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-sr4ö- VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^
bloß ihre Visitenkarten abgegeben. Im deutschen
Sale dominieren Kuehl, F. August v. Kaulbach, Albert
v. Keller, auch ein Waldinneres Fritz Baers, Stucks
bekanntes Selbstporträt mit seiner Frau flößen
nicht wenig Interesse ein. Auch die stilisierten,
echt deutschen Landschaften Urbans, Hochs, Steppes,
die Interieurs Molls, die dekorativen Gemälde Raf.
Schuster-Woldans wissen sich Geltung zu verschaffen
. Auch der schwedische Raum ist interessant,
in dem bisher weniger
bekannte Namen mit
ernsten Leistungen vertreten
sind. Die Schneelandschaften
Stenbergs,
Begströms, Wahlströms,
Kallstenius, die Porträts
Oestermans haben sehr gefallen
(es wurde auch auffallend
viel aus dieser Kollektion
verkauft). Die
Amerikanerhaben mit ihrer
virtuosen Technik Aufsehen
erregt, Gari Mel-
chers, Dannat, Pearce,
Humphreys, Vail, Carl
Marr sind in der Tat vortreffliche
Techniker, wohingegen
in der englischen
Kollektion und in dieser
in erster Reihe einige
Schotten als wahre Poeten
erscheinen. Von diesen
sind die Besten Lavery,
Henry, Austen - Brown,
Priestman. In der ungarischen
Abteilung bietet sich
Borut's »Zigeuner - Familie
« — vermittelst ihrer
energischen und kühnen
Pinselführung — als eine
vollendete Leistung dar.
Die edle Haltung eines
von Csök ausgestellten
Frauenporträts ist beachtenswert
. Zemplenyi zeigt
sich auch jetzt als kräftiges
Malertalent; die Farbenkunst
Magyar-Mann-
heimer's ist geradezu
entzückend, seine älteren
Studien strotzen von
Kraft; auch ein Porträt
eines rotkostümierten
Herrn von Tolnay ist
recht interessant. Nicht
zu übersehen sind: eine
SkizzeKERNSTOCK's (Christus
in Emmaus) infolge
der Kühnheit ihrer Farbenauffassung
; ein Frauen-
Kopf Kunfy's, welcher
fast wie ein exotisches
Blumenbouquet wirkt, eine
gute Marine Mendlik's.
Von den Landschaftern sind diesmal Ujvari und
Slanyi am besten vertreten. Nicht wenig überraschend
ist ein ganz frisches Plattensee-Stück des
alten Telepy's, >Der Tyrann«, ein großes allegorisches
Bild Hegedüs', ist mehr Zeichnung als Malerei.
Poll's Pastelle laborieren noch an zuviel Härte.
Die Porträt-Kollektion Märk's wirkt sehr nobel.
Von den Plastikern des Auslandes ragen hervor: eine
feine, »Eva« Hahn's, die Plaquette Charpentier's,
von denen Ungarn's der nun fertige Anonymus
Ligeti's, der aber nicht so frappierend wirkt,
als man sich's seinerzeit von der brillanten Skizze
desselben versprach. — Die goldenen Staatsmedaillen
sind bereits zugesprochen worden. Große Medaillen
erhielten Lucien Simon und Austen-Brown, kleine
Hahn, Oliver Hall (!) und Carl Marr. Heimischen
Künstlern wurden keine zugesprochen, weil sich
dieselben an der Jurywahl schwach beteiligten.
Eine Indolenz, welche diesmal
keinengroßen Schaden
verursachte. b. l.
B'
stanislaus cauer
Ausstellung der
RÜSSEL. Die Societe
Royale des Beaux-Arts
hat ihren zweiten Salon
im modernen Museum eröffnet
. Angesichts einer
goldenen Medaille im
Werte von tausend Franken
, die seit zwei Jahren
in dieser Ausstellung für
das beste Werk zur Ausgabe
gelangt, wird dieselbe
gut beschickt und wer nach
den neuesten Werken belgischer
Kunst Umschau
hält, tut gut, neben den
dreijährigen Kunstausstellungen
in Antwerpen,
Brüssel und Gent auch
diese Ausstellung zu besuchen
. Diesmal hat man
es besonders auf das Porträt
abgesehen gehabt und
auch die ersten Bildnismaler
des Auslandes eingeladen
. Eine herrliche
Sammlung ist zustande
gekommen, in welcher besonders
vortreffliche Porträts
von Blanche, Dag-
nan, Morot, Fantin-
Latour (Selbstbildnis),
Lavery, De Granby,
Richmond, Watts, F. v.
Lenbach, J. Israels auffallen
. constantin meu-
nier hat ein interessantes
Bildnis des Herrn Manoy
gemalt. Von den übrigen
Darbietungen hinterläßt
den nachhaltigsten Eindruck
ein feinempfundenes
Werk des Antwerpener Jacques
Dierckx, der mit
Vorliebe die Bauern der
vlämischen Kampine malt;
in einem Bilde »die Spinnerinnen
« sind die Figuren
überaus charakteristisch
zur Darstellung gebracht,
sie fügen sich harmonisch
dem Ganzen und verstärken
die wundervolle Stimmung, die der Künstler
hervorgerufen hat. Dierckx gibt ernste, gediegene
Kunst. Emile Claus ist mit vier Bildern zur
Stelle, die wieder seine außerordentlichen Qualitäten
dartun. Wer das Schaffen dieses Meisters
verfolgt, wird die Beobachtung machen, daß er
in seinen letzten Bildern viel intimere Wirkungen
erzielt. So sind ein »Erntebild« und eine »kleine
Hütte« recht zart und besonders reizvoll im Ton.
« weibliche figur
Berliner Secession
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