunächst provisorisch, von der Technischen
Hochschule übernommen worden. Es entspricht
dies den Wünschen, die in einer seinerzeit auch von
uns erwähnten Petition an den Landtag Ausdruck
fanden. — Aus dem für 1902 erstatteten Jahresbericht
des hiesigen Kunstvereins ist zu entnehmen, daß
die Mitgliederzahl jetzt 5504 gegen 5748 des Vorjahres
beträgt. Auf 231 Anrechtscheine wurden
Kunstwerke zum Werte von 71 500 M. verlost,
daneben wurden noch 79 400 M. den Künstlermitgliedern
durch Verkauf von Arbeiten ihrer Hand
zugeführt, so daß sich aus der Vereinstätigkeit für
jene ein Jahresumsatz von 140 000 bis 150 000 M.
GEORG SCHWESSINGER PALLAS ATHENE
ergibt. Der Kassenbericht weist eine Gesamtjahreseinnahme
von 134 783 M. nach. Als Gabe für die
auswärtigen Vereinsmitglieder ist für das Jahr 1903
eine Originalradierung von Robert Raudner-
Schleißheim in Aussicht genommen. Ueber eine
Statutenrevision wird eine demnächst stattfindende
außerordentliche Generalversammlung definitiv zu
entscheiden haben. Die dafür vom Vorstand gemachten
Anträge gehen dahin, daß 1. Künstler, von
denen ein Werk bereits zur Ausstellung angenommen
wurde, in Zukunft für das nächste Vereinsjahr nur
noch 11 M. Jahresbeitrag zu entrichten hätten, 2. daß
der Verein alle Transportauslagen trägt für eingesendete
Objekte und 3. daß künftighin die Wochenausstellungen
in der Zeit von Juli bis Ende September
in Monatsausstellungen umgewandelt werden,
zu deren Beschickung eingeladen werden soll. — Die.
Leitung der heurigen Jahres-Ausstellung im Glaspalast
verhält sich ablehnend gegen die Zulassung
von geschlossenen Separat-Ausstellungen Berliner
Künstler. Und das, weil seitens der Berliner Ausstellungsleitung
mit der bislang für die »Große
Berliner« umgekehrt ebenfalls geltenden Gepflogenheit
gebrochen ist.
KUNSTLITERATUR
Salome, Tragödieineinem Aktevon Oskar
Wilde. Uebertragung von Hedwig Lachmann, Zeichnungen
von Markus Behmer. (Leipzig, Insel-Verlag
, 5 M. gebd. 672 M.)
Wer die Wildesche »Salome« einmal gelesen
oder gar gesehen, vergißt nicht, wie seltsam diese
Tragödie, voll der bizarrsten Empfindungen, uns
diese komplizierteste vielleicht aller weiblichen Seelen
lebendig vors Auge führt. Wie die Analyse einer
solchen Seele kaum mit trockenen Worten gegeben
werden kann, so kann auch diese Dichtung kaum
rein literarisch gewürdigt werden. Und wenn ein
Künstler sie nun illustrieren oder schmücken will,
so wird er dies schlechterdings nur durch eigene
künstlerische Paraphrasen vermögen. Ja aber auch
dann noch wird nur ein Künstler der Dichtung
einigermaßen als homogener Umgestalter gegenübertreten
können, wenn er selbst etwas von dem
Fanatismus des bizarren Reizes der Dichtung in
sich fühlt. Beardsleys Illustrationen zur Wildeschen
Salome sind nicht mit Unrecht ungemein
hoch geschätzt und bezahlt worden. Nun ist die
obengenannte, übrigens ausgezeichnete Uebersetzung
mit Zeichnungen von Markus Behmer erschienen.
So hoch wie die Illustrationen Beardsleys sind sie
gewiß nicht zu bewerten. Ist es schon schwierig,
nach einem solchen Meister der raffiniert einfachsten
Wirkung das gleiche Werk zu sckmücken,
so fordert die Wahl eines ganz ähnlichen zeichnerischen
Stiles, der hier nur ins schwerere übersetzt
ist, absichtlich zum Vergleich heraus. Trotzdem
sind die Behmerschen Zeichnungen durchaus
selbständige Paraphrasen, und die bizarre Phantasie
des Künstlers hat sich in keiner Weise von
der Dichtung oder dem Beardsleyschen Genius
knechten lassen. Deshalb erheben sich die Behmerschen
Allegorien oder Visionen hoch über die Illustration
im geläufigen Sinne des Wortes. Manche
der Bilder sprechen uns durchaus nicht an, wie so
mancher pathologische Zug im Charakter und Empfinden
der Herodias und ihrer Tochter uns fremd
und widerlich berührt. Viel reifer, künstlerischer
Geist liegt in diesen ungemein knappen Zeichnungen,
die aber nur ausführlich charakterisiert werden könnten
, wie das Thema, dessen einzelne Episoden sie
krystallisieren. E. W. B.
Redaktionsschluß: 7. Februar 1903. Ausgabe: 19. Februar 1903.
Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwärtz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. — Druck von Alphons Bruckmann. Sämtlich in München.
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