Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 440
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0492
-*-4^> PERSONAL-NACHRICHTEN - DENKMÄLER <Ö£^

JV/IÜNCHEN. An der Akademie der bildenden
Künste wird ein Nachfolger des verstorbenen
Professors Eberle erst zu Anfang des Wintersemesters
1903 4 ernannt werden. Bis dahin leitet
in provisorischer Weise die Studien in der Komponierschule
Professor von Rümann, die in der
Unterklasse Bildhauer Perathon er, ein Komponierschüler
Rümanns. — In den Brunnendenkmal-
Konkurrenzen für Zweibrücken und Reichenhall
sind die Entwürfe der Bildhauer August Drumm
und Karl Killer nach erfolgter Umarbeitung
jetzt zur Ausführung bestimmt worden. — Für eine
Hamburger Kunstfreundin hat Theodor Pixis den
Karton zu einem Glasgemälde vollendet, das die
Schlußscene aus Otto Kinkels »Otto der Schütz«
zum Vorwurf hat. Mit der Ausführung des
Fensters ist die hiesige Hofglasmalerei von F. X.
Zettler betraut worden. — Prof. Franz Roubaud
hat sein großes Rundgemälde »Sebastopol« vollendet
und wird jetzt, einem an ihn ergangenen
Rufe folgend, nach St. Petersburg übersiedeln.

D ASEL. Der bekannte Schweizer Medailleur Hans
*^ Frei in Basel hat im Auftrag der Waadtländer
Regierung zur Centenarfeier der Aufnahme der
Waadt als Schweizerkanton (Mediationsverfassung
1803) eine Plakette geschaffen, die ein reizendes Kunstwerk
ist. Sie zeigt in noblem Flachrelief, mit welchem
Frei seinem Lehrer Roty (Paris) alle Ehre macht,
auf der einen Seite den Genius der Freiheit, der in
die Waadtländer Rebhügel am Genfersee das »Liberte
et Patrie«-Banner pflanzt; der Revers ist eine schlichte,
ruhige Genre-Komposition: eine Ziegenhirtin, die
unter einem Baume strickt, hinter ihr ein pflügender
Bauer.— Für das Fach der Archäologie und Kunstgeschichte
hat sich an unserer Universität der früher
in Zürich als Dozent tätige Dr. E. A. Stückelberg,
der Sohn des bekannten Schweizer Malers, habilitiert.
— Zum Direktor des historischen Museums ist Herr
Dr. Ferdinand Holzach ernannt worden. g.

GESTORBEN : In Budapest am 29. April der Bildhauer
Ferenz Szarmyovsky, 1863 geboren;
in Paris der Zeichner Couturier, fünfunddreißig
Jahre alt; in Berlin der Maler Friedr.
Behrendt; in Kopenhagen, vierundachtzig Jahre
alt, der Landschaftsmaler Wilhelm Kyhn; in
Neckargemünd am 13. Mai der Stuttgarter Architekt
Skjöld Neckelmann; in Sevilla der Maler Jimenz
Aranda; in München am 10. Mai der Maler
Salomon Hirschfelder, zweiundsiebzig Jahre
alt; in Heidelberg die Lübecker Landschaftsmalerin
Elisabeth Reuter; in München am 19. Mai der
einstige Direktor des Bayr. National-Museums Geheimrat
Prof. D. J. H. von Hefner-Alteneck.

DENKMÄLER

CLENSBURG. Die Ausführung eines Wrangel-
*■ Denkmals ist dem Berliner Bildhauer Professor
Ad. Brütt auf Grund einer dafür vorgelegten Gipsskizze
übertragen worden.

JV/IERAN. Ein Kaiserin Elisabeth - Denkmal, das
der Wiener Bildhauer Professor Hermann
Klotz geschaffen, ist am 13. April enthüllt worden.
Auf niederem Sockel, der als einzige Inschrift den
Namen »Elisabeth« aufweist, erhebt sich die Statue
der Kaiserin, welche auf einem Gartenstuhl sitzend
dargestellt ist. Das Denkmal ist ein Geschenk des
k. und k. Kommerzialrates Emil Dalmata, Edlen von
Hideghet, in Erlau bei Wien.

