Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 413
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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^s£^

PAUL BAUM

FRÜHLINGSLANDSCHAFT

Ausstellung der Berliner Secession

lieh leuchtende Kopf eines Mönches, (spanische
Schule), diese Porträts von Tizian, Rigaud, Bol,
Ph. de Champaigne u. s. w. sind vollendete Meisterwerke
. Sehr reich, überreich sogar, ist die Zeit des
Herzogs Karl Eugen vertreten; er selbst ist verschiedene
Male zu sehen, von Guibal gemalt; noch
besser ist ein Porträt der Franziska von Hohenstein
, keck aufgefaßt und ungemein wirkungsvoll
im Raum komponiert. Von A. Graff und Tischbein
sind interessante Arbeiten da, desgleichen von den
Davidschülern Ph. Hetsch und G. Schick, sowie
von Seele und Stirnbrand. Namentlich ein Selbstporträt
des letzteren ist ein wahres Meisterwerk.
Was die Darstellung von wichtigen Persönlichkeiten
anbelangt, so fehlt es außer den vielen Bildnissen
fürstlicher Persönlichkeiten auch nicht an
solchen von Fürsten des Geistes; wir sehen Goethe,
Mozart, Wieland u. a. m.; unter ein ungemein brutal-
sinnliches Schillerporträt von Hetsch wollen wir
ein Fragezeichen machen. Auch die modernen
Künstler seien nicht vergessen; wir sehen schöne
Arbeiten von Auberlen, Bennewitz v. Loefen,
Delug, R. Haug, Huber, Jung, Israels, Kiel-
WEiNf, Friedr. Keller, M. Lautenschlager,
Pleuer, Speyer, Treidler, Thost, E. Weisser,
und von — Heinrich Zügel, von dem die Ausstellung
ein kleines interessantes Porträt des Prof.
Fr. Keller zeigt. — Ganz außerordentliches Aufsehen
machte die im Württembergischen Kunstverein
veranstaltete Ausstellung der schwäbischen Bildersammlung
des Marchese Silvio della Valle di Casanova
. Wahrlich, dieser Marchese und seine Gemahlin
, die selbst ausübende Künstlerin ist, haben
es verstanden, Bilder zu kaufen, sie haben schon
im Jahre 1896 zwei solch' bedeutende Talente wie

Otto Reiniger und Hermann Pleuer in ihrer
ganzen Bedeutungerkanntundgewürdigt. Heute weiß
man auch anderwärts, was diese Künstler bedeuten
und nicht zuletzt die diesjährige Int. Kunstausstellung
wird, wie wir verraten können, von Pleuers
koloristischer Bedeutung glänzendes Zeugnis ablegen
. Damals aber, im Jahre 1896, gehörte vielleicht
einiger Mut dazu, um so nach und nach zwölf Bilder
und eine Anzahl Studien und Skizzen von Hermann
Pleuer, sechs Bilder und ca. neunzig Studien und
Skizzen von Otto Reiniger zu erwerben. Welch
wundervolles Werk ist doch dieses »Amen« von
Pleuer (1894), eine Art von Pieta, ein totes Weib
auf der Bahre liegend, zart umleuchtet von dem
Schimmer einer Kerze! Wie wundervoll ist dieser
Lichtschimmer, dieser ausdrucksvolle Kopf des
Weibes gemalt, mit einer Art koloristischer Zurückhaltung
, wie sie damals dem seither so mächtig
entwickelten Koloristen eigen war und in diesem
»Amen« als der stilvolle Ausdruck eines innerlich
beseelten Werkes zum Ausdruck kommt! Gerne
glauben wir, was wir verbürgt wissen, daß der sonst
so wegwerfend urteilende Arnold Böcklin diesem
s. Z. in München ausgestellten Werk seine besondere
Anerkennung ausgesprochen hat. Dieses
»Amen< ist umgeben von einer Anzahl Mondnacht-
Stimmungen von silbern flimmernder Pracht; auch
die 1902 in München ausgestellte Maschinenhalle
ist da. — Ueber Otto Reiniger, diesen großen Landschaftsmaler
, der in dem Reichtum und in der
packenden Wahrheit seiner Naturstimmungen als
der objektivste unserer deutschen Landschaftler bezeichnet
werden darf, wäre so vieles zu sagen, weit
mehr als uns der Raum erlaubt. Heute beschränken
wir uns darauf, daß ein Michetti staunend in Pallanza

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