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EIN NEUES VERFAHREN FÜR KUNSTGUSS
Von Hugo Elmquist*)
Beim Kunstguß in Metall hat man zu allen
Zeiten darnach gestrebt, das gegossene
Kunstwerk so herzustellen, daß eine Nacharbeit
auf demselben so viel wie möglich vermieden
wird. Und das aus zwei Gründen:
Erstens, weil bei solcher Nacharbeit es
weder mit der allergrößten Geschicklichkeit
noch mit irgend welchen Werkzeugen möglich
ist, das spielende Leben auf der Oberfläche
des gegossenen Bildwerks zu Stande
*) Gern bringen wir in dem Nachstehenden die uns von dem
Erfinder des neuen Verfahrens (Bildhauer Hugo Elmquist, Stockholm
, Näckströmsgatan 3) freundlichst gemachten Mitteilungen:
ob die neue Methode sich bewährt, darüber wird freilich nun wohl
nur eine längere Praxis entscheiden können. Anscheinend ist
das Verfahren doch nur für Modelle in relativ kleinem Maßstab
bestimmt, denn fürKolossal-Ausführungen dürfte die neue Modellier-
Masse vielleicht zu teuer sein. Außerdem wäre für die allgemeine
Anwendung des Elmquistschen Verfahrens noch die Transportmöglichkeit
der entstehenden Modelle zu berücksichtigen.
Die Redaktion der „K. f. A."
W. VON RÜMANN PRINZREGENT
LUITPOLD VON BAYERN
Das Original-Bildwerk im Justizpalast :u München
zu bringen, das eine gefühlvoll modellierende,
fein empfindende Künstlerhand ohne Mühe,
sozusagen nebenbei, in einem weichen, modellierbaren
Material erhält, und
zweitens: ist die Arbeit in Metall weit zeitraubender
als das Modellieren in jenem.
Um nun das gewünschte zu erreichen, kann
man zwei bestimmt getrennten Prinzipien
folgen — entweder:
Bindestückformen auf dem festen Modell,
oder:
Ganzformen auf dem Modell, das zum
Ausschmelzen bestimmt ist.
Das Bindestückformen in Sand ist die bisher
am meisten angewandte Art für Kunstguß
in Bronze, Silber und anderen schwer
schmelzenden Metallen, es ist eine Arbeit,
die viel Geschicklichkeit und eigenes Können
des Arbeiters erfordert. Das zum Ueber-
führen in Metall bestimmte Modell zerlegt
man dafür gewöhnlich in passende Stücke,
die hernach, jedes für sich, in aus feuchtem
Sand bestehende Bindestücke geformt werden,
die man über dem Modell, das eine neben
dem andern, herstellt, bis dieses rundum
bedeckt ist, worauf dann ein zweiteiliger
Gipsmantel das Ganze umschließt. Alsdann
nimmt man sowohl Mantel wie Bindestücke
vom Modell ab und die letzteren legt man
auf ihre respektiven Plätze im Mantel zurück.
Nun muß die Kernmasse in die vom Modell
befreite, negative Form gegossen oder gedrückt
werden. Mantel und Bindestücke werden
wiederum zerlegt, um die Kernmasse, welche
jetzt Form und Volumen des Modells hat,
zu befreien. Von diesem Modell aus Kernmasse
wird rundum eine Schicht abgetrennt,
die der Dicke des künftig gewünschten Metalls
gleichkommt, dann werden nochmals
die Bindestücke auf ihre Plätze in den Mantel
gelegt, um dort festgestiftet zu werden, oft
mitten durch die Oberfläche der negativen
Form hindurch. Die Löcher, welche durch
die Stifte entstehen, sind auszubessern, Form
und Formenkern werden an der Luft getrocknet
, zusammengelegt, und das Metall
wird eingegossen.
Selbst wenn diese Arbeit mit der denkbar
allergrößten Geschicklichkeit ausgeführt
wird, bleibt doch nach geschehenem Guß sehr
viel Arbeit auf dem Metall übrig: das Zusammensetzen
der verschiedenen Teile des
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