http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0378
-sr4^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
MÜNCHEN. Aus Anlaß des diesjährigen Geburtsfestes
wurden von S. K. Hoheit dem Prinzregenten
mit dem Titel eines Kgl. Professors ausgezeichnet
die Maler Hermann Hartwich und Julius Adam,
den Verdienstorden vom hl. Michael 4. Klasse empfing
der Maler Prof. Christian Mali. — Nachfolger
des Freiherrn von Podewils, der zum Minister
des Kgl. Hauses und des Aeußeren ernannt wurde,
ist Staatsrat Dr. Anton von Wehner geworden.
Dem neuen Kultusminister darf ein warmes Interesse
für die Kunst nachgerühmt werden, das in
deren amtlicher Pflege zu betätigen er schon jahrelang
als Dezernent für Kunst im Bayer. Ministerium
für Kultus- und Schulangelegenheiten Gelegenheit
hatte. Das Kunstreferat hat jetzt Regierungsrat
Freiherr von der Heydte übernommen. — Fritz
von Uhde hat sich erboten, das Altarbild für die
im Bau begriffene Zwickauer Lutherkirche, für das
15000 M. aufgewendet werden sollen, zu malen.
Der Künstler hat bekanntlich einen Teil seiner
Jugendzeit in Zwickau verlebt. — Mit der Leitung
des Kostüm- und Requisitenwesens am Kgl. Hof-
und Nationaltheater ist als Nachfolger des in den
Ruhestand getretenen Prof. Joseph Flüggen der
Maler Hermann Buschbeck betraut worden.
"DERLIN. Der Landschaftsmaler Prof. Paul
Flickel ist am 18. März in Nervi gestorben.
Am 8. April 1852 in Berlin geboren, bildete sich
der jetzt Verstorbene auf der Kunstschule in Weimar
unter Th. Hagen, arbeitete 1874 — 1875 in Düsseldorf
selbständig und ließ sich alsdann nach Studienreisen
durch Deutschland, Oesterreich, Italien in
Berlin nieder. Seine älteren Bilder, in flotter Mal-
paul flickel
(t 18. März)
HERM. VOLZ BILDNISBÜSTE DES f BAD.
STAATSMINISTERS Dr. w. NOKK
weise, stellen italienische
Landschaften, mit
Vorliebe in ungebrochenen
Lokalfarben, dar;
späterhin hat der deutsche
Laubwald den
Künstler gefesselt (ein
schönes Werk dieser
Art bewahrt die Nationalgalerie
in dem 1886
mit der Medaille ausgezeichneten
> Buchenwald
bei Prerow<, Abb.
»K. f. A.s II. Jahrg.,
Heft 19), wie überhaupt
Flickel sich mit Eifer
und trefflichem Können
der heimischen Landschaft
zuwandte, seine
Motive im Harz, in der
Mark, auf Rügen, im
Holsteinischen u. s. w.
suchend. 1892 ward der
Künstler zum ordentlichen
Mitglied der Akademie erwählt, 1894 durch
die Verleihung des Professortitels ausgezeichnet.
Von Flickeis Schöpfungen, aus denen ein gründliches
Naturstudium spricht und die sich durch
tonsichere Behandlung auszeichnen, brachte die
»K. f. A.« sonst noch eine »Waldeinsamkeit«
(VII.Jahrg., Heft 13) und einen »Waldteich« (IX. Jahrg.,
Heft 24).
T/'ARLSRUHE. Der kürzlich verstorbene badische
Staatsminister Dr. Wilhelm Nokk verdient es
wohl, auch an dieser Stelle rühmlichst genannt zu
werden, denn er war einer der sehr wenigen leitenden
deutschen Staatsmänner, denen das Verständnis
und die Pflege der Kunst wirkliche Herzenssache
war. Schon in seinen jüngeren Jahren war er während
eines längeren Aufenthaltes in Rom mit seinem
großen Landsmann Anselm Feuerbach in nähere
Berührung getreten und bewahrte dessen echter und
vornehmer Kunst auch stets die innigste Verehrung,
der er dadurch praktischen Ausdruck verlieh, daß
infolge seiner Initiative die Karlsruher Galerie die
größte und schönste Sammlung von Meisterwerken
Anselm Feuerbachs in sich vereinigt. Auch die so
glänzend verlaufene vorjährige große internationale
Karlsruher Kunstausstellung zur Feier des fünfzigjährigen
Regierungsjubiläums des Großherzogs von
Baden, deren Ehrenpräsident der Verstorbene war,
war allein seiner Anregung zu verdanken. Das
größte Verdienst um die deutsche Kunst erwarb
er sich aber durch sein energisches, erfolgreiches
Auftreten gegenüber den finstern Bestrebungen,
diese unter eine reaktionäre Polizeikontrolle zu
stellen, was dem vornehm denkenden, echt liberalen
Mann nie vergessen werden sollte. Nebenstehend
geben wir die von unserem einheimischen Meister
Prof. Herm. Volz geschaffene Bildnisbüste des
Verewigten, die auf der Jubiläums-Kunstausstellung
des Vorjahres mit ausgestellt war. q
F\RESDEN. Bei dem akademischen Wettbewerb
*^ wurde der große Preis, das jährlich 3000 M.
betragende Reisestipendium, auf zwei Jahre dem Bildhauer
Otto Petrenz aus Mittweida, einem Schüler
von Prof. Rob. Diez, zuerkannt; das in der großen
goldenen Medaille nebst einem Geldpreise von
500 M. bestehende Aequivalent des Reisestipendiums
erhielt der Bildhauer Friedrich Schwan
aus Zschackau, ein Schüler von Prof. Schilling.
338
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0378