Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 324
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-3-s^>DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION <öss=^

keit, ein Verhalten, das sich zweifellos früher
oder später rächen wird. Es liegt doch auf
der Hand, daß Kunstwerke, die auf bordeauxrote
oder smaragdgrüne Damasttapeten mit
Hoch-Renaissancemustern passen oder gar
eigens dafür gefertigt sind, innerhalb der
diskreten Farbenharmonie einer modern licht
und leicht gehaltenen Raumeinrichtung deplaziert
wären. So entsteht die etwas naiv
klingende, aber berechtigte Frage: zu welchem
Zweck werden Bilder überhaupt gemalt? Nur
für die Ausstellung oder das Atelier?
Nein, gewiß nicht, sondern: ,,der Raum soll
sich dem Kunstwerk unterordnen". Das heißt
auf deutsch: wir Maler malen die Bilder, ihr
kauft sie und habt ihr kein Haus, in das sie
passen, so baut euch ein neues. Diesen alten,
aus Makarts Tagen stammenden, höchst verhängnisvollen
Irrtum kann man in München
noch heute hören! Wie falsch und ungesund
ein solcher Subjektivismus ist, braucht
jetzt nicht mehr erörtert zu werden; der
Zwiespalt zwischen Publikum und Künstler,
der durch Schlagwörter wie l'art pour l'art
ohnehin unnötig erweitert wurde, wird durch
solche Anschauungen nicht verringert. Eine
Kunst mit derartigen Programmen verliert,
so modern sie sich gebärden mag, den Zusammenhang
mit ihrer Zeit und gerät unfehlbar
in einen circulus vitiosus von der Art,
wie er eben angedeutet wurde.

Mit diesen Ausführungen soll indes nicht
gesagt werden, daß auf der gegenwärtigen
Ausstellung an Bildern von schmückender
Wirkung im modernen Sinne Mangel wäre.
Nein, es ist nur Tatsache, daß sie in diesem,
ihrem besten Teil dort nicht zur Geltung
kommen. Daran ist aber weniger die Wand,
als die absonderlichen Prinzipien der Hängekommission
schuld. Früher galt es bei der
Secession als oberstes Gesetz, jedem Kunstwerk
als Einzelwesen Dasein zu verschaffen.
Die Figuren mußten einem ,,entgegenspringen
", die Landschaften sollten die berühmten
,,Löcher in die Wand reißen". Das
ging so weit, daß ein bekannter, etwas kurzsichtiger
Professor der Aesthetik den Blick
durch eine offen stehende Nottüre für das
beste Bild auf der ganzen Ausstellung erklärt
haben soll. Man sorgte für stark wirkende
Goldrahmen und erhöhte den isolierten Eindruck
noch dadurch, daß man dem Bilde den
schwarzen Schutzrahmen beließ.

Die Zeiten sind vorüber. Jetzt spricht
man nicht mehr von dem Bild, sondern von
der Wand. Der harmonisierte Gesamteindruck

EMANUEL HEGENBARTH PFERDE IN HALBSONNE

Frühjahr-Ausstellung der Münchener Secession

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