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-^5> BILD UND RAHMEN -C^^
rakter konnte der Rahmen hier natürlich
nicht beibehalten. Es war vielmehr
nötig, ihn gegen die architektonische
Eigenart seines neuen Milieus abzuschließen
, ihn zu isolieren. Jene Architekturbestandteile
wurden daher vergoldet
, und so wurde im Goldrahmen ein
neues dekoratives Moment geschaffen.
Daß gerade dem Golde diese wichtige
Rolle zufiel, war durchaus kein
blinder Zufall. Die besondere Bedeutung
und der besondere Wert, den man
damals dem Kunstwerke als Kunstwerk
zuzuerkennen begann, verlangten das
edelste Metall, welches der Mensch
kennt, zur Umrahmung von Werken
der edelsten menschlichen Geistestätigkeit
.
Der Goldrahmen als neues dekoratives
Element entstand unter besonderen
Voraussetzungen und auf Grund
besonderer Zeitverhältnisse, die hier
gestreift werden müssen, ehe wir den
Verlauf der Entwicklung weiter verfolgen
können.
Die große Blüteepoche der bildenden
Kunst jener Zeiten war die Begleiterscheinung
eines raschen Aufschwunges
aller, auch der materiellen Lebensverhältnisse
. Im reichen Italien der Renaissance
, bei dem öffentlichen, nach
außen gekehrten Charakter seiner Kultur
mußte naturgemäß eine durchaus repräsentative
, prunkvolle, ihrem Wesen
nach dekorative Kunst heranreifen, eine
Kunst, deren einzelne Werke, jedes
für sich, weniger bedeuteten, als die
Art, wie sie sich ihrer Umgebung, dem
Innenraume jener Zeit einfügten. Der
Goldrahmen als dekoratives Element
war durch den Raum bedingt, in welchem
er zur Geltung kommen konnte,
er war bestimmt von den schweren,
prunkvollen Linien, Formen und Farben
des Renaissanceraumes. Jedoch nicht
diese Forderungen des Milieus allein
bedingten ihn sondern auch der künstlerische
Charakter der Bilder, welche
er umschloß.
Diese Bilder waren keine Naturausschnitte
wie die unseren, sie unterschieden
sich ganz wesentlich von den
bildnerischen Notizen, Apercus und
Epigrammen unserer werdenden Kunstepoche
.
Die Bilder der Renaissance, die mit
ihren schweren Goldrahmen eine dekorative
Einheit darstellten, waren
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