Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 450
(PDF, 173 MB)
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-sr^£> MÜNCHENER SECESSION <ö^~

frischerer Malweise, bewährt wieder Hans
Borchardt in einigen geschmackvoll staffierten
Interieurs (s. S. 460). Einen neuen
Ton von sehr diskreter Klangwirkung schlägt
Paul Wolff-Zamzow in einem Biedermeierpaar
auf blumiger Wiese an, ein liebenswürdiges
Bildchen, das nur in der Landschaft
ein wenig gar zu großpapalich-zuckersüß
schmeckt (Abb. s. S. 451).

Herbere, aber nicht weniger schmackhaftere
Kost setzt Hans Rossmann in seinem
prächtigen „Feierabend" vor (Abb. s. S. 447),
ein echtes Bauernbild von jener gelassen-zu-
ständlichen Stimmung, wie sie der früh vollendete
Heinz Heim mitunter aus dem Odenwald
brachte; die eigentliche Note ist hier
freilich ausgesprochen oberbayerisch. Was
dem fest gezeichneten und dabei im Ton der
Hintergrundlandschaft sehr feinen Bilde den
besonderen Reiz verleiht, ist wohl der Umstand
, daß es nicht nur bäuerliches Dasein
schlecht und recht abschildert, sondern bis
zu einem gewissen Grade auch im bäuerlichen
Geschmacke. Mit welcher Liebe so
ein geblümtes Stück Seidenband, ein Hosenträger
, wie die bunten Wiesenblumen im
Vordergrund studiert sind, das verrät ein wirk-

julius paul junghanns widerspenstige ziegen

Sommer-Ausstellung der Münchener Secession

lieh inneres Erleben, ein richtiges Pietätsverhältnis
des Künstlers zu seinem Gegenstand.
Bei Hans Thoma's schöner romantischer
Landschaft mit dem Titel: „Geh aus mein
Herz . . . ." (Abb. s. S. 456) stört die Staffage
empfindlich, während Rudolf Riemerschmid
im Bilde eines Jägers (Abb. s. S. 446) Figur
und Landschaft in vollen Einklang bringt.
Den ganzen Zauber seiner angenehm mürben
Technik bewährt Ludwig v. Zumbusch in
einer poesieerfüllten Mandolinenspielerin (s.
S. 457) und namentlich auch in dem amüsanten
Bildchen eines Babys im Steckkissen, ein Motiv,
dem der Künstler ungeahnte koloristische
Reize abzugewinnen verstand.

Auf dem landschaftlichen Gebiet im Sinne
der Stilisten tut sich wiederum Karl Haider
mit einem gewaltigen Hochgebirgsprospekt,
sowie einem herrlichen Seebild hervor, während
Hermann Frobenius mit seiner Einödkapelle
(s. S. 461) diesmal ein wenig äußerlich
vedutenartig bleibt. Ernste Töne schlägt
Richard Pietzsch an in seinen dunkelströmenden
Wassern (Abb. s. S. 453) und
einer von ähnlichem, man möchte sagen,
Rousseau'schem, heroisch gesteigertem Naturgefühl
erfüllten Berglandschaft im Tagesgrauen.

Ueber die alte Secessionslandschaft
bedarf es kaum eines Wortes. Ludwig
Dill ist mit acht Temperastücken
von gewohntem Qualitätenreichtum
vertreten, ihm reihen sich Adolf
Holzel (s. S. 455), Bernhard Buttersack
(s. S. 458) und Oscar Graf
würdig an. Paul Crodel schildert in
weicher Pinselführung einen „Apriltag
auf der Lüneburger Haide" (Abb.
s. S. 454), während Richard Kaiser
mit einem großen Schloßparkbild von
teppichartiger Gediegenheit des Tons
einen Ausflug ins romantische Land
macht. Worpswede ist durch eine
Frühlingslandschaft von Fritz Overbeck
vertreten (s. S. 459), der Nordosten
durch zwei hervorragende neue
Arbeiten von Ludwig Dettmann:
zwei singende friesische Bauernmädchen
, seltsam eckige Gestalten
von vertrackter Silhouette, in abendlich
warmer Beleuchtung, und ferner
eine wundervoll harmonisch gesehene
Abendstimmung in den Hügeln nahe
dem Meere. Ein stets gern gesehener
Gast ist auch Robert Haug; er sandte
u. a. ein paar seiner berühmten Husarenbilder
(s. S. 455), und ein prachtvolles
Interieur.

(Ein zweiter Artikel folgt)

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