Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 444
(PDF, 173 MB)
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-*-£s£> MÜNCHENER SECESSION <ös^

Partien um den Mund reizende Details aufweisen
. Josef Flossmann hat die „Zierfigur"
aus der Aula der Fischerschen Mädchenschule
ausgestellt, eine von der leisen Grazie der
Gotik bewegte Mädchengestalt, aus rötlichem
Marmor großformig herausgehauen, deren
Attribut, ein erloschenes Lämpchen, sie als
eine der „törichten Jungfrauen" kennzeichnet.
Gern sieht man in München auch wieder
einmal den freien, saftigen Formenschwung
AugustHudler's, dereinen „ruhendenMann"
(Abb. s. S.464) von ungeschlachten Gliedmaßen
und amüsantem Kopftypus bringt. Eine sehr
angenehme Verbindung von gesundem Aktstudium
und bronzemäßiger Formbehandlung
zeigt die kleine „Diana" von Hubert Netzer
(Abb. s. S. 462). Im ganzen dominiert indessen
in München jetzt die stilistische Richtung.
Die Versuche, direkt in Stein, Savoniere oder
gar Marmor zu hauen, mehren sich. Freilich
die Zwanglosigkeit, mit der Hildebrand den
Stein wieder in einem anmutigen, zu Grabzwecken
bestimmten Relief eines mandoline-
spielenden Engels bearbeitet, ist den Jüngeren
einstweilen noch versagt. Im Gegensatz hiezu
erstrebt Georg Wrba, den man auf dem Ge-

EUGEN SPIRO VOR DEM SPIEGEL

Ausstellung der Münchener Secession

biet der architektonischen Skulptur als strengen
Stilisten von romanischer Observanz kennt, in
einigen Marmorbüsten, zwei zarten Frauenhermen
von nuancenreicher Arbeit und einer
männlichen Halbfigur von einer nicht eben
heroischen Nacktheit (Abb. s. S. 463), ganz
stoffliche Effekte in Bezug auf die „morbidesse"
des Fleisches. Entschiedenen Sinn für plastische
Geschlossenheit, bei sympathischer
Auffassung, erweist Fritz Behn in dem
schönen Doppelporträteines älteren Ehepaares.
Eine stil- und sinnvolle Arbeit von Georg
Römer, ein maskenverziertes Petschaft von
kräftiger, den Zweck sinnfällig betonender
Form, sowie eine Reihe guter Medaillen von
Paul Sturm geben vom Fortschritt der Kleinplastik
Kunde.

Auf ihrer eigentlichen Domäne, der Malerei,
stehen, trotz starken Zuzugs vom Ausland,
die Münchener gleichfalls obenan. Wieder muß
man Fritz v. Uhde an erster Stelle nennen,
und da weiß man nicht: soll man seinem
köstlichen Weihnachtsbild mit den musizierenden
Mädchen unter dem kerzenstrahlenden
Weihnachtsbaum oder dem kleinen Genre:
dem lesenden Mädchen in dem sonnendurchfluteten
Zimmerchen mit lieblichem Blick in
den blühenden Sommer hinaus (Abb. s. S. 445)
den Vorzug geben? Gemalt sind beide Bilder
gleich geistreich, leicht und anspruchslos,
und was dem bescheideneren, kleineren Stück
verglichen mit dem „Weihnachtsfest" etwa
an inhaltlichem Leben abgehen mag, ersetzt
reichlich die Poesie, mit der unser Meister
den schmucklosen Gegenstand verklärt, indem
er den ihm innewohnenden malerischen Reichtum
vor aller Augen, auch dem Blödesten und
Verstocktesten bemerkbar, ausbreitet. — Aehn-
lich gottgesegnete Organe des Schauens und
Farbensehens offenbart auch Ludwig Herte-
rich, der in dem schlichten Motiv arbeitender
Zimmerleute in der Werkstatt, im Figürlichen
wie in der Schilderung des frisch bearbeiteten
„blutenden" Holzes, ja der Hobelspäne,
ein wundervolles Leben ineinanderspielender
Farben, vom kühlen Perlgrau bis zum leuchtenden
Grün und Rot sich abstufender Töne
erweckt. Zwei staffierte Straßenscenen von
der Hand desselben Künstlers sind vielleicht
noch zarter, ein mit größter Bravour unendlich
sicher hingeworfenes Kinderbild mit
buntem Schaukelpferd als koloristischem Accent
dagegen auf schlagende Fernwirkung berechnet
. Hervorragend ist auch wieder Angelo
Jank vertreten als Bildnismaler der eleganten
Sportswelt. Ein Parforcereiter im roten
Frack neben seinem Gaul (Abb. s. S. 453) und
ein anderes Doppelporträt, „Ella und Bella"

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