http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0383
VON AUSSTELLUNGEN DENKMÄLER <3=s^-.
W1
hans bitterlich
(Zweiter Preis)
entwurf zum kaiser
denkmal in
in elisabeth
wien
Stoffe aus der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe und
der Kämpfe dort wider Napoleon. Wie die Besiegten
bleich heimwärts schleichen, gramvoll,
hoffnungslos, wie sie in der erbleichenden Nacht
die Türme des heimatlichen Dorfes erblicken, dies
ist gefühlt und gestimmt, dies ist schlicht und wahr
gestaltet. Auch sonst herrscht das didaktische
Motiv stark vor. Nur geht es meist ganz in Klein-
Malerei über. Den sogenannten »Anekdotischen
Bildern« — welche eigentlich von moderneren, dem
Zeitleben näherliegenden Vorwürfen verdrängt sind
— kann man im Künstlerhause häufig begegnen.
Sie überwiegen selbst die Landschaften, obwohl
August Schusser, Charlemont, Zoff, Tomec,
Darnaut wieder ihre alljährlichen Arbeiten gebracht
haben. Ribarz, der feine und stimmungswarme
Künstler, erfreut uns durch zwei Landschaftsbilder.
Ziemlich leer geht diesmal die Porträt-Malerei aus.
Lasälo, der Liebling der ungarischen Aristokratie,
hat* ein Bild des Kaisers und mehrere Porträts
aus der Gesellschaft gebracht. Doch ist der Eindruck
seines Gesamtwerks diesmal
kein günstiger. Nur Manier
, nur flotte äußerliche Mache
spricht aus diesen Werken. Glatt
und gefällig, aber ohne Kraft der
Individualisierung, vermissen wir
das Lebendige, das geistig Prägnante
an seinen Vorwürfen. Selbst
das Kolorit entbehrt jeder Stimmung
. Aehnliche Ausstellungen
müßten wir an den übrigen gar
zu sehr konventionellen Bildnissen
machen. Von Plastiken
interessieren die Gruppen des
schwedischen Bildhauers Sin-
ding: es ist ein denkender,
wissender, das Formale virtuos
beherrschender Plastiker, der zu
uns spricht. b. z.
MÜNCHEN. Die für 1904 ge-
iVA plante Kunstgewerbe - Ausstellung
findet nicht statt. In
der entscheidenden Generalversammlung
des bayer. Kunstgewerbevereins
haben sich drei
Viertel der abgegebenen Stirn- franz metzner
men gegen das Projekt erklärt. (Vierter Preis)
DENKMÄLER
IEN. Konkurrenz um das
Elisabeth-Denkmal. Wieder
ist, wie seinerzeit bei der Brahms-
Konkurrenz, das Resultat des
Preis-Ausschreibens kein erfreuliches
gewesen. Eine enorme Beteiligung
der Künstler ist zu verzeichnen
. Mehr als sechzig Projekte
wurden eingereicht. Aber
die Qualität der Leistungen war
mit geringen Ausnahmen eine
künstlerischen Anforderungen
nicht entsprechende. Die wenigen
Werke, welche einen gereiften
Eindruck wirklichen Könnens
machten, waren jedoch von der
Jury selbst so vielfach umstritten,
daß eine Einigung bezüglich der
Vergebung des ersten Preises
nicht erzielt wurde. Man versuchte
eine Kompromiß-Prämiierung
und erteilte nur einen zweiten Preis,
welchen Bildhauer Hans Bitterlich erhielt.
Eine Minorität in der Jury erzwang auch die
Prämiierung des Franz metzner'schen Projektes
(vierter Preis) —welches von der radikalen Künstlerschaft
, als einziges monumental gedachtes, individuell
starkes Werk bezeichnet wird. Den dritten
Preis empfing Hans Müller, den fünften Alex.
Jaray, den sechsten Georg Winkler. Es ist beinahe
gewiß, daß keines der prämiierten Projekte
zur Ausführung gelangen wird. Die Enttäuschung
über dieses Endergebnis war bei den Beteiligten
eine so große, daß der seltene Fall einer von
Künstlern arrangierten Protestversammlung eintrat
. Leider stand dieselbe nicht auf sehr ideellem
Niveau. Man erschöpfte sich in kleinlichen Erwägungen
; manwardarüber erbost, daß ein und derselbe
Künstler (Bitterlich) dreimal in kurzer Zeit prämiiert
wurde; man stritt sich über die Geld-
Aufteilung des ersten Preises herum, man widmete
dem Kapitel »Nicht eingebrachte Auslagen«
entwurf zum kaiserin elisabeth.
denkmal in wien
343
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0383