Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 371
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LEO SAMBERG ER

SELBSTBILDNIS

LEO SAMBERGER

Wer den Spuren der Meister in der Kunst
nachgeht, wird, bei aller Verschiedenheit
ihrer Art, der immer wiederkehrenden
Erscheinung begegnen, daß sie sich in ihren
Erstlingswerken offen und freimütig als zugehörig
zur Richtung irgend einer Schule
oder eines Meisters und abhängig von ihnen
bekannten.

So will es der natürliche Werdegang. Der
Unerfahrene soll auf die Erfahrenen hören,
der Unsichere dem Sicheren folgen, bis er
des Gefühles eigener Kraft sich bewußt wird,
die ihm gestattet, eigene Wege zu wandeln.

Man mißtraue von vornherein jenem Ge-
bahren der künstlerischen Jugend, wenn diese
sich von der ersten Stunde an ursprünglich und
frei von jeder Tradition geberden will. Das
Gegenteil des vorgespiegelten wird hier die
letzte Folge sein. Wer nicht in Abhängigkeit
anfangen will, wird in Abhängigkeit enden.

Leider sehen wir dieses Verleugnen der
künstlerischen Ueberlieferung, das viele unserer
besten Talente verdirbt oder auf uneinbringliche
Jahre hinaus unfruchtbar macht,
allerorts gefeiert und unterstützt. Die Kritik
nimmt sich in ausgedehntem Maße derer an,

die Wege wandeln, vor denen sie warnen sollte,
und vernachlässigt oder rügt sogar jene, die
einem Entwicklungsgange in der Kunst folgen,
der naturgemäß und zum Ziele führend ist.

Auch Leo Samberger wurde vielfach ein
Vorwurf daraus gemacht, daß er sich einen
Meister als Führer durch die Anfänge seiner
Kunst erwählt und zwischen Lenbach und
sich einen geistigen Zusammenhang herzustellen
bemüht hat, ähnlich dem von Lehrer
und Schüler.

Ein Lehrverhältnis der Form nach hat die
beiden Künstler nie verbunden. Tatsache ist,
daß Samberger, der an der Akademie keinen
Meister fand, an den er sich hätte mit Hingebung
anschließen können, den großen Interpreten
der alten Kunst zum Führer erwählte.
Ohne mit Lenbach persönlich in Verbindung
zu treten, bildete er sich an dessen hochentwickelter
Technik zum Künstler heran und
lernte durch sie allmählich seine Auffassung
und Naturanschauung zum Ausdrucke zu
bringen.

Jahre sind seitdem verflossen, und Samberger
ist ein selbständig schaffender Künstler
von stark ausgesprochener Eigenart geworden.

Die Kunst für Alle XVIII. 16. 15. Mai 1903.

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