Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 384
(PDF, 173 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0432
AUGUST SCHAEFFER -Cö^~

eines Hochdreißigers etwa, so ist August
Schaeffer.

Er ist ein echtes Wiener Kind, einer vom
Wiener Kunstleibregiment von den lieben,
tapferen „Edelknaben" der Kunst. In der
heutigen Gumperdorferstraße, im Hause „zu
den beiden Meerfräulein", hat Schaeffer als
Sohn eines Arztes am 30. April 1833 das Licht
der Wiener Welt erblickt. Natürlich sollte
er beruflich dem Vater nachgeraten, aber als
Knabe hatte er seinen berühmten Großonkel
Peter Fendi oft und oft an der Staffelei gesehen
und aus der Atelierluft die Sehnsucht
nach der Kunst in sich aufgenommen. Glücklicherweise
fanden sich die Eltern mit dem
unwiderstehlich hervorbrechenden Berufsdrang
ihres Sohnes ab, und dieser Einsicht
verdankt Wien einen seiner größten Maler.
Wir übergehen die erste Studienzeit Schaeffers
an der Akademie und finden ihn in der Steinfeld
-Schule, 1854, zwei Jahre vor deren Zerfall
. Der Landschaftsmeister Franz Steinfeld
hatte in den letzten Zeiten manchen Strauß
mit seinen Schülern auszufechten. Gegenüber
der Bewegung von außen, welche den jungen
Leuten stürmisch ins Blut ging, am Veraltenden
festhaltend, vermochte Steinfeld dafür
um so weniger seine Schüler festzuhalten. Mit
1856 verließ Schaeffer, der mittlerweile den
Kaiserpreis davongetragen hatte, die Schule.
Die meisten folgten seinem Beispiele: v. Lichtenfels
, Vöscher, Jäger, Schmidt, die hervorragendsten
. Der Erstgenannte trat im verflossenen
Jahre, reich an Ehren, in den Ruhestand
, Vöscher, ein Calame-Begeisterter, ging
nach München, Jäger, ein eminentes Talent,
ward der Kunst durch den Tod, Schmidt durch
Wahnsinn entrissen.

Schaeffer, poetisch veranlagt, hatte Lessing,
den deutschen Landschaftspoeten, vor Augen.
Damit hatte er, aus mancher Zwiespältigkeit
heraus, seinen Weg gefunden. Er wurde der
Wiener Landschaftspoet. Sein sicherer Blick
erfaßte sofort das Neue. Alsbald hatte er
sich jener neuen Technik bemächtigt, welche
der greise Steinfeld in seinem Unmut das
„Mauern" zu nennen pflegte. So hat Schaeffer
eigentlich als Secessionist begonnen, in Wien
ein Neubekenner, über ein Menschenalter, bevor
die Ver Sacrum-Flagge aufgesteckt wurde.
Studienreisen von Venedig bis Helgoland, von
Ungarn bis ins bayerische Hochgebirg, schärften
sein Auge, stärkten sein Können. So fand
bereits 1858 ein großes Waldbild aus den
Karpathen im Kunstverein einen willigen
Käufer, und errang ein Strandbild von der
Nordsee in Straßburg die Silberne. Die Zeiten
waren mager, mittellose Künstler hielten sich

durch Malstunden und graphische Gelegenheitsarbeiten
über Wasser, viele versanken,
während Schaeffer schon festen Boden unter
den Füßen hatte und bereits auf dem Bildermarkte
notiert wurde. Im Jahre 1862 heiratete
er die Hofopernsängerin Hoffmann. Es
war eine glückliche Künstlerehe mitzwei prächtigen
Kindern gesegnet, des Gatten Schaffenskraft
befeuernd. Eine lange Reihe von Bildern
gingen aus Schaeffers Atelier in die Welt
hinaus, Waldlandschaften aus dem Wiener
Wald und Ungarn, Motive aus Oberbayern,
Tirol, von den Gebirgsseen. Eine Rhein- und
Taunusreise brachte neuen Fortschritt, dann
folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in Salzburg.

Hervorragend verdienstlichen, werktätigen
Anteil nahm Schaeffer an der Gründung des
Künstlerhauses, wo er später in den achtziger
Jahren als Vorstand walten sollte. Er
gehört heute zu den wenigen noch Vollschaffenden
, die schon damals auf der dritten
„Großen deutschen Kunstausstellung", anläßlich
der Eröffnung des Künstlerhauses 1868,
hervortraten. Als neun Jahre später die
Akademie ihre Jubelausstellung veranstaltete,
stand unser Künstler wieder in erster Reihe.
Zwei Jahre vorher war eines seiner vollwertigsten
Bilder entstanden: „Auf dem
Heimweg von der 1873 er Weltausstellung",
welches alsbald Belvederebesitz wurde. Ein
vertiefteres, strengeres Naturstudium, ein so
vollständiges malerisches Aufgehen im Motiv,
welche Schaeffer befähigten, der Skizze, der
Studie fast entraten zu können, ward und
blieb von nun ab seinen Schöpfungen eigen.
Im selben Jahre 1875 entstand das vom
Oberst-Kämmereramt herausgegebene Heliogravüren
-Prachtwerk vom k. k. Tiergarten bei
Wien, zwölf Federzeichnungen Schaeffers mit
Tierstaffage von Pausinger. Kamen dann die
Laxenburger Radierungen Schaeffers und eine
ganze Folge von Stimmungsbildern, bis in
die achtziger Jahre hinein, wo dann eine
fast siebenjährige Pause eintrat — eine Kraftsammlung
, als deren schöne Frucht das
1889 gemalte Prachtbild „Ein Märztag im
Wiener Wald" zu betrachten ist. Aus der
kaum aufzählbaren Menge seiner Bilder
möchte ich noch einige hervorheben. Da
ist der große rauschende Eichenwald, den
die Akademie besitzt, dann einen „Mondaufgang
bei Novemberdämmerung" ; fahl und
frostig kommt die Mondscheibe herauf, kaum
daß ihr kümmerlicher Strahl die feuchtschwere
Dämmerung in Dunst aufzulösen
vermag; „Gewitterstimmung", „Föhrenwäldchen
am Fluße" und der „St. Gilgnersee
v. d. Lueg aus gesehen" gehören dem Kaiser,

384


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0432