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-sr-^> VON AUSSTELLUNGEN — PERSONAL-NACHRICHTEN
die Münchner P. Hey, Oppler, LuGOf, A.Zimmermann
, meyer-Basel, M. Liebenwein, die brillanten
Tierstücke von R. MüLLER-Dresden, und Neuenborn
, ferner die Namen Orlik, Olgyai, Heroux,
Myrbach, H. Hedler-Ostersetzer (mit seinen
ausdrucksvollen farbigen Zeichnungen aus dem Leben
des Proletariats), so wird der Reichtum des Gebotenen
zur Genüge angedeutet sein. Aber auch die Künstler
Stuttgarts sind in der Ausübung dieses neuen
Kunstzweigs nicht zurückgeblieben, wie uns zahlreiche
schöne Blätter von Kalckreuth, Rob.
Haug, F. Lang, C. Grethe, Eckener, Gamper,
A. Schmidt, K. Bauer, Lebrecht, Gabler,
Heyne, Heine-Rath, Laage, Wulf, Naumann
beweisen. h. t.
IEN. Es ist unzweifelhaft, daß die so überaus
spezialisierte und differenzierte Art unserer
jetzigen Kunstausstellungen für die rasche Vermittlung
prägnanter Kunstäußerungen von großem
Wert ist. Den Sezessionen verdankt man die weise
Beschränkung des Materials, welche dem einzelnen
es erlaubt, unmittelbarer und ungehinderter als es
bei den früher üblichen Massenexpositionen möglich
war, seine Eigenart kundzutun. So hat die
diesjährige Frühjahr-Ausstellung des Hägen-Bundes,
welche sich im übrigen auf der gewohnten Höhe
achtungsvoller Leistungsfähigkeit hält, einem ganz
jungen Talent Gelegenheit gegeben, sich mit einem
Schlage inerste Reihe zu stellen. Der Bildhauer Josef
Heu ist es, der mit seiner Brunnengruppe (Befreiung
der Quelle) eine prächtige Arbeit der Skulptur geschaffen
hat. Der Gedanke, welcher dem Werk zugrunde
liegt, ist so eminent plastisch, er ist so sehr dem
Wesen der Skulptur entsprungen, daß Geistes-Impuls
und Material-Uebersetzung als untrennbare Einheit
wirken. Felsblöcke bilden den tektonischen Aufbau
. Zwei Männer mühen sich, einen dieser Blöcke,
unter welchen die Quelle verborgen liegt, wegzurollen
. Der eine, sitzend mit nach rückwärts gestreckten
Armen, sucht das Gestein aus den Klammern
der Erde herauszustemmen; der andere steht
vornübergebeugt, seine Hände umfassen den Block.
Dem Impuls des Hebenden gesellt er die Kraft des
Stoßes. Noch einen Moment höchster Anspannung,
und, so tühlt man, rollt der Fels herab, sprudelt
von allen Fesseln befreit der Quell hervor. Ganz
aus körnigem rauhen Stein ist diese Gruppe geformt.
In diesem schlichten, so kräftig wirkenden Material
kommen die breiten, großzügig bearbeiteten Flächen
der Akte in herbster Strenge zum Ausdrucke. Naturgewalten
und menschliche Energien im Kampfe
strömen in kräftigem Linien-Rhythmus aus. Es wurde
dem Unterrichts-Ministerium nahegelegt, bei den
staatlichen Ankäufen vor allem das schöne Werk
Heu's zu berücksichtigen. Pekuniäre Erwägungen,
so hieß es, verhinderten dies. Man zögerte, für
ein einzelnes Werk eine größere Summe auszugeben
und zog es vor, dieselbe Summe zu zersplittern und
eine Anzahl von Bildern zu erwerben, welche vielleicht
für die Entwicklung ihrer Schöpfer von Interesse
sein mögen, denen aber das bedeutungsvolle Moment
einer an und für sich wertvollen Kunstschöpfung fehlt.
Und gerade hier ist doch der Punkt, wo staatliche
Förderung not täte. Nicht um Unterstützung der
Künstler, sondern um Unterstützung der Kunst
handelt es sich in erster Linie. Interessant sind
die Märchenstimmungen von Walter Hampel.
