Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 449
(PDF, 173 MB)
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RUDOLF N1SSL

AM KAFFEETISCH

Sommer - Ausstellung: der Münchener Secession

Schönheit der Töne. Ja, was so eine ägyptische
Märchenerzählerin sich nicht alles ausdenkt
! Ein Märchen — die alte Geschichte
von der schönen Nixe, die in die Netze der
plumpen Fischer geriet — erzähltJuLius Exter
in neuer Tonart mit den starken Mitteln
seiner farbenreichen Darstellungskunst. Mächtigere
Töne schlägt dieser nie ermüdende,
niemals stillstehende Künstler in einer tiefernst
konzipierten Pietä an. Der Leichnam
von großformiger Modellierung ist in seiner
elfenbeinernen Weiße dem starken Blau des
Himmels entgegengesetzt; die Köpfe des
Christus und der Madonna in unheimlichem
Dämmerlicht wunderbar klar herausgearbeitet.
Daneben bringt Exter noch ein interessantes
Bauernbild und, nicht genug damit, das lebensgroße
Bildnis einer Dame in scharfem Seitenlicht
, ein Bild von solcher plastischer Kraft,
daß er damit alles Aehnliche auf der Ausstellung
in den Schatten stellt. Dagegen
gewährt Exters alter Rivale aus den Zeiten
der jungen Secession, Franz Stuck, diesmal
keineswegs denselben ungetrübten Genuß.
Zwar eine neue Auflage seiner Susanna
im Bade — ein nacktes, appetitliches Weiblein
in einem köstlich erfundenen architektonischen
Milieu, ist so reizvoll gemalt, wie

eben, nach Böcklins Tode, nur Stuck solche
Dinge zu malen versteht, aber dies einzige
wirkliche Bild kann uns, die wir von ihm doch
mehr gewohnt sind, weder für die ganze
Reihe im pompejanischen Freskenstil gehaltener
Dekorationstücke, noch für die diesjährige
„Pietä" mit ihrem ganz unkünstlerischen
Guckkasteneffekt irgendwie entschädigen
.

Dafür steht Hugo v. Habermann, der einen
großzügigen Halbakt von bacchantischer Stimmung
geschaffen hat (Abb. s. S. 442) und
der ferner einen wundersam volltönenden
Akkord anschlägt in einer weiblichen Bildnisstudie
von prachtvollem Fluß der Linie und
des Lichtes, ganz auf der Höhe; so auch Leo
Samberger mit neuen temperamentvollen
Leistungen gewohnter Art: Porträts bekannter
Münchener Künstler, in Oel und Kohle, ferner
Albert v. Keller mit einem deliciös ausgeführten
Frauenhaupt auf goldigrotschim-
mernder Seide, sowie anderen älteren und
neuen Arbeiten von der ihm eigenen Pikanterie.
Ein im distinguierten Geschmacke der schottischen
Porträtisten gehaltenes Familienbild
von sympathischer Auffassung bringt diesmal
Heinrich Knirr (Abb. s. S. 448). Die alte
Delikatesse, bei etwas aufgelockerter und

Die Kunst für Alle XVIII.

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