Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 411
(PDF, 173 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0461
-5t4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -C^=^

Fuchs über eine grauschimmernde verschneite
Schneehalde schleichen sieht. In Charles Guerin
lernt man einen jüngeren Impressionisten aus dem
Salon Georges Petit kennen. Seine Leistungen stellen
eine Synthese aus den Arbeiten Cezannes und denen
des Russen Somoff vor. Diesem sah er die Biedermeierdamen
und Rokokofräulein ab, die in den
Gärten von Versailles und Trianon spaziergehen
oder sitzen, jenem den schwarzgrauen Kontur, der
bewirkt, daß helle Erscheinungen von einem hellen
Hintergrund gut sich lösen, und ferner die rotbackigen
Aepfel auf weißen Tafeltüchern
. Eine höchst oberflächliche
Kunst, die nur in seltenen Fällen
eigene Beobachtungen bietet. Einzig
ein Stilleben kann von dieser summarischen
Ablehnung ausgenommen
werden, das Likörflaschen und Gläser
auf einem Frühstückstisch, vor einer
großen grünen Glasflasche aufgebaut,
wiedergibt. Der Münchener Ernst
Gerhard zeigt kurische Landschaften,
die brav gemacht, aber künstlerisch
durchaus gleichgültig sind. Aus dem
sonstigen Inhalt der Ausstellung verdient
vor allem eine köstliche Gouache
von Menzel hervorgehoben zu werden,
»Maskenball im Schloß« aus dem Jahre
1855. Eine mit brennenden Armleuchtern
bestellte gedeckte Tafel, an der die
in den Speisesaal eintretende, in allerlei
historische Kostüme gekleidete Gesellschaft
soeben Platz nehmen will. Der
Beleuchtungseffekt ist ebenso vorzüglich
beobachtet wie die Menschen. Das
rötliche Licht funkelt in geschliffenen
Gläsern, macht das Silber glänzen und
fließt schmeichelnd über das weiße
Damasttischtuch. Rote und gelbe Gewänder
leuchten auf und weiße Frauenarme
. Alles ist mit der höchsten Intimität
gesehen und geschildert, launig
und brillant, aber ohne jede Kleinlichkeit
. In der Nähe hängt eine Skizze
Liebermann's zu seinem »Altmänner-
haus«, bis auf die mangelnde Ausführung
eigentlich schon das Bild
selbst und als farbiger Eindruck diesem
sogar überlegen. Es findet sich ferner
hier eine Halbfigur Christi von Ed. von
Gebhardt aus dem Jahre 1878. Der
Heiland hält in der einen Hand den
Abendmahlskelch und erhebt segnend
die andere. Man mag religiöse Empfindung
in diesem Werke feststellen
können, in künstlerischer Beziehung ist
es ziemlich uninteressant. Auch von einem Knaus-
schen »Alpenjäger«, der, einen erlegten Raubvogel
an den Fängen tragend, hinter sich graue Nebel,
einen Bergpfad herabkommt, läßt sich wenig Gutes
berichten. Die Zeichnung ist wohl korrekt, aber
die Farbe unerträglich dünn und flau. Zum ersten
Male ist Toni Stadler mit einer größeren Kollektion
seiner Landschaften erschienen. Seine
Lehrer sind die holländischen Landschafter des siebzehnten
Jahrhunderts. Die weite Perspektive seiner
Bilderund die Behandlung der Lüfte lassen an Willem
v. d. Velde denken, die gelblichen Beleuchtungen fand
er bei Goyen. Auch in der zeichnerischen Durchführung
seiner Landschaften ist er jenen Holländern
ähnlich. Dem Charakter dieser Richtungentsprichtdie
Wirkung der Bilder. Sie erscheinen weniger stark als
liebenswürdig, weniger überzeugend als angenehm.

Stadler liebtdie mittleren Stimmungen, ruhige, heitere
Nachmittage im Herbst, und selbst wenn er Regentage
malt, ahnt man hinter den grauen Wolkenschleiern
immer die goldene Sonne. Er holt seine
Motive aus dem bayerischen und tiroler Vorland,
aus der spröden Natur am Ammersee oder aus dem
hügeligen Franken. Unter Stadlers zahlreichen
Bildern erscheinen die Herbstbilder aus Brannenburg
, aus Franken und aus dem bayerischen Vorgebirge
am meisten geglückt. In der Vorliebe für
den Akkord von Grau und Gelb begegnet sich der

philipp klein

bildnis

Ausstellung der Berliner Secession

Künstler mit Ludwig Dill; aber auch nur hierin.
Dills Landschaften bieten gar keine Details. Sie
sind lediglich auf die große Form, auf die geschmackvolle
Verteilung der Farbenflecke hin gesehen und
gemalt. Der Künstler geht der brutalen Wirklichkeit
vielleicht ein wenig zu absichtlich aus demWege.
Er haßt die harten Farben und die heftigen Reizungen
des Lichtes. Die Natur wird für ihn erst
schön, wenn die Dämmerung naht, die alle festen
Formen auflöst, oder wenn dunstige Nebel sie verhüllen
. Das gibt seinen Bildern von vornherein
einen melancholischen Ausdruck und zuweilen etwas
traumhaft Phantastisches. Man meint Wachholder
und Weidengebüsche, Salbeifelder und Disteln, wie
er sie malt, noch nie gesehen zu haben und ist fast
froh, wenn inmitten der düsteren Moornatur die er
schildert, einmal ein paar Häuser und ein Kirchen-

411

52*


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0461