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-sr^> AUGUST SCHAEFFER <öss^
der „Wolfgangsee bei vorüberziehendem Gewitter
" und der „Salzburger St. Petersfriedhof
" waren im Besitz der verstorbenen
Kaiserin, ein Altausseer Motiv besitzt die
Erzherzogin Gisela. Eine Buchenwaldpartie
bei Purkersdorf leuchtet in üppigem Frühsommergrün
bei feuchtem Morgen, bei einem
Helgoländer Küstenbild ist mir die ausgezeichnete
Perspektive in Erinnerung. Für
das naturhistorische Museum hat Schaeffer
sechs große Wandgemälde geschaffen und für
das Parlament mehrere Entwürfe.
Mittlerweile war mit Beginn 1881 unser
Künstler, welcher ein Dezennium an der Kunstakademie
zuerst als Skriptor, dann als Kustos
gewirkt, als Kustos und Direktorstellvertreter
der kaiserlichen Belvedere-Galerie in den
Hofdienst getreten. Nach dem Tode Engerths
zum Direktor ernannt wurde Schaeffer zu der
schwierigen Aufgabe der Umstellung der inzwischen
in Hasenauers Kunstpalast übersiedelten
Belvedere-Galerie berufen. Diese
Neuordnung war unausweichlich geworden,
sollte dem Besucher der durch die Engerth-
schen Mißgriffe geschmälerte Genuß einer
Reihe von ersten Kunstwerken unverkümmert
geboten werden. Schaeffer, der feine Kunst-
empfinder und -Gelehrte, löste die Aufgabe in
so glänzender Weise, daß man vom Mai 1894,
wo die Neuaufstellung vollendet war, einen
neuen Abschnitt in der Geschichte der kaiserlichen
Galerie datieren kann. Erst seit jenem
Tage in der Tat ist uns dieser unvergleichliche
Bilderschatz wahrhaft erschlossen worden
. Und inmitten dieser aufreibenden
Tätigkeit reifte die Kunst Schaeffers zu
Werken, wie sie uns zwei Jahre später,
1896, zur freudigsten Ueberraschung aller
beschert werden sollten. Wir reproduzieren
einige der hervorragendsten, welche unserem
Landschaftsmeister zu höherer Ehre gereichen
als Orden und Ehrungen, die ihm
als einem der Hingehendsten an Kunst und
Pflicht so ^reich verdient zuteil geworden.
Vorwiegend sind's Motive aus dem Wiener
Walde, dem kaum je ein Maler seine intimsten
Reize und Stimmungen so glücklich
abgelauscht hat, wie August Schaeffer, der
malende Poet der Waldseele. Die prachtvollen
, saftigen Eichen- und Buchenwaldpartien
unseres Meisters sind allbekannt
und reproduziert, sie^geben seinem früheren
Schaffen das Gepräge, diese duftigen Frühlingsmotive
aus seinen letzten Jahren sind
entzückende Neukunst. Den feinfühligen
Koloristen erkennen wir sofort selbst im
Schwarzbild, da fehlt, man empfindet es,
kein Ton in der leise klingenden Skala.
Und dabei diese Formbeherrschung, dieses
sichere zeichnerische Detailgefühl und doch
diese einheitlich starke Gesamtwirkung!
Es liegt eine köstliche Frische, ein unbeschreiblicher
Duft auf diesen wie im Frühlingssafte
erschauernden Baumgruppen, mit
ihrem zart durchbrochenen Geäst, das Luft
und Licht durchwittern. Welch kraftvoller Anschlag
dagegen der Fichtenwald im Novemberschnee
! Den Wolfgangsee hat Schaeffer wiederholt
gemalt; hier überrascht die Spiegelung
im Wellenflimmer. Ich halte inne! Glückauf
glücklicher Siebziger! Hätten wir nur
ein Halbdutzend solcher in der neuen Kunst
Verjüngter, wie du, wir könnten von einem
vor allen Tagesströmungen und -Spaltungen
sicheren Wiener Kunsterbe sprechen.
PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
lyiÜNCHEN. Der Bildhauer Ignatius Taschner
wurde als Lehrer an die Kunstgewerbeschule in
Breslau berufen. — Am
12. April ist in Bozen
der Bildhauer Professor
Syrius Eberle, Lehrer
an der hiesigen Akademie
der bildenden
Künste, gestorben. Geboren
1844 zu Pfronten
im Algäu, erhielt Eberle
seine künstlerische
Ausbildung bei Widn-
mann in München,
machte sich frühzeitig
einen Namen durch
verschiedene kirchliche
Figuren, die er auftragsweise
für Brasilien und
Peru schuf, und festigte
seinen Ruf bald darauf
durch ein glücklich
komponiertes Kriegerdenkmal
für Kempten.
König Ludwig II. bedachte den Künstler mit
mancherlei dekorativen Aufträgen. Als Nachfolger
Knabls übernahm Eberle im Beginn der achtziger
Jahre eine Professur an der Münchener Akademie
. Von der schlichten und ehrlichen Kunst
des Verewigten zeugen das Gabelsberger-Denkmal
in München, das die Gedankenarbeit der beiden
Forscher so ehrfurchtgebietend verkörpernde Denkmal
der Brüder Grimm in Hanau (Abb. »K. f. A.«
XII. Jahrg. H. 3) sowie die beiden großzügig modellierten
allegorischen Gestalten des Handels und der
Floßfahrt an den westlichen Pylonen der Ludwigsbrücke
in München. In dem letzten Jahre beschäftigte
den Künstler das ihm aus einer Konkurrenz
heraus übertragene Kaiser Wilhelm-Denkmal für
Nürnberg, das Eberle in dem lebensgroßen HilfsModell
fertig hinterläßt, und das somit in seinem
Sinne vollendet werden kann. Von den gelegentlichen
sonstigen Schöpfungen Eberles sei ein
SYRIUS EBERLE
(f am 12. April)
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