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«*-^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
feiner Keller-Reutlingen (»Mühle bei Bruck«),
beide aus der Sammlung M. Perls; ferner der
»Blütenregen« von Ludwig von Hofmann, aus
seiner frischesten, farbigsten Zeit (Bes. Dr.
Philib. Heymann), ein Stilleben von Kurt
Herrmann (Bes. Herr Wilh. Hopf), »Eine Mutter«
von Carl Bantzer (Bes. Herr Dr. v. Korn),
einige feine Landschaften von Leistikow und
Otto Feld; auch Liebermann ist mehrfach, leider
nicht sehr günstig vertreten. Ein sehr charakteristisches
Bild, ganz auf müde weiß-graue Töne
gestimmt (»Broncho-Stuten«) des Schotten Pirie
besitzt Dr. Ph. Heymann, ein Aquarell von R. B.
Nisbet Herr Dr. Malachowsky. Ferner haben
Tina Blau, A. Delug, Zoff, Hamacher,
Kubierschky ihren festen Verehrerkreis unter
den Breslauer Kunstfreunden und selbstverständlich
fehlt es nicht an den Namen von sicherem Ruf,
wie Stuck, Lenbach, Gabriel Max, Grützner,
Defregger; unter ihnen verdient ein delikat durchgeführter
Claus Meyer (Bes. Herr Georg Haase)
besonders hervorgehoben zu werden. Eine Ver-
folgungsscene von Herkomer, gesucht in Zeichnung
und Färbung, wirkt mehr als Kuriosität. Ihre
eigentliche Signatur erhält die Ausstellung aber
diesmal durch das starke Hervortreten der Werke
schlesischer Künstler in Breslauer Besitz, ein erfreuliches
Zeichen dafür, daß man sich hier auf
das Gute im eigenen Lande zu besinnen anfängt.
Allerdings gehört gerade hierzu eine Anzahl von
Bildern, deren Erwerb etwa zwanzig bis dreißigjahre
zurückliegen mag und die uns mehr einen schätzenswerten
Beitrag zur Kenntnis der älteren schlesischen
Maler, wie Adolf Dressler, Wölfl u. a. liefern.
Aber auch die lebenden Schlesier sind besonders
zahlreich vertreten, von Bekannteren — außer den
schon genannten — z. B. C. E. Morgenstern, Paul
Linke, Hans Dressler, DoraSeemann, Gertrud
Staats, Spiro, Völkerling, Weimann, Wisli-
Cenus. Ein Bijou der Ausstellung sind drei
Bleistiftzeichnungen Adolph Menzel's aus dem
Besitz der Familie Anton Hübner, mit kleinen persönlichen
Zuschriften des Meisters. - - Ein Porträt
des Dr. Windthorst von Vilma Parlaghy ging als
Geschenk des Grafen Hans Ulrich Schaffgotsch aus
der Ausstellung ins Museum über; ferner wurden ein
Entenbild von Alexander Koester und eine
Landschaft von Max Wislicenus — den malerischen
Blick auf die Breslauer Dominsel über den mit
treibenden Eisschollen erfüllten Oderstrom hinüber
darstellend — als Bestandbilder des Kunstvereins
dem Museum überwiesen. m. s.
DUDAPEST. Die Gesellschaft für bildende Kunst hat
eine internationale Ausstellung veranstaltet, auf
welcher die französische, deutsche, englische, amerikanische
, schwedische und ungarische Kunst vertreten
ist. Zufolge mehrerer günstiger Umstände
sind die Kollektionen der fremden Nationen sehr
glücklich ausgefallen, was man von der ungarischen
Abteilung nicht gut behaupten kann. Von den modernen
Ungarn haben sich Fenyes, Vaszary, Kann,
Ferenczy, Reti, Glatz, Grünwald, Bihari, Rippl-Rönai
und vor allen Läszlö, von den Plastikern Telcs, Fadrusz,
Zala, Donath absentiert, hieraus folgt, daß unter den
Ungarn noch immer das Ewig-gestrige obwaltet.
Von französischen Meistern begegnen wir Bildern
von Manet, Monet, Sisley, Pissaro, Puvis de Chavannes,
von den neueren Meistern sind mit ihres Talentes
würdigen Leistungen nur Lucien Simon, Gaston
de la Touche, Cottet, Denis, Menard, Raffaelli, Lerolle
vertreten. Besnard, Martin, Dagnan-Bouveret haben
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