Ausgezeichnet ein Herbstbild des Manes-Mitgliedes
Uprka, welches koloristisch und seelisch die Heimnote
echt und treu gibt. Sehr kräftig arbeitet Hegenbarth
in der Art seines Meisters Zügel. Sonst
wüßten wir wenig Eigenwuchs zu nennen. Doch
dünkt uns, eine Ausstellung hat ihren Zweck erfüllt,
wenn sie einer starken, echten Individualität zur
vollen Entfaltung verhilft. b. z.
DERLIN. Die Nationalgalerie hat als Neuerwer-
bungen zu verzeichnen: ein Gemälde »Innenraum
« von Adolf v. Menzel, ein Herrenbildnis
von Wilhelm Trübner, zwei Bilder »Der Herr
Pfarrer> und »Dorfstraße« von Karl Spitzweg,
eine Landschaft von P. Burnitz, das Gemälde
»Meeresküste bei Mondschein« von Kaspar Friedrich
, das Bildnis Friedrich Rückerts von Berta
Froriep und das Pastellbildnis Jean Pauls von
Grail.
"ELBERFELD. Das Städtische Museum erwarb
aus dem Besitz der Hermes'schen Kunsthandlung
in Frankfurt a. M. ein Gemälde von F. A. von
Kaulbach, des Künstlers Töchterlein darstellend.
PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
T EIPZIG. Auf S. 439 findet sich eine Wiedergabe
der bei ihrer Vollendung in einer römischen
Korrespondenz bereits besprochenen neuesten Schöpfung
Otto Greiner's. Die Veröffentlichung wird
um so mehr interessieren, als das Gemälde, nachdem
es, wie schon gemeldet, in den Besitz des Städtischen
Museums übergegangen ist, auf Ausstellungen
kaum mehr gezeigt werden dürfte.
l/'ARLSRUHE. Professor Schönleber, der noch
immer an der Spitze der hiesigen Landschafterschule
steht, hat in dem »Schwarzen Wasser von
Brügge« neuerdings wieder glänzend bewiesen, daß
er einer der stimmungs- und gehaltvollsten lebenden
Landschafter überhaupt ist. In seiner neuesten koloristischen
Auffassung macht sich ein ganz unverkennbarer
Einfluß der Fehrschen Richtung, die hier
neben der Thomaschen fast ausschließlich dominiert
, stark bemerkbar, was wahrlich nicht zum
Schaden des Bildes gereicht. Sein Schüler Hellwag,
der seinen hiesigen Aufenthalt mit dem in dem
malerischen St. Ives an der englischen Südwestküste
teilt, führt uns eine Kollektion von dorther stammender
Marinen vor, in denen das Spiel des Lichtes
und das bewegte Wasser meisterhaft geschildert sind.
Ein zweiter Jünger des obigen Meisters, der zu den
strebsamsten, verheißungsvollsten Talenten in seiner
Schule gehört, ist Walter Strich-Chapel, dessen
sonnige, tonige Stimmungslandschaften einen hohen
künstlerischen Standpunkt jetzt schon einnehmen.
Auch Otto Leiber, der sich neuerdings von Hans
Thoma stark beeinflußt zeigt, H. Majendic, Prof.
M. Roman, W. Lachenmeyer, A. Baumeister,
A. Engelhardt, Karl Dussault und namentlich
A. des Coudres sind sehr tüchtige Landschafter,
die es mit ihrer Kunst ernst genug meinen. Ein vielseitiger
begabter Künstler ist der ehemalige Kellerschüler
Max Frey, derneuerdings in seinen fein durchgeführten
Landschaften und Marinen sehr zu seinem
Vorteil, sich gleichfalls an die Fehrsche Kunstweise
eng angeschlossen hat. Auch der Tiermaler Robert
Katz, ein Schüler von Professor Weishaupt, dürfte
hier rühmlichst zu erwähnen sein. — In dem herrlichen
Park der Großh. Kunstakademie fand dieser
Tage ein von der gesamten hiesigen Künstlerschaft
zugunsten eines zu erbauenden Künstlerhauses
veranstaltetes prächtiges, im „Botticelli-Stile" von
Professor Fehr u. a. arrangiertes Frühlingsfest
statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Q
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