Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 358
(PDF, 173 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0402
«*-s^> AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS <&£^

zittern. Das Grün ist matt geworden. Die Felder
stehen leer, und blaugrau spiegelt der träge Fluß
den wolkenlosen Himmel. Diese Bilder sind 1901
gemalt, von einer bezaubernden Frische und Einfachheit
in der auf lauter Horizontalen gestellten Komposition
. Das außerordentlichste aber von den neuesten
Werken Monets ist ein Gartenbild: »Wasseriris<.
Die Ufer eines mit Schlick und Wasserpflanzen bedeckten
Weihers sind mit Iris bepflanzt, die ihre
violetten Blüten entfaltet haben. Ein Kiesweg führt
vorüber und zieht sich nach einem höher gelegenen
Teile des Gartens in den Hintergrund. Es ist die
heiße Mittagsstunde. In smaragdenem Grün leuchtet
die belaubte Wildnis. In unzähligen Farben
schillert der Ueberzug des Wasserspiegels. Dazwischen
tönt feierlich das Violett der Iris. Durch
die Wipfel der Bäume rieselt feurigrot die Sonnenglut
und rot wirft der gelbe Kiesweg den Mittagsbrand
zurück. Um die ungeheure Bewegung des
Lichtes, das von der farbigen Natur reflektiert wird,
noch sichtbarer zu machen, hat der Künstler fast
körperlos eine leichte, graublau gestrichene Brücke
über den Weiher gespannt, die ganz ruhig wirkt.
Man kann sich aus der Beschreibung kaum eine
Vorstellung machen von der unglaublichen Licht- und
Farbenfülle dieses Bildes. Monet selbst hat nie etwas
Kühneres gewagt. Und dabei ist ihm das Bild vollkommen
geglückt. Aber wie malt er auch! Vor solchem
Werke spürt man, daß große Kunst ihre eigenen
Gesetze hat. Kein Neoimpressionist weiß sich der
Komplementärfarben mit dieser überlegenen Sicherheit
zu bedienen. Hier sind breit gemalte Partien
neben keck getüpfelten. Monets Technik ist jenseits
aller Theorien. Der Künstler kennt nur
eine Richtschnur: den Zweck. Es^ ist sehr beliebt
, von dem Impressionismus zu sagen, er
bedeute die Verrohung der Malerei und sei die
Kunst der Aeußerlichkeit. In Wirklichkeit hat er
die Malerei verfeinert, indem er ihre Ausdrucksmöglichkeiten
vermehrte und sie um eine Fülle von
Nuancen bereicherte. Außerdem scheint es zum
mindesten fraglich, ob man einer Kunst gegenüber
von Veräußerlichung sprechen kann, die eine Aufgabe
darin sieht, die der Natur selbst eigentümliche
Poesie rein und unverfälscht wiederzugeben. Es
ist entschieden schwerer, diese Art Poesie zu empfinden
und darzustellen und durch sie zu wirken,
als von den poetischen Anwandlungen zu berichten,
die einer selbst vor der Natur hat. Und wenn man
vor Monets Schöpfungen auch meint, daß er die
Wirklichkeit möglichst so, wie sie ist, geschildert
habe — man wird die Persönlichkeit des Künstlers
doch in jedem seiner Werke wahrnehmen.
Sie muß jeden gefangennehmen, der Feinfühligkeit,
Geschmack und die höchste Achtung vor der Wirklichkeit
als künstlerische Tugenden zu schätzen
weiß. — Neben solchem genialen Künstler halten
sich wenig andre. Selbst bessere Werke von Lucien
Simon, wie der von einer trüben Lampe beleuchtete
»Bretonische TanzsaaU und eine »Landstraße
« mit Kirchengängern, sagen gar nichts. Cot-
tets Landschaften fallen direkt ab. Die deutschen
Maler sind freilich so ganz anders, daß sie sich
wieder behaupten. Am meisten Max Slevogt, der
als Temperament und Kolorist so stark ist. Außer
seinem prächtigen »Verlorenen Sohn« zeigt er einige
Kleinigkeiten, von denen eine Scene vor dem Cafe
Bauer — Nationaler Festtag, Balkon mit Fahnen,
Menschen, Lichteffekte — besonders gelungen ist.
Auch eine »japanische Theaterscene« zeigt alle Vor-

358


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0402