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-*-^> BERLINER SECESSION
Mond verbergenden Wolken versinnbildlichen
will? Es gibt nur einen Rodin, und ihn darf
man mit vollem Recht „unseren Michelangelo
" nennen. Es gibt aber auch nur einen
Manet. Man findet hier seinen berühmten
„Spargel", der einst Charles Ephrussi gehörte
und im Impressionistensaale der Pariser
Centennale eines der bewundertsten Stücke
war. Diese so schlicht und selbstverständlich
wirkende Malerei, die so hell und so
farbenreich, so einfach und so unglaublich
nuanciert ist, muß jeden erstaunen machen,
der nur ein wenig Gefühl für Kunst hat.
Und dabei welche außerordentliche Sachlichkeit
! Diese imponiert immer bei Manet, ob
man hier das „Landhaus in Rueil" anschaut
mit seiner gelben Fassade und dem Gärtchen
davor im Sonnenschein, das wegen der breiteren
Malerei wohl doch der ebenfalls hier
vorhandenen berühmten „Gartenbank" (Abb.
s. S. 404) in dem durchsonnten, von blühenden
Geranien und Georginen durchglühten Garten
vorzuziehen ist, oder das „Fliederbouquet"
in dem herrlich gemalten Glase oder die
„Dampferanlegestelle" mit den so
einfach gegebenen und so natürlich
sich bewegenden Menschen,
mit der prächtig beobachteten Luft.
Die Saalwand mit diesen fünf Ma-
nets repräsentiert das künstlerische
Gewissen der Ausstellung.
Leibl, der dritte große Tote unter
den Ausstellern, ist durch zwei
äußerst interessante Werke vertreten
, durch das kleine Freilichtporträt
eines „Veterinärarztes" in
schwarzer Joppe, der vor einer
grauen Hauswand auf einem Apfelschimmel
sitzt, nicht ganz vollendet
, aber berückend als Geschmacksausdruck
und als weiche
tonschöne Malerei, und durch
das Bildnis eines schwarzbärtigen
Mannes von vornehmem Aussehen,
das den Einfluß von Franz Hals
deutlich erkennen läßt.
Leibis Reiter ist nicht der einzige
in der Ausstellung. Auch
Max Slevogt hat einen gemalt
und seinen frappierenden und vorzüglichen
Schöpfungen eine neue
und außerordentliche damit hinzugefügt
. Es ist das Porträt eines
jungen, schlanken, württembergischen
Dragoneroffiziers, der auf
einem Spazierritt über Felder seinen
grauen Araberschimmel auf
einem niedrigen Abhang pariert
(Abb. s. S. 398). Ganz köstlich steht das Blau
der Uniform zu der grauen Luft. Die niedrige
Lage des Horizonts läßt Roß und Reiter als
stolze Silhouette in der schönen weiten Landschaft
wirken. Die koloristische Begabung
und das malerische Vermögen Slevogts offenbaren
sich auch darin, wie das graue Pferd
zu der grauen Luft in Gegensatz gebracht ist.
Daß das Pferd nicht durchsichtig wirkt, ist ein
Wunder. Man kommt nicht in Versuchung,
Trübner's schönes Reiterporträt (Abb. untenstehend
) mit dem Slevogts zu vergleichen. Die
künstlerische Absicht ist durchaus verschieden
und auch der Ausdruck. Trübners Reiter
in sandfarbenem Anzug auf einem rotbraunen
Pferd unter grünen Bäumen, der Reiter ein
wenig beschattet, der Gaul in voller Sonne,
stellt ungefähr das Stärkste an Farbe und
großer breiter Malerei vor, was man sich
denken kann. So hat noch niemand gemalt.
Ein komplettes Meisterstück, der Schlußstein
jener Versuche, die man im vergangenen
Jahre hier und in München sah. In Düsseldorf
kam dieses kostbare Werk seinerzeit gar
WILHELM TRUBNER
REITERBILDNIS
Ausstellung der Berliner Secession
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