Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 288
(PDF, 173 MB)
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-*-s^> BILD UND RAHMEN

und kämpfen, wie geradezu krampfhaft sie
danach streben, jene frühere dekorative Einheit
von Rahmen und Bild wiederherzustellen.
Wir haben Rahmen in moderner plastischer
Formengebung, wir haben sogar polychrome,
bemalte Rahmen. So viele dieser neuesten
Experimente man betrachten mag, man wird
unter ihnen keine Lösung der Rahmenfrage
rinden, denn jedesmal geben diese modernen
Bilder ein Doppeltes: Einmal ein modernes
Bild und dann einen modernen Rahmen, der,
gleichsam zum Bilde hinzugedichtet, infolge
der auf ihn verwandten künstlerischen Arbeit
selbständigen Kunstwert besitzt und eben
dadurch seiner wesentlichen Eigenart als
Rahmen widerspricht. Auch hier sehen wir
den Zwiespalt walten, welcher unser gesamtes
Kunstschaffen durchzieht.

Ein moderner Rahmen im Sinne dessen,
was wir hier als Rahmen verstanden und aus
der Entwicklungsgeschichte erläutert haben,
wäre demnach erst dann wieder möglich,
wenn aus den neuen Stilversuchen ein allgemeiner
modern-architektonischer Gesamtstil
geworden wäre, aus dessen architektonischen
Innenraumbestandteilen sich dann der neue
Rahmen wieder gleichsam herauslösen könnte.
Wir sind von einem solchen Ziele, dessen
Erreichbarkeit an sich überdies höchst

TH. B LOTNICKI, PÄD ER EWSKI-B LISTE

probelmatisch
ist, heute noch
weit entfernt.
Den Bemühungen
unserer
Künstler, einen
neuen Stil zu
schaffen,widersprechen
die

Bedürfnisse
des modernen
Lebens. Dieses
bildet auf
Grund derKon-

struktionen
des Ingenieurs
moderne,inmodernem
Sinne
auchästhetisch
vollendete Formen
derZweck-
mäßigkeit, welche
zu ihrer
Entstehung der
künstlerischen

Mitarbeiterschaft
entraten
können.*) Ist

dieser „Zweckmäßigkeitsstil" einmal zum Stil
der Zeit, d. h. allgemein geworden, so läßt
sich nicht einmal mehr ein Staffeleibild
denken, welches sich demselben harmonisch
eingliedern könnte, geschweige denn irgend
ein Rahmen, der mit diesem Bilde seinerseits
wieder eine ästhetische Einheit zu bilden
vermöchte.

Die bildende Kunst gibt heute bereits in
ihren am weitesten differenzierten Dokumenten
Zeugnis davon, daß ihre Vertreter den
oben skizzierten Entwicklungsverlauf kommen
sehen und sich deshalb vom Staffeleibilde
abwenden als von einer Form künstlerischen
Ausdrucks, welcher das Leben tagtäglich mehr
Boden entzieht.

Weder für unsere modernen Illustratoren
(zeichnenden Künstler), noch für den modernen
Graphiker existiert eine Rahmenfrage. Gerade
was den letzten anlangt, so hat sein Hauptwerk
, das moderne Straßenplakat, bereits
den großartigsten Rahmen, der sich denken
läßt, mit dem zusammen es, erstklassige
künstlerische Qualität vorausgesetzt, ein
wunderbar harmonisches, einheitliches und
sinnvolles Ganzes bildet: Unser modernes
Straßenleben, unser modernes Großstadtbild
mit der ernsten Symmetrie seiner endlosen

WACL. SZYMANOWSKI

BILDNISBÜSTE

*) Vergleiche „Kunst und Maschi ne> von H. Muthesius
in „Die Kunst", Januar-Heft 1902.

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