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^s^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -<Ä^
hätte man doch auch auf das Hamburgische nicht
ganz vergessen sollen. So wie sie ist, ist Hamburgs
Sonderanteil an dieser Ausstellung rein äußerlich.
Die ganze Ausstellung könnte mit demselben Rechte
wie hier auch in jeder andren norddeutschen Stadt
aufgemacht sein weder stofflich noch in der
Ausführung ist etwas spezifisch Hamburgisches zu
verspüren: da ist nichts von den feinen alten
hamburgischen Architekturen, nichts vom Hafen,
nichts von den famosen Volkstypen, den »Seelöwen
« genannten Hafenarbeitern, den Ewerführern
u. s. w. u. s. w. Sogar das typische hamburgische
Bildnis fehlt. Doch für das Malerische im eigenen
Hause und in der eigenen Stadt haben unsere Hamburger
Maler, die jetzt an der Reihe sind, seltsamerweise
ja nie eine rechte Liebe gehabt, es zog
sie stets mehr zu dem, was »vor dem Tore war,
zur Elb- und Alsterlandschaft, in deren Abschilderung
sie durch Jahre nicht ermüdeten und für die sie
sich eine eigene, vorwiegend auf blau und grün
gestimmte Farbenskala zurechtgerieben hatten, die
stark auf die Pariser Neo-Impressionisten-Gruppe, als
ihre Ursprungsquelle, hinwies. Der Freude an der
heimatlichen Landschaft haben unsere Hamburger
Künstler auch diesmal Ausdruck gegeben, aber —
es ist dies eigentlich das einzig Neue, was von
unserer derzeitigen Ausstellung zu melden ist, —
mit dem Lavieren in dem franco-impressionistischen
Fahrwasser haben sie gebrochen. Und wie gefesteter
W. VON RÜMANN fec. (s. d. Abb. a. S. 319)
im Ton, so sind sie auch in der Zeichnung wieder
bestimmter geworden, und damit haben sie sich im
Grunde nur auf den Boden gestellt, der auch dem
in allem auf Bestimmtheit Wert legenden Niedersachsen
besser zusagt. Gruppenvertretungen fehlen
diesmal gänzlich, an deren Statt hat die Ausstellungskommission
einige Künstler zur Veranstaltung
von Kollektiv-Ausstellungen eingeladen und
auch sonst dafür gesorgt, daß Namen, deren Träger
auf die individuelle Ausbildung der künstlerischen
Tendenzen ihrer Zeit nicht ohne starken Einfluß
gewesen sind, in Werken von entsprechendem Gehalt
nicht fehlen. Der Ausstellungskatalog verzeichnet
928 Nummern, wovon 661 auf Malerei und
Plastik entfallen, die sich auf 220 Künstler verteilen
. Dauer der Ausstellung bis 30. April, h. e. w.
UANNOVER. Die einundsiebzigste Ausstellung
* * des Kunstvereins für Hannover ist am 24. Februar
eröffnet worden. Die Räumlichkeiten im ersten Stock
des Künstlerhauses an der Sophienstraße, siebzehn
Säle mit Ober- und Seitenlicht, die im vorigen Jahre
erweitert und neu dekoriert waren, haben auch in
diesem Jahre wieder durch Umbau und Hinzufügung
eines Restaurants und anderer notwendiger Räume
wesentliche Verbesserungen erfahren. Die Beschickung
seitens einheimischer, deutscher und fremder
Künstler ist auch heuer wieder sehr reichlich
ausgefallen. Der Katalog wies schon am Tage der
Eröffnung 1537 Kunstwerke auf, eine Zahl, zu der
die Nachträge des Verzeichnisses jedenfalls noch
eine Reihe von weiteren Nummern hinzufügen werden
. Die Ausstellung steht auch qualitativ auf der
Höhe. Neu ist hier eine in sechs Kabinetten vereinigte
große Aquarell-Ausstellung, zu der römische
und deutsche Künstler zu gleichen Teilen beigetragen
haben, unter ihnen ist auch A. von Menzel mit
zwölf Nummern vertreten. Von bekannten Namen
seien aus dem Kataloge nur die folgenden genannt
Böcklin (f), Leibl (f), von Lenbach, Fritz Aug.
von Kaulbach (mit neun Nummern), Oswald
Achenbach, Defregger, Diez, Firle, Grützner
, Stuck, Max, Löfftz, Brandt, Zügel, Max
Liebermann, Claus Meyer, M. Pietschmann etc.
Für den Ankauf von Kunstwerken zum Zwecke der
Verlosung stehen über 50000 Mk. zur Verfügung.
- Die Summen, die etatsmäßig für den Erwerb von
Gemälden und Skulpturen zur Bereicherung der
hiesigen Museen verwandt werden, haben in diesem
Jahre eine erhebliche Erhöhung durch einen Fond
erfahren, der auf Veranlassung des Stadtdirektors
Tramm von hiesigen Kunstfreunden für Kunstzwecke
auf längere Zeit hinaus gezeichnet ist. Wenn sich
die private Kauflust auch nur annähernd auf der
Höhe des Vorjahres erhält, wo sie füretwa 80000 Mk.
Kunstwerke aus den Markte nahm, so wird auch
die heurige Ausstellung des hannoverschen Kunstvereins
wieder neben ihrem ideellen Segen einen
reichen materiellen Gewinn für die Befruchtung der
Kunst und des künstlerischen Strebens zeitigen. Auf
das abgelaufene Geschäftsjahr konnte der Verein, wie
der in der letzten Generalversammlung vom Sekretär,
Buchhändler Th. Schulze, erstattete Bericht nachwies,
voller Befriedigung zurückblicken. Die siebzigste
Jahresausstellung 1902 hat sich dem glänzenden und
großen Rahmen, der ihr in den neuen Räumen
des Kunstvereins ward, gleichwertig präsentiert und
ihrer künstlerischen Rangstellung entsprechende pekuniäre
Resultate gezeitigt. Von den neunhundert
ausgestellten Kunstwerken sind 255 Gemälde und
Skulpturen für 137 980 M. verkauft, davon 68 Kunstwerke
im Betrage von 78920 M. an Private; für
Rechnung des Vereins sind 187 erworben, von denen
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