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~^55>DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION<^=^
Mitteln, die scharfe Couleur zu überbieten;
das Resultat kann nicht zweifelhaft sein:
man gelangt wieder zu jener Ausstellungsund
Effektmalerei, deren Ueberwindung einst
— lang ist es her! ja gerade die Gründung
der Münchener Secession in erster
Linie gegolten hat. Was würde der Gründer
des ersten Secessionsgebäudes, des unvergeßlichen
, bescheidenen Barackenbaus an der
Prinzregentenstraße, was würde der vornehme
Piglhein zu dem neuen Prunk in dem stolzen
Tempel am Königsplatz sagen!
Wir glaubten auf diese Frage eingehen zu
müssen, da sie von Bedeutung ist, keineswegs
nur für die kritische Beurteilung der
ausgestellten Bilder, sondern wegen ihrer
symptomatischen Wichtigkeit für die Anschauungen
der Münchener Secession über
das Bild als raumschmückendes Element. Hat
die Secession schon durch ihre auffallend ablehnende
Haltung dem modernen Münchener
Kunstgewerbe gegenüber ein geringes Interesse
für den Fortschritt auf diesem Gebiete
gezeigt, so grenzt die Gleichgültigkeit, mit
der diese Maler der neuzeitlichen Raumausgestaltung
gegenüberstehen, an Fahrlässig-
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