Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 410
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0460
-sr-s^)- VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -C^=^

sunde Entwicklung in unseren Tagen geworden ist.
In drei Oberlichtsälen, die mit blauer, grüner
und brauner Jute bespannt sind, in drei Räumen
mit Seitenlicht hat der Anhaltische Kunstverein
zur Weihe der Kunsthalle eine Ausstellung veranstaltet
, die Bilder, Plastiken, Graphik, Zeichnungen
, Schmuck, Keramik, Stickereien und Zimmereinrichtungen
umfaßt. Bei letzteren zeigt sich
Dessauer Handwerkerkraft, die unter der Leitung
von Albin Müller in Magdeburg sehr Gutes geleistet
hat. Durch Einladungen und persönliche
Beziehungen des herzoglichen Kunstwarts ist es
gelungen, eine Ausstellung von Bildwerken zustande
zu bringen, die sich sehen lassen kann. Wenn sie
auch für den Kunstmarkt, für die Kunstzentren
nichts Neues bringt, so ist es immerhin ein Ereignis,
daß sie an einem kleineren Orte so entstehen konnte.
Sie weist nichts Inferiores auf. Sie zeigt vier Böck-
lins, sechs Thomas, fünf Werke von Ludwig von Hofmann
, ferner sind von Gebhardt, Uhde, Liebermann,
Leibi, Sperl, Menzel, Skarbina, Bracht, Paczka, Bantzer,
Bürgel, Hans von Volkmann, Klinger, Harrison,
Fowler, Paterson, Wenglein, Graf Kalckreuth, Carlos
Grethe, Brangwyn, Kühl, Keller, Keller-Reutlingen,
Segantini, um wahllos Namen herauszugreifen,
Bilder vorhanden, die ihre Urheber würdig vertreten.
Die Reichhaltigkeit, die die Ausstellung vielgestaltig
macht und keine Geschmacksrichtung ausschließt,
verdankt man dem Entgegenkommen der Künstler und
der hervorragenden Anteilnahme von Privatsammlern.
Im anhaltischen Land blüht gerade der Frühling
in tausendfacher Form und gibt zu Hoffnungen
tausendfachen Raum. Auch in der Kunst blüht
hier alles, die Arbeit der Gärtner, die ununterbrochen
und freudig seit Monaten gearbeitet haben,

KONRAD VON KARDORFF « « BILDNIS DES

(Berliner Secession) GRAFEN MOLTKE

zeitigt frohe Hoffnungen. Man sieht mit Zuversicht
der Zukunft entgegen in Dingen der Kunstpflege
, umsomehr als am Tage vor der Einweihung
der Kunsthalle der Stadt eine hochsinnige Stiftung
von 200000 M. gemacht wurde. Aus ihren Erträgnissen
wird ein Kuratorium die Kunst zu pflegen
sich bemühen, indem es Kunstwerke kauft. Nicht
aber sollen sie dann in ein Museum wandern, sondern
die Räume des Rathauses, der Schulen und andrer
öffentlicher Gebäude schmücken, den Menschen
eine Augenweide sein und Genuß verschaffen.
Ohne Kunst kann man nicht leben. Das Goethe-
Wort ist die Losung, unter der man in Dessau die
Kunsthalle gebaut hat. Unter ihr arbeitet der Kunstverein
. Sie ist es, die Gewißheit gibt, daß man
zu dem hohen Ziele, das man sich gesteckt hat,
gelangen wird. Sie verleiht Freudigkeit und Glücksgefühl
, hilft über Schwierigkeiten hinweg. Man
kann sich an anderen Orten an dem Dessauer Zustand
ein Beispiel nehmen. Wir sehen hier ein
gutes Stück Kulturarbeit getan. Fritz Ostermayer

OERLIN. Im Künstlerhause ist die Sammlung
menzel'scher Zeichnungen zu sehen, die der
Künstler für eine Vorführung seiner Arbeiten in
England zusammengestellt hat. Menzel hat tief in
seine verborgensten Mappen hineingegriffen. Es finden
sich Zeichnungen hier vor, die aus den Jahren 1835
und 1838 stammen; gleichzeitig aber auch solche, die
aus den letzten Apriltagen 1903 datiert sind. So
schöne Leistungen sich darunter finden, soviel durch
diese für Menzels sicheres Naturstudium, für seine
ungeheure Arbeitslust und -kraft bezeugt wird —
als ganzes empfiehlt die Kollektion Menzel den Engländern
nicht, jedenfalls werden sie keine sehr richtige
Vorstellung von seiner Bedeutung gewinnen,
und von dem, worin er sich von allen Künstlern
der Welt unterscheidet. Uebungen des Auges und
der Hand ergeben nicht stets Kunstwerke, und photographische
Treue der Natur gegenüber kann nicht
immer als Ausdruck künstlerischer Absichten gelten.
Es fehlen die Häuser, die Menzel mit diesem Baumaterial
errichtet hat, die Bilder und zeichnerischen
Entwürfe, die den Zweck dieser mühsamen Studien
dartun. Der übrige Inhalt der Künstlerhaus-Ausstellung
verdient keine Erwähnung. — Der Pariser
Kunsthändler C. Sedelmeyer stellt in Ed. Schuttes
Kunstsalon eine Sammlung von Gemälden englischer
Meister des achtzehnten Jahrhunderts aus. Es sind
darin die großen Namen Gainsborough, Reynolds,
Romney, Hoppner, Raeburn, Lawrence und der
wenig bekannte Francis Cotes vertreten. Für die
Zuverlässigkeit der Taufe wird nicht in allen Fällen
Bürgschaft geleistet werden können. Man hat zwar
in den Bildnissen, die hier gezeigt werden, die
Zeugnisse einer großen malerischen Kultur vor
sich, aber kaum ein Werk, das im Vergleich mit
den berühmten Schöpfungen jener Meister bedeutend
genannt werden darf. Erwähnenswert ist
höchstens ein Doppelbildnis von Reynolds und ein
malerisch ungemein reizvolles Damenbildnis von
Hoppner. Sedelmeyer verlangt Preise, die nur
amerikanische Milliardäre nicht verhältnislos finden
können. Weitaus interessanter als diese Porträts
sind die ausgestellten Landschaften Constable's,
die bis auf eine übrigens schon vor mehreren Jahren
im Salon Cassirer zu sehen waren. Der Schwede
Erik Hedberg stellt eine Kollektion von Landschaften
aus, meist Schneebilder, die er durch den
Gegensatz von Gelb und Blau — Sonne und Schatten
— sehr effektvoll gemacht hat, ohne etwas Besseres
zu bieten als viele andere seiner Landsleute. Auch
eine »Winternacht« ist vorhanden, in der man einen

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