WH EN. Am 7. Mai ist auf dem Zentralfriedhof das
Grabdenkmal für Joh. Brahms, eine Schöpfung
der Bildhauerin Ilse Conrat, enthüllt worden.
Es stellt den Meister dar, nachdenkl ch in einer
Partitur blätternd.

"DOTSDAM. Die Ausführung des hier geplanten
* Kaiser Friedrich-Denkmals ist vom Kaiser dem
Berliner Bildhauer Prof. Eugen Boermel übertragen
worden, der mit Prof. Max Baumbach zu
einem engeren Wettbewerb aufgefordert worden war.

T_J AMBURG. Im Laeiszhof ist am 26. April ein
*■ *■ Denkmal an die Rheder Ferdinand, Karl und
Karl Ferdinand Laeisz, Großvater, Vater und Sohn
enthüllt worden, das der im Vorjahre verstorbene
Bildhauer Cäsar Scharff noch entworfen hatte.
Die Hauptgruppe des Denkmals bilden drei Figuren,
die die Mitte einnehmende kraftvolle Mannesfigur
kennzeichnet, ein Schiff tragend, die Schiffahrt. Ihr
zur Seite steht ein den Schiffbau charakterisierender
Arbeiter mit einer Schiffsschraube, eine Frauenfigur
zur anderen Seite verkörpert die fürsorgliche See-
Assekuranz. In die Wand des Vestibüls, an die
sich das Denkmal lehnt, ist ein Relief, den Hamburger
Hafen mit dem Segler »Preußen« darstellend
, eingelassen. Die Bronzefläche ist mit
Säulen umrahmt, welche die in Marmor ausgeführten
Reliefporträts der drei Gefeierten zieren.

BERICHTIGUNG

L. Volkmann zitiert auf S.378 als meine abschließende
Definition des Begriffs Kunst die Worte (I 167):
»Kunst ist eine teils angeborne, teils durch Uebung
erworbene Fähigkeit des Menschen, sich und anderen
ein auf Illusion beruhendes Vergnügen zu bereiten,
bei dem jeder andere bewußte Zweck als der des Vergnügens
ausgeschlossen ist.« Dieser »äußerlichen«
Auffassung setzt er die seiner Meinung nach »tiefere,
geistigere« Auffassung entgegen, daß die Kunst zur
Klärung und Bereicherung unserer Vorstellungen von
der Natur beiträgt. Dem gegenüber begnüge ich mich,
meine wirklich abschließende Definition von Kunst auf
S.60 des zweiten Bandes meines »Wesens der Kunst«
zu zitieren, wo ich sage: »Und wir können danach die
früher gegebene Defination für Kunst (I 167) in folgender
Weise erweitern: Kunst ist jedeTätigkeit des Menschen
, durch die er sich und anderen ein von praktischen
Interessen losgelöstes, auf einer bewußten
Selbsttäuschung beruhendes Vergnügen bereitet und
durch Erzeugung einer Anschauungs-, Gefühls- oder
Kraft Vorstellung zur Erweiterung und Vertiefung seines
geistigen und körperlichen Lebens und dadurch zur
Erhaltung undVervollkommnungderGattungbeiträgt. <
Der Leser wird demnach selbst beurteilen können,
wie es mit der »Vertiefung« und »Weiterführung«
meiner Aesthetik durch Volkmann bestellt ist. Im
übrigen kann ich nur auf meinen Artikel »Das Künstlerische
in der Kunst« (K. f. A., Heft 10 und 11 dieses
Jahrgangs) verweisen, in dem nachgewiesen ist, daß
die Kunst unsere Anschauungen von der Natur nicht
bereichert, sondern nach der besonderen Seite unserer
Sinnentätigkeit, auf die die betreffende Kunst gerichtet
ist, vertieft, und daß das, was Volkmann »Klärung
unserer Anschauungen« nennt, nichts ist als die
Accentuierung und Umgestaltung der Natur, die der
Künstler vornehmen muß, um mit seinen einseitigen
Mitteln Illusion zu erzeugen. Diese Beweise hat
Volkmann in seiner Erwiderung nicht widerlegt, ja
zum Teil nicht einmal erwähnt.

Prof. Länge-Tübingen

Redaktionsschluß: 23. Mai 1903. Ausgabe: 4. Juni 1903.

Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwartz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. — Druck von Alphons Bruckmann. Sämtlich in München.


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