Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 328
(PDF, 173 MB)
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-^5>DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION

Aufbau abziehende Wetterwolken !

packend, man möchte sagen dramatisch wirkendes
Stück. Von bemerkenswerten Landschaftsstücken
nennen wir hier ferner die
kräftigen Skizzen von F. v. Koch, eine hübsche
Abendstimmung von L. v. Senger und mehrere
vornehme Pastellarbeiten von Lucy Pelling-
Hall. Wieder heller, freundlicher und wahrer
arbeitet Richard Kaiser (Abb. s. S. 328 u. 329).
In seinen großen Prospekten bisweilen ein
wenig vedutenhaft, wirkt er um so überzeugender
in seinen intimeren Studien, wie
in dem prächtigen Kornfeld in Gewitterstimmung
oder in der farbenfrischen Vorfrühlingslandschaft
. Unmittelbarer noch stellt Meyer-
Basel den Natureindruck heraus, so in dem
ebenso wahren wie sympathischen Fernblick
über den Pilsensee oder in dem nicht minder
überzeugenden Frühlingsbild (s. S. 330). Wenig
beachtet in ihrer schlichten Anspruchslosigkeit,
die jedem theatralischen Effekt in weitem Bogen
aus dem Wege geht, bleiben die Landschaften
von W. L. Lehmann. Eine tiefe und reine
Abendstimmung an der bretonischen Küste,
sowie ein sommerliches Mittelgebirgstal in
der goldenen Erntefülle zeigen den ausgezeichneten
Landschafter in seiner an keine
Scholle gebundene Eigenart.

Diesen tief eindringenden und nuancenreichen
Schilderungen steht die auf große
Stimmungswerte ausgehende Kunst eines Max.
von Hagen in weitem Abstand gegenüber.
Ein Winterabend mit lohendem Sonnenuntergang
und eine öde Schneelandschaft von der

Hand desselben Künstlers (Abb. s. S. 337)
dürfen in ihrer Art zum bedeutendsten auf
dieser Ausstellung gerechnet werden.

Einen schönen Erfolg innerhalb dieser impressionistischen
Umgebung verzeichnet Hermann
Frobenius mit einer poetisch konzipierten
, wohl frei komponierten Berglandschaft,
die eine sehr wirkungsvolle Mischung von
Haiderschem Naturgefühl und Böcklinscher
Romantik darstellt. Ein auf tieftoniges Kolorit
eingestelltes Farbenempfinden verbindet sich
hier mit einer bedeutenden linearen Gestaltungskraft
zu einem räumlich klar begrenzten
abgeschlossenen Ganzen (Abb. s. S. 327).

Sehr eigentümlich, ja befremdlich tritt Fr.
Hell (Fügen) mit einer Reihe von phantastisch
gehaltenen Berg- und Schluchtenbildern
auf. Die Kraft, mit der hier die Massen
kompakt gegeneinander gesetzt sind, ist bemerkenswert
; leider stört die unwahr schillernde
Farbe, mit der da Feld und Erde gleichsam
inkrustiert erscheint.

Im Gegensatz hierzu legt R. Pietzsch
(s.S. 325) seine nach wie vor ein wenig äußerlich
-dekorativ gehaltenen Landschaften in
wenigen Tönen an und erzielt im kleineren
Format schöne Erfolge damit; in größeren
Stücken, die er auch diesmal wieder bringt,
haftet seiner Manier noch immer etwas
Flüchtig-Unfertiges an.

Hayek, der mit einer Reihe tüchtiger, frei
und flott gemalter Studien aus Dorf und Moos
der Dachauer Gegend wieder vortrefflich vertreten
ist (s. S. 322), leitet zur Zügelgruppe

hinüber. Als Landschafter
tritt in diesem
Kreise ferner Behrendt
mit einem „Märztag
" betitelten Schneestück
von unverkennbar
Zügelscher Technik
hervor, ein temperamentvoll
gemaltes Stück
Natur (Abb. s. S. 336).
Weniger überzeugend
wirkt eine Dorfstraße

VOn SCHRAMM-ZlTTAU.

der, was auch sein
gleichzeitig ausgestelltes
Geflügelstück „Hühner
im Schatten" erkennen
läßt, die Art des
Meisters ein wenig veräußerlicht
. Eine durch
unablässige Vertiefung
in den Gegenstand erreichte
Verfeinerung
dagegen läßt in stei-